Aufnahme: 1981
Ittenbacher Sinfonie - Gedanken von Liesel Linn nach einem Besuch des Soldatenfriedhofs
Ein abendlicher Besuch am Allerheiligentag auf dem Ittenbacher Soldatenfriedhof inspirierte Liesel Linn aus Köln zu folgenden Versen, die im November 1981 in der Siebengebirgs -Zeitung abgedruckt wurden:
Der Tag versinkt im grauen Nieselregen, Und Dämmerung deckt still die Gräber zu Nur ein paar Amseln auf den engen Wegen Und zwischen all den Kreuzen ich und du.
Das kleine rote Grablicht flackert leise Im feuchten Gras - ein Becher voller Glut Verwandelt auf geheimnisvolle Weise Die Regentropfen ringsumher in Blut,
Wir sehen fröstelnd zu. Die alten Lieder Von Blut und Erde geistern durchs Gebet Dann knie ich vor dem Steinkreuz nieder Und les' im Flackerlicht, was darauf steht.
Ich stutze, staune, kanns zuerst nicht fassen Die eingekerbte Schrift läuft mir davon Und doch: es stimmt. Das Kreuz im Rasen Trägt den berühmten Namen Mendelssohn
Ein Mendelssohn-Bartholdy, Jahrgang 14 Kein Felix, sondern ein Sebastian Im letzten Kriegsjahr, Anfang 45 Gefallen für des dritten Reiches Wahn.
Ob diesem Toten wohl an seiner Wiege Der Geist des großen Meisters Pate stand? Ein Neffe oder Enkel, der im Kriege Hier seine letzte Ruhestätte fand?
Wer du auch seist, du Erbe solcher Namen Schlaf wohl bei der Kerze sanftem Schein Der Herbstwald sei dir Schutz und Rahmen Euch allen hier denn du bist nicht allein. -
Wir kehren um und gehn. Aus allen Bäumen Tropft plötzlich eine zarte Melodie Aus Nieselregen, Kerzenlicht u. Träumen Entsteht die Ittenbacher Sinfonie.
Liesel Linn
Liesel Linn zog später mit ihrem Ehemann nach ttenbach und verfasste weitere Gedichte.
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