Aufnahme: 1965
Sonnenuntergang auf dem Ölberg
Ein Gedicht des Heimatdichters Wolfang Müller findet sich in der Siebengebirgs-Zeitung:
Auf dem Ölberg
Auf eines Berges Höhen
da steh' ich hingebannt
so weit die Blicke gehen,
liegt abendstill das Land.
Hochrot in Purpur blühet
der Westen wunderbar.
Im Weltentempel glühet
er wie ein Hochaltar.
Dann schweigt es in den Lüften
des Westens Rot vergeht;
von süßen Blumendüften
nur steh' ich rings umweht.
Des Himmels Wölbung blinket
in tiefem dunklem Blau
wie eine Kirche dünket
mich jetzt der Weltenbau.
Es strahlt uns draus entgegen,
die Sonn' im Untergang
sie winkt den Abendsegen
das weite Land entlang.
Der schöne Tag verglühte
nur meiner Seele nicht:
Heim geh' ich, im Gemüte
voll Fülle, Segen, Licht.
Ist es verwunderlich, wenn einer unserer großen Heimatdichter, Wolfgang Müller von Königswinter, im Anblick dieser seiner herrlichen Heimatlandschaft schon vor hundert Jahren in seinem Buche "Sommertage am Siebengebirge" obige Verse schrieb. Er schildert in seinem Gedicht einen Sonnenuntergang. Einzigartig aber ist auch das Erlebnis eines Sonnenaufganges auf dem Olberg. Wer sein Herz nicht verschließt und seine Augen für alles Schöne offenhält, wird voll Andacht diesem Naturschauspiel beiwohnen. Während tausendfacher Vogelsang den erwachenden Morgen grüßt, färbt sich der Himmel blutigrot und hinter den Waldkuppen des Westerwaldes steigt ganz allmählich der Feuerball der aufgehenden Sonne hervor. Wenn sich dann die ersten Strahlen zaghaft durch das Blattwerk der hohen Buchen und Kiefern tasten und die wildverstreuten Gesteinsbrocken grünlichschimmernd aufleuchten, kommt einem unwillkürlich die Sage von dem Ritter Kunibert und seiner schönen Tochter Liba in den Sinn, die beide hier oben auf dem Olberg ihre Behausung hatten.
Bildbeschriftung: Ein behagliches Gasthaus an höchster Stelle des Berges lädt den Besucher zu einer Erfrischung und Ruhepause ein.
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