Die Bedeutung der Totholzkäfer im Siebengebirge

Aufnahme: 2004

Die Bedeutung der Totholzkäfer im Siebengebirge

Viele kennen den Begriff „Totholz“ nicht, geschweige denn seine Bedeutung für einen funktionierenden Naturkreislauf. Von dem natürlichen Zersetzungsprozess des Totholzes, d.h. des absterbenden und abgestorbenen Holzes, hängen nicht nur viele Tier- und Pflanzenarten, sondern die gesamte Humusbildung des Waldbodens als Nährstoffbeet für neue Pflanzen ab. Darüber hinaus ist die ausgleichende Wirkung des auf der einen Seite oft wärmeren und auf der anderen Seite feuchteren und damit hitzeausgleichenden Totholzes auf das Mikroklima in unserem Siebengebirge nicht zu unterschätzen.

Für die Zersetzung des Totholzes sorgen darauf spezialisierte Käfer, sog. Totholzkäfer aus der Gruppe der Xylobionten, also im, am und vom Holz lebende Käferarten.
Das Kernholz, die Rinde, der Moder und die sich dort ausbreitenden Pilze bieten ganz unterschiedlichen Käferarten speziellen Lebensraum.
Und diese Totholzkäfer ihrerseits sind Lebensgrundlage für viele andere Tier- und Pflanzenarten.
Von den Insektenlarven dieser Käfer z.B. ernähren sich unsere Spechtarten, z.B der Bunt-, der Grün- und der Schwarzspecht, der Klein- und auch der Mittelspecht. Sie zimmern ihre Bruthöhlen im morschen Holz. In verlassenen Spechthöhlen finden dann viele Eulenarten ihre Bruthöhlen wie der Sperlingskauz, der Rauhfuß- und Waldkauz oder auch Hohltaube, Eichhörnchen, Siebenschläfer und Baummarder. Auch unsere vielen Fledermäuse im Siebengebirge nutzen diese Höhlen. Amphibien und Reptilien wie Erdkröte, Eidechse, Blindschleiche sind angewiesen auf liegendes Totholz und bodennahe Höhlen zum Verstecken und Überwintern.
Viele Wildbienen, Hummeln, Hornissen leben im abgestorbenen Holz.
Darum ist es so wichtig, Holz im Wald alt werden zu lassen und in diesen Kreislauf des Zersetzens nicht einzugreifen. In unseren Buchen- und Eichenwaldbiotopen haben die baumschädigenden Borkenkäfer keine Chance, weil diese Totholzkäfer auf Nadelhölzer, vor allem Fichten, spezialisiert sind.

Die Biodiversität, also die Artenvielfalt, ist ein hohes und schützenswertes Gut. Wie artenreich unser Siebengebirge mit seinen geologischen Besonderheiten ist und wie gefährdet viele Arten sind, wissen manche Wanderer und Biker nicht, wenn sie die offiziellen Wege im Naturschutzgebiet Siebengebirge verlassen und dabei die Biotope seltener Kleinlebewesen zerstören, die für einen funktionierenden Naturkreislauf wichtig sind und deren Bestand auf dem Spiel steht.

Unter den 1371 in Deutschland vorkommenden Totholzkäferarten, von denen in NRW 961 Arten registriert sind (Stand 2005), stehen deutschlandweit fast 60 % und in NRW 44 % als gefährdet bzw. ausgestorben auf der Roten Liste.
Darum ist die Errichtung sog. Prozessschutzzonen, wie sie 2010 im Siebengebirge beschlossen worden ist, unverzichtbar für ein biologisches Gleichgewicht.
Die vom VVS (Verschönerungsverein für das Siebengebirge) zur Verfügung gestellten Fotos der auf das Holz, die Rinde, die Pilze, den Mulm von Buchen oder von Eichen spezialisierten Totholzkäfer laden die Besucher des Virtuellen Heimatmuseums Ittenbach ein, sich aktiv für den Schutz dieser meist übersehenen, oft unsichtbaren, aber für den Naturhaushalt unverzichtbaren Käferarten einzusetzen.

Einen aktuelleren Bericht über Totholzkäfer im Kottenforst und Ville mit Fotos von Frak Köhler finden Sie im 3. Link unten

Quelle
Bildarchiv VVS Wunderbare Käferbildergalerie der Arbeitsgemeinschaft rheinischer Koleopterologen, also Käferspezialisten - Mehr Infos zu Alt- und Totholz unter waldwissen.net - Zum Bericht "Villewälder"
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