Aufnahme: 2021
Das Forsthaus Lohrberg in seiner Entstehungszeit
In der Ittenbacher Schulchronik findet sich ein Überblick über die Dorfgeschichte im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, der auch vom 1907 errichteten Forsthaus Lohrberg berichtet:
"An dem malerisch gelegenen Fuße des Lohrberges ist ein der Umgebung angepaßtes schmuckes Forsthaus neu errichtet worden, Forsthaus Lohrberg, und der angestellte Königliche Förster der Waldungen des Verschönerungs-Vereins, der erste, den die Königliche Regierung mit diesem Posten betraute, Herr Förster Kappel hat mit seinen Waldarbeitern vollauf Beschäftigung, die zugekauften Parzellen in ein forstähnliches Gewand zu kleiden und die früher vorhandenen Waldbestände zu einer schönen Entwicklung zu führen. Auf dem sehr ausgedehnten und künstlich angelegten Liniennetz von Wegen, dessen Bau und Instandhaltung Herr Fritz Schäfer nun schon über 25 Jahre leitet, werden ebenfalls fortgesetzt, viele Arbeiter beschäftigt und so schafft der Verschönerungs-Verein durch ausgedehnte Forst- und Wegearbeiten den Tagelöhnern eine gesundere und schönere Beschäftigung als der frühere Steinbruchbetrieb. Möge daher der unbegründete Haß der Arbeiter gegen die Bestrebungen des Verschönerungs-Vereins immer mehr schwinden!"
"In der Entwicklung Ittenbachs", so steht es zuvor in der Chronik, "hat sich in den letzten Jahren eine stetig fortschreitende Umwandlung vollzogen. Der Ort hat nur wenig Grundbesitz und die Bewohner sind meist Taglöhner oder kleinere Grundbesitzer. Die Tagelöhner finden als Steinbrecharbeiter in den Steinbrüchen am Ölberg, Lohrberg, Wolkenburg reichliche und lohnende Beschäftigung. Die Betriebe sind durch Ankauf in den Besitz des Verschönerungs-Vereins für das Siebengebirge übergegangen und eingestellt worden. Die Steinbrucharbeiter suchen daher ihr Verdienst in Steinbetrieben im Agger- und Felsentale oder in den Brüchen des Nassauer Landes. So kommt es, daß die Einwohnerzahl der Gemeinde nicht steigt. Sie betrug 1886 über 700 Seelen und hat diesen Stand bis jetzt unvermindert behalten. Wenn auch der Arbeiterstand und damit auch die Geschäftsleute durch die Stillegung der Steinbrüche sichtlich Nachteile hatten, so tritt anderseits doch auch jetzt schon manches Vorteilhafte in Erscheinung:
1. Durch Einstellung der Betriebe sind die Kuppen unsers herrlichen Siebengebirgs gerettet.
2. Der Verschönerungs-Verein hat auch an Private auf angrenzende Waldparzellen einen sehr hohen Preis gezahlt und für manches Ödland oder manche elend abgeholzte Waldparzelle, für welche früher keiner die Grundsteuer zahlen wollte, erzielte der geringe Bauer oder Tagelöhner selbst Preise bis zu 10 M p. Ruthe."
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