Aufnahme: 1945

Augenzeugenbericht eines Soldaten vom Kriegseinsatz auf dem Forsthaus Stöckerhof in den letzten Kriegswochen 1945

Hans Rohrberg aus Wolfsburg war damals Soldat in den heftigen Kämpfen am großen Ölberg. Im Juli 1996 hat er seinen Bericht dem Forsthaus Stöckerhof per Post zugeschickt:

Mein Bericht über unseren Einsatz am großen Ölberg auf dem Forsthaus Stöckerhof.

Ich beginne in Stichworten mit unserem Einsatz auf der anderen Rheinseite.

Wir waren ein Fallschirmjäger-Bataillon, Kommandeur war Major Garlipp und unterstanden dem General Schimpf. Unser Einsatz begann am 27.02.1945 in Sievernich nördlich von Zülpich, als Ortsverteidigung. Am 28.02. wurden wir bei einem Panzerdurchbruch vollkommen aufgerieben. Unser Oberfeldwebel Meißner (Kompanieführer) hat bei diesem Angriff zwei Panzer im Nahkampf abgeschossen. Als Versprengte wurden wir dann immer anderen Einheiten zugeteilt. Wir waren dann in den Orten Rövenich, Frauenberg, Buchenheim und Stotzheim in Einsatz. Es begann dann der Rückzug über Bad-Neuenahr, Remagen, Neuwied, Siegburg. Die Reste der Einheit sammelte dann in der Nähe von Eitorf zur Neuaufstellung.

Mein Einsatz am Großen Ölberg!

Mit der Bataillonsreserve von ca. 60-70 Mann ging es dann in Richtung nördlich von Oberpleis zum Großen Ölberg zum Einsatz. Wir teilten uns in 2 Gruppen. Die erste Gruppe hatte, als sie durch ein Waldgebiet am Ölberg vorging, schwere Verluste. Wir lagen während dieser Zeit völlig erschöpft verstreut auf einer Wiese und mußten einen Fliegerangriff über uns ergehen lassen. Das Flugzeug drehte eine Runde hat aber nicht geschossen, sicherlich hat der Flugzeugführer uns als gefallene Soldaten angesehen. Es könnte in der Nähe von Wahlfeld Hartenberg gewesen sein. Unser Oberfeldwebel erkundete dann das weitere Vorfeld und kam mit der Meldung zurück, bis zum Stöckerhof ist alles feindfrei. An der Autobahn war eine kleine Straßenunterführung mit Rundbogen, voll mit Dorfbewohnern die da schon einige Tage in Sicherheit verbrachten. Vor dieser Unterführung stand von uns ein Leutnant in guter Deckung und jagte uns mit gezogener 08 Pistole in Richtung Großer Ölberg vor. Auf dem Marsch durch ein kleines Waldgebiet (Fichten) bekamen wir einen Granatwerferüberfall. Der Amerikaner hatte sich auf dieses Gebiet gut eingeschossen. Durch Unterstände, die der Volkssturm sicherlich vorher gebaut hatte, haben wir den Feuerüberfall unbeschadet überstanden.

In den späten Nachmittagsstunden haben wir dann unsere Stellung am Stöckerhof bezogen. Der Förster vom Stöckerhof hat mit seiner Frau bis spät in die Nacht hinein den Keller- oder Treppenabgang tiefer gebaut. In der S-Kurve am Stöckerhof stand ein abgeschossener Büssing-Wehrmachtswagen aus dem der Förster die Batterie ausgebaut hat und sie zur Notbeleuchtung verwendet hat.

Am anderen Tag hatten wir bei Schanzarbeiten von Ittenbach her Beschuß und einige Verwundete mit Armschüssen. An den ersten Häusern von Ittenbach konnten wir im Morgendunst einen Schützenpanzerwagen sehen. Durch gezieltes MG. und Gewehrfeuer haben wir das Panzerfahrzeug zum Rückzug gezwungen. Von einigen Soldaten unserer Restkompanie wurde der Versuch gemacht, den Panzer durch Panzerfaust zu vernichten. Der Versuch scheiterte durch starke Gegenwehr und Granatwerferbeschuß.

Der Tag verging durch gegenseitigen Beschuß. Körperlich waren wir durch den langen Anmarsch, ohne Verpflegung und Schlaf sehr geschwächt. Zur Truppenverpflegung gab es für einige Tage etwas Erbsensuppe, nur eine dünne Brühe ca. 1/4 Liter, einige Kekse und einen kleine Würfel Butter. In der kleinen Schlucht mit den Erdverwerfungen und Bachbett hinter dem Stöckerhof war ein ca. 4 m tiefer Bunker in den Berg getrieben, der voll mit Lebensmitteln, Keksen, Schokolade, Butter usw. war. Verwaltet wurde der Bunker von einem Leutnant, ich nehme an, daß es auch der Leutnant war, der uns mit Pistole vorgejagt hat.

Die halbe Nacht verbrachte ich in einer erweiterten Röhre des Fuchsbaues hinter dem Stöckerhof. Zugedeckt mit einer Zeltplane denn es war kühl und die Erde noch gefroren. Nach Mitternacht bekamen wir einen Artillerieüberfall mit einigen Granaten, die aber alles bisher gekannte in den Schatten stellte. Die Granaten heulten nicht heran wie wir gewohnt waren, sondern hatten einen tiefen rumpelnden Ton als wenn sie sich in der Luft um die Querachse überschlagen hätten. Die Explosion erfolgte auf elektromagnetischem Wege über der Erde in Baumwipfelhöhe. Die Splitterwirkung war verheerend, und zum Glück hatten wir keine Verluste durch diese Granaten. Nach dem Krieg habe ich in einem Buch gelesen, daß diese Granaten zu einer Geheimwaffe gehörten. Wir sollten dann den Großen Ölberg in dieser Nacht wieder stürmen und in unseren Besitz bringen, aber zur angegebenen Zeit war keiner mehr da der den Befehl dazu gegeben hätte. Der Angriff fand nicht statt.

Am nächsten Tage hatten wir dann wieder einigen Beschuß von Granatwerfern mit etlichen Verwundeten. Unsere Gruppe ist dann bis auf ca. 18-20 Mann zusammengeschmolzen.

Unser Oberfeldwebel Meißner hat dann den Befehl zum Rückzug gegeben. Ich hatte den Auftrag den Rückzug unseres Zuges zu decken, damit der Ami im Glauben ist, der Stöckerhof ist noch besetzt. Ich schoß dann ungezielt in Richtung Ittenbach. Während ich Schuß auf Schuß abgab sprang direkt vor meinem Gewehr ein Landser auf, der ein Sturmgewehr hatte. Ich sagte ihm dann meine Lage, und wir schossen dann verstärkt in alle Richtungen. Zur gleichen Zeit rollte ein Panzer auf der oberen Ringstraße und ging in Feuerstellung. Mit seinem 2 cm MG hat er uns sofort unter Beschuß genommen. Als Deckung habe ich hinter einem Baumstumpf gelegen der ca. 70 cm Durchmesser hatte. In der 1. Feuerpause sprang mein Mitschütze und setzte sich ab. In der 2. Feuerpause bin ich dann auch gesprungen, hatte dann im dem Straßengraben ca. 200-300 Meter hinter dem Stöckerhof gute Deckung. Ich lege eine Verschnaufpause ein. Ich hörte am Stöckerhof noch Schüsse aus einer Maschinenpistole, nach ca. 3-4 Feuerstößen war Ruhe. Auf dem gleichen Weg den ich genommen hatte kam ein Feldwebel zu mir gekrochen. Er kam mit den Worten "dem habe ich es aber gegeben". Nach meinem Nachhaken sagte er mir, daß er den Leutnant erschossen hat vor dem Lebensmittelstollen. Dieses wurde mir von dem 1. Nachfolgeförster bei einem Besuch auf dem Forsthof bestätigt.

Von meinem Standort aus konnte ich den Oberfeldwebel mit dem Rest unserer Einheit kurz vor der Autobahn sehen. Sie gingen sofort wieder in Deckung denn es gab mal wieder einen Granatwerferüberfall. Ich nahm den gleichen Weg und traf hinter der Autobahn unsere Leute in guter Deckung. Wir sind dann am Ortsrand eines Ortes, hinter einem Haus in Ruhestellung gegangen. der Oberfeldwebel notierte die Gefallenen und Verwundeten. Das Haus stand mit einigen anderen Häusern an der rechten Straßenseite. Die linke Seite der Straße war unbebaut und es gab freie Sicht zum Ölberg. Die Landser sind dann in die anderen Häuser über die Straße gelaufen um nach Lebensmitteln zu suchen. Der Ami deckte uns sofort mit den Granatwerfern ein und es gab wieder einige Verwundete. Ein Uffz hatte den Hintern voll Splitter. Er wurde auf einen kleine Strohhaufen zwischen den Häusern gelegt und 4-6 Mann waren bemüht ihn zu verbinden. Der nächste Feuerüberfall kam sofort und eine Granate schlug mitten in die Gruppe. Der Oberfeldwebel stürzte mit stark verzerrtem Gesicht vornüber und alles was noch laufen konnte suchte nach Deckung. Ein Uffz sammelte dann einige Leute 8-10 Mann um sich. Er kroch dann nochmals vor zu dem Oberfeldwebel um zu sehen was los war und kam mit der Nachricht zurück, sie sind alle tot. Wir haben uns dann aus dem Gebiet des Großen Ölberg abgesetzt.

Die Kämpfe gingen dann bei Alarmeinheiten weiter über Köln, Leverkusen und Hilden wo wir die letzten Gefallenen hatten. In Solingen haben wir dann den Krieg beendet. Ich bin dann als Zivilist auf dem Wanderweg 6 an Wermelskirchen, Meinerzhagen, Attendorn, Schmallenberg und Winterberg vorbei. Es ging dann über den Hohen-Meißner Lindewerra meinem Heimatort Heiligenstadt entgegen. Am 22.04.bin ich dann bei meinen Eltern angekommen. Obwohl der Krieg noch nicht aus war, für mich war alles gut überstanden.

Über ein genaues Datum, wann Kämpfe an den einzelnen Orten waren, kann ich heute leider keine Angaben mehr machen.

Hans Rohrberg

Im Museum finden Sie im Raum "Soldatenfriedhof Ittenbach" weitere Informationen zu den Ereigneissen um den 7. März 1945, als die Amerikaner die Ludendorff-Brücke in Remagen stürmten und ins Siebengebirge vorrückten. 

Zur Verfügung gestellt von
Wolfgang Golm
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