Aufnahme: 1900
Ein seltenes Foto des früheren Ittenbacher Schulhauses, aus dem später das Pilgerheim St. Lukas entstand
Hier ein kleiner Einblick in die Ittenbacher Schulgeschichte:
Lehrer Clemens Meng, vom 1. November 1856 bis zu seinem Tod 1896 Lehrer in Ittenbach, hatte am 30. Juli 1865 eine Schulchronik angelegt, die von seinen Nachfolgern bis zum Kriegsende 1945 weitergeführt wurde (2 Bände, vollständig abgedruckt in unserem Museumsraum „Schriften“). In früheren Zeiten, so schreibt er, hatten die jeweiligen Küster in ihren Wohnstuben und nur von Dezember bis Februar Ittenbacher Kinder unterrichtet.
1819 wurde das erste Gemeindeschulhaus gebaut. Es stand unterhalb der katholischen Kirche in der Kirchstraße (siehe Chronik „200 Jahre Ittenbacher Schulverhältnisse“, ebenfalls im Raum „Schriften“).
Lehrer Meng, der erste in einem Seminar ausgebildete Ittenbacher Lehrer, hatte 140 Kinder in der Ittenbacher Schule zu unterrichten. Der Schulsaal platzte längst aus allen Nähten. Das alte Schulhaus wurde 1858 abgerissen.
Das neu errichtete Schulhaus, das im November 1859 eingeweiht wurde, war der Vorgängerbau des heutigen Pilgerheims St. Lukas, „ein für damalige Verhältnisse geräumiger, wenn auch einstöckiger Bau. Die eine Hälfte als Schulsaal, die andere wieder als Wohnung“ (Chronik „200 Jahre Schulverhältnisse Ittenbach“). Während der Zeit des Schulneubaus waren die Kinder im Tanzsaal von Peter Kneiseler unterrichtet worden, schreibt Meng, der die Ittenbacherin Elisabeth Görres geheiratet hatte. Nicht nur der Schulsaal, auch die nur aus 2 Zimmern bestehende Lehrerwohnung wurden schnell zu klein.
Clemens Meng betrieb während seiner 40jährigen Lehrer-Tätigkeit neben der Schul-Baumschule eine private Baumschule mit Obstbaumzucht, in denen die Schulkinder mitarbeiteten und dabei viel lernten und mit denen er seinen Lebensunterhalt verdiente. Darüber legte er in seiner Chronik ausführlich Rechenschaft ab.
Auch ansteckende Krankheiten grassierten damals. 1873 bis 1874 „trat der sogenannte Krupp- oder Stickhusten gleichsam epidemisch unter den Kindern auf… und wirkte sehr hemmend auf den Unterricht. Ich habe bemerkt, daß bei den meisten Kindern, die von dieser Krankheit befallen worden, ein halbes Jahr verging, ehe sie vollständig genesen waren.“ Im Frühjahr 1881 erkrankten viele Kinder an der wiederum epidemisch auftretenden Krankheit „Mommes“ (Halsübel) (Anm. Red.: vermutlich Mumps). „Die gesünderen Schulkinder der davon heimgesuchten Haushaltungen wurden für die Dauer der Krankheit vom Schulbesuch dispensirt.“ Im Jahr darauf bekamen sehr viele Kinder „überaus heftig“ die Masern. „Durch die Revaccination waren ebenfalls mehrere Kinder wegen ganz außerordentlich aufgeschwollenen Armen nicht im Stande, die Schule zu besuchen.“
Lange schon liefen Planungen für einen Schulneubau, bei dem es zu gravierenden Baumängeln gekommen war. In dieser Zeit waren im unteren Teil der Schule zwei Schulsäle und im oberen Teil Lehrerwohnungen ausgebaut worden.
Am 13. September 1885 konnte Lehrer Meng endlich (und ohne Einweihungsfeier) erstmals in der neuen Schule, der heutigen „alten Schule“ in der Kirchstraße, unterrichten. „In einem Zeitraum von beinahe 26 Jahren“, so schreibt er, „hat die Gemeinde die 2te Schule gebaut. Ich habe während einer Zeit von 20 Jahren bei schlechtem Schulbesuche, hatte immer 140 Kinder unterrichtet, ohne je eine Vergütung dafür zu haben.“
Und zum 1. April 1886 heißt es in der Chronik: „Die bisherige einklassige Halbtagsschule ist von diesem Tage eine 2 klassige Schule geworden. Die 2te Klasse wurde von der Königl. Regierung dem Schulamts-Kandidaten Wilhelm Thomas, geb. zu Küngenhohn Bezmstr. Uckerath, wohnhaft zu Keth b/ Oberpleis übertragen.“
1931 kaufte der Maurermeister Josef Langenfeld das ehemalige Schulhaus (siehe Schulchronik von 1931). Ältere Ittenbacher sprechen noch heute vom „Haus Langenfeld“. Beim Beschuss durch amerikanische Panzer am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde dieses Haus fast vollständig zerstört. „Nur die Grundmauern standen noch... Pfarrer Hambüchen erwarb das Grundstück und ließ aus den Trümmern zum Andenken an seine verstorbene Mutter ein Heim für alle obdachlosen Menschen erbauen. Die Verwirklichung des Baues war infolge der Knappheit des Materials und der Geldentwertung mit großen Schwierigkeiten verbunden. Aber Pfarrer Hambüchen ließ sich nicht entmutigen, und dank seines felsenfesten Gottvertrauens und seiner unermüdlichen Tatkraft wurde das Haus - begonnen 1948 - im Jahre 1950 vollendet“ (Siebengebirgs-Zeitung vom 27.11.1970). Später entstanden hier Wohnungen für Ältere. "Im Jahre 1993 musste das Haus als Altenheim wegen immer kostenträchtigeren Auflagen geschlossen werden. Nach einer umfangreichen Modernisierung im Innenbereich entstanden 16 seniorengerechte Wohnungen ... Das Haus gehört seit Januar 2015 dem Caritas-Verband im Rhein-Sieg-Kreis in Siegburg" (Homepage Kirche am Oelberg).
Mehr Infos finden Sie im Raum "Katholische Kirche“ in der Vitrine „Pilgerheim St. Lukas“.
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