Aufnahme: 2016

Die Erinnerung an 19 zumeist unbekannte Zwangsarbeiter-Opfer auf dem Ittenbacher Soldatenfriedhof wird 71 Jahre nach Kriegsende in der kleinen Kapelle in Kaldauen lebendig gehalten

19 Zwangsarbeiter, die am 23. März 1945 in den Wirren der letzten Kriegswochen in Kaldauen ums Leben gekommen waren, haben 1949 ihre letzte Ruhestätte auf dem Ittenbacher Soldatenfriedhof gefunden. 71 Jahre später erhalten sie in der kleinen Kaldauer Kapelle in der Kapellenstraße einen eigenen Gedenkort neben den Gedenktafeln der aus der Region stammenden Opfer der beiden Weltkriege.
Die damals umgekommenen Frauen und Männer gehörten einer Gruppe von ca. 40 Zwangsarbeitern an, die gezwungen worden waren, sich frühmorgens unter Lebensgefahr auf den Weg von Troisdorf nach Neunkirchen und Much zu machen. Dort sollten sie Panzersperren gegen die vorrückenden amerikanischen Truppen errichten. Wahrscheinlich wurden sie von den amerikanischen Truppen für deutsche Feinde gehalten. Unter dem amerikanischen Granatenbeschuss kamen 19 von ihnen auf der Hauptstraße in Kaldauen ums Leben. Zeitzeugen erinnern sich an ein unvergessliches Schreckensszenario. In diesen Kriegswirren wurde auf die Schnelle ein Massengrab ausgehoben, in dem die namenlosen Toten beigesetzt wurden. Später beantragten die Grundstückseigentümer deren Exhumierung. Sie wurden zusammen mit anderen Kriegstoten auf einen neu angelegten "Ehrenfriedhof" in Allner verlegt. Von Oktober bis November 1949 fanden sie auf Veranlassung des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ihre letzte Ruhestätte auf dem Ittenbacher Soldatenfriedhof.
70 Jahre später hat der Kaldauer Journalist und Heimatforscher Ulrich Tondar die Initiative ergriffen, diese schreckliche Tragödie zu recherchieren, Vorträge darüber zu halten und die namenlosen Opfer vor dem Vergessen zu bewahren. Eine Schülergruppe des Städt. Anno-Gymnasiums Siegburg aus dem evangelischen Oberstufenreligionskurs von Schul-Pfarrerin Annette Hirzel entwarf daraufhin eine Tonskulptur, weiße Hände mit einem bunten Tonherz, und eine düstere Kohlezeichnung, die den damaligen Weg der Zwangsarbeitergruppe nachzeichnet. Mit "Herz und Händen" wollen sie dazu beitragen, das Andenken an die anonymen Opfer, von denen nur zwei Italiener namentlich bekannt wurden, wach zu halten.
Ein Schüler entwickelte einen QR-Code, mit dem man per Smartphone mehr über die Hintergründe dieser Tragödie und diesen besonderen Gedenkort erfahren kann. Am 7. April 2016 wurden die Schülerwerke für diesen besonderen Gedenkort der Öffentlichkeit vorgestellt. Anschließend brachte der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Siegburg-Kaldauen, Martin Kutzschbach, im Namen des ökumenischen Gesprächskreises Kaldauen einen Blumenstrauß zum Gedenken an die damals getöteten Männer und Frauen auf den Ittenbacher Friedhof.

Im 2. Weltkrieg wurden ca. 26 Millionen Menschen - Kriegsgefangene, zivile Arbeitskräfte und KZ-Häftlinge - im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten zur Zwangsarbeit verschleppt. Männer, Frauen und Kinder aus 20 Nationen, v.a. aus Polen, Weißrussland, Russland und aus der Ukraine, wurden in fast allen Bereichen der deutschen Wirtschaft zur Arbeit gezwungen. Anders wäre die landwirtschaftliche Versorgung und die Rüstungsproduktion nicht aufrechterhalten worden. Die meisten von ihnen lebten, oft unter miserablen Bedingungen, in den 30.000 Zwangsarbeiterlagern in Deutschland. In Siegburg gab es zwischen 1939 und 1945 mehr als 3000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

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