Burgen, Berge und Ruinen
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Aufnahme: 1977

Burgen, Berge und Ruinen

Dieser Artikel von Jean Assenmacher (Jodokus) in der Siebengebirgs-Zeitung 1977 ist der IV. Teil einer Serie unter dem Titel "Burgen, Berge und Ruinen", in dem es um den Nonnenstromberg, den Stenzelberg und die Rosenau geht.

Ausführliche Informationen zur Rosenau und zum Stenzelberg finden Sie im Virtuellen Museum Thomasberg-Heisterbacherrott im Raum "Ausflugsziele" in den entsprechenden Vitrinen "Rosenau" und "Stenzelberg" - siehe 1. Link unten

Ein Portrait zu Jean Assenmacher finden Sie im Virtuellen Brückenhofmuseum - siehe 2. Link unten

Das Gemälde auf der in der Zeitung abgedruckten Ansichtskarte zeigt die früher einmal nahe des Einkehrhauses geplante Krieger-Gedächtnis-Kapelle "Maria am Rhein"

VON JODOKUS IV. TEIL

Die "rheinischen Alpen" ein Mittelgebirge zu nennen, wäre zweifellos etwas übertrieben. Zugegeben, diese Gebirgsgattung rangiert in den gemäßigten Zonen unterhalb der 2000 Meter Höhengrenze, doch im Vergleich mit dem Siebengebirge müßte man sich schon auf den Bauch legen, um die vorhandenen Höhenunterschiede deutlich zu machen.

Bleiben wir als dabei, daß unsere Heimat lediglich eine hügelige Landschaft ist, die sowohl geologisch als auch historisch eine Menge zu bieten hat. Daß sie außerdem einen europäisch anerkannten wunderschönen Naturpark umfaßt, macht die rechtsrheinische Gegend rund um die Berghügel noch liebenswerter.

Wir Menschen sind nun mal ein bißchen sensationslustig. Auf unsere Berge übertragen würde es heißen, daß jene Höhen mit ritterlicher oder klösterlicher Vergangenheit immer noch von ihrem mitunter fragwürdigen Ruhm zehren, während die übrigen Anhöhen "nur so daliegen", bestenfalls eine Schutzhütte tragen, ansonsten aber lediglich bei echten Naturfreunden richtig ankommen. Dabei sind einige dieser "Stiefkinder" weiß Gott mehr als nur abgekratzte Dreckhaufen von den Spaten der sieben Riesen, die der Sage nach damals dem Rheinstrom den Weg in die Kölner Bucht öffneten.

Die Nonnen waren es nicht

Am besten wir beginnen mit der Bezeichnung Stromberg. Nicht nur der Petersberg wurde früher so genannt, auch der heutige Nonnenstromberg zählt zu dieser Gattung. Stromberg bedeutete in der damaligen Sprache eine langgestreckte Erhebung, und wer unseren Nonnenstromberg genau betrachtet, kommt schnell dahinter, daß er im Anschluß an den Petersberg einen ca. 500 Meter langen Bergrücken bildet, der sich nur durch einen Sattel getrennt von West nach Ost zieht- Jedoch nach Überresten eines Frauenklosters sucht man vergeblich, einfach deshalb, weil dort keins gestanden hat.

Man sollte zur Struktur des Nonnenstromberges ergänzend wissen, daß der Sockel des Siebengebirges als Teil des Rheinischen Schiefergebirges aus Grauwacken und Schiefer besteht. Die anderen Gesteinsarten: Trachyt, Andesit und Basalt aber sind die Ergebnisse vulkanischer Kräfte. Dem Nonnenstromberg wurde dabei im Kern dar Basalt untergeschoben, was allerdings nicht ausschließt, daß der Ostausläufer von einem schmalen Streifen Andesit durchzogen wird, der vom nahen Stenzelberg bis ins Wintermühlental reicht. Wir wissen, daß die Römer bereits im Siebengebirge Steine gebrochen haben. Ob der Nonnenstromberg zu ihren Lieferanten gehörte steht jedoch in Frage, denn die heute sichtbaren Ankratzer stammen sicherlich nicht aus dieser Zeit.

Man muß es zugeben, der Nonnenstromberg ist kein attraktiver Berg, da ändern auch die 500 Millimeter nichts dran, die er über seine runde 335 Meter hinausragt. Und dennoch hat er im Sagenschatz des Siebengebirges seinen Platz. Sogar mit einer Mär, die dem romantischen Zuhörer womöglich den Floh ins Ohr setzen könnte, der Bergname habe doch etwas mit frommen Ordensfrauen zu tun.

Es soll zur Zeit der Kreuzzüge gewesen sein. Bertha und Mechthilde, zwei brave Töchter des Ritters von Argenfels, waren aus Angst vor ihren Feinden auf den Stromberg geflüchtet. Zu allem Unglück bedrückten Bertha auch noch die Sorgen um ihren Verlobten, Diether von Schwarzeneck, der im Rahmen des Kreuzzuges im heiligen Land in Gefangenschaft geraten war und erst nach langer Kerkerhaft von Christen befreit wurde.

In der Heimat erwartete Diether dann Schreckliches: Die Burg der Argenfelser war zerstört, der Schwiegervater erstochen und Bertha, die Braut, verschwunden. Mit dem Gedanken, der Welt zu entsagen und in ein Mönchkloster einzutreten, fand er auf seiner verzweifelten Suche schließlich die beiden Mädchen in einem Versteck auf dem Stromberg. Natürlich gab es ein glückliches Hochzeits-Happy-End. Nur Mechthilde blieb ihrer gewählten Zuflucht treu. Als stille Nonne, auf Erden fast schon eine Heilige, lebte sie bis an ihr Ende in der Waldeinsamkeit des Stromberges. Hand aufs Herz, wer käme bei solch herzergreifender Geschichte nicht auf den Gedanken, dem besagten Berg den Namen Nonnenstromberg zu geben?

Man hätte es der sanften Mechthilde schon gönnen können, doch die Namensgebung erfolgte ganz anders. Das manchmal unzulängliche menschliche Augenmaß war eigentlich schuld, denn als man die Höhe der Berge gewissermaßen noch über den Daumen peilte, glaubten die Peiler, der östliche Stromberg sei niedriger und liege damit unter dem vorderen rheinnahen Strombergkollegen. Und weil unten oder niedrig in der damaligen Sprache „unne" oder „onne" lautete, war der östliche Stromberg eben der „onnere" Stromberg. Die Sprachverformung im Laufe der Jahrhunderte machte dann aus dem „Onnen" ein Nonnen und verfälschte damit den Bergnamen zum zweiten Mal. Denn einerseits ist der Nonnenstromberg bekanntlich gut vier Meter höher als der Petersberg, und zum andern hat die sagenhafte Nonne Mechthilde zu keiner Zeit Pate gestanden.

"Maria am Rhein" bei der Rosenau

Der östliche Bergabstieg endet nach etlichen Windungen fast vor der Terrasse des Waldhotels "Einkehrhaus". Den Liebhabern des Siebengebirges braucht man dieses Haus nicht zu beschreiben, sie kennen die Plätze, wo man nach ausgiebiger Wanderung die müden Beine unter einem Gasttisch ausstrecken kann. Heute wird das "Einkehrhaus" in zweiter Generation von der Familie Krebs bewirtschaftet. Was viele Naturfreunde jedoch nicht wissen, ist ein Vorhaben, das in den zwanziger Jahren geboren wurde, leider aber nicht zur Durchführung gelangte.

Die damalige Besitzerin, Emma Bachem, hatte allen Ernstes die Absicht, auf einem nahe gelegenen eigenen Hügelgrundstück eine Krieger-Gedächtnis-Kapelle zu errichten. "Maria am Rhein" sollte die Ehrenstätte genannt werden. Nicht nur der Bauplan ist noch vorhanden, sondern auch eine gemalte Ansichtskarte, auf der die Kapelle in ihrer geplanten Schönheit neben dem Einkehrhaus zu sehen ist. Trotz aller Bemühungen wurde der sicherlich gut gemeinte Bau amtlicherseits nie genehmigt. Es ist im Nachhinein natürlich schwer zu sagen aber vielleicht wäre bei damaliger Zustimmung das Siebengebirge um eine Attraktion reicher geworden, zumal von der nahen einstmals stattlichen Rosenau so gut wie nichts übriggeblieben ist.

In historischen Überlieferungen hat die ehemalige Burg Rosenau nicht viel zu bieten. Man weiß nur, daß sie eine relativ kleine Burgbefestigung war, nicht zu vergleichen mit Wolkenburg oder Drachenfels. Einen Grundriß der romanischen Anlage hat man rekonstruiert. Er bildet ein unregelmäßiges längliches Viereck von ca. 18 Meter Breite und 30 Meter Länge. Mit den heutigen Augen gesehen gewissermaßen ein „Burgkruffes", kleiner jedenfalls als mancher moderner Wohnblock, der heutzutage das Doppelte an Platz beansprucht.

Die Burg und auch die Anhöhe Rosenau verdanken ihren Namen dem damaligen Rittergeschlecht Rosowe. Wann die Anlage jedoch erbaut wurde weiß man nicht genau. Bereits Anno 1243 wurden Burg und Berg von der Witwe des letzten Rosenau-Ritters mit allen Gebäuden und Gütern an die im Jahre 1192 gegründete Zisterzienserabtei Heisterbach verkauft. Die Mönche zahlten den Kaufpreis mit einem Hintergedanken. Immerhin schien ihnen eine Befestigung direkt vor der Haustür nicht ganz geheuer. Um also einer möglichen Bedrohung auszuweichen, rissen sie 1247 mit Genehmigung der Verkäuferin und deren Kinder die Burg kurzerhand ab.

Es mag ein wenig erstaunlich anmuten, daß in der Sagenwelt rund um die Rosenau stets eine Jungfrau der Star ist: Ein ehemaliger Burgritter hatte das reizende Fräulein samt eines großen Geldschatzes einkassiert und auf seine Burg verschleppt. Nun hoffte das Schlitzohr, daß er die Zuneigung des Mädchens gewinnen könne und mit der Liebe natürlich auch ihr Geld.

Als die adelige Jungfrau dem Mitgiftjäger jedoch ihr letztes energisches "Nein" ins Ohr gebrüllt hatte, verfluchte der Rosenauer die Maid mit furchtbaren Worten. Genau das hätte er nicht tun dürfen, denn umgehend versank die Holde vor seinen Augen in die Erde. Vielleicht wäre das für den Flucher nicht mal das Schlimmste gewesen, wenn sie wenigstens das Geld dagelassen hätte. Aber eine beleidigte Jungfrau wußte auch damals schon wie sie sich nachhaltig zu rächen hatte.

So blieb denn zwar der ritterliche Laumann oben, aber ansonsten kein jungfräulicher Heller in seinem Besitz. Seitdem hat die verschwundene Dame die Sache allein auszubaden. Als "Weiße Jungfrau" geistert sie zu allen möglichen Zeiten zwischen Nonnenstromberg, Rosenau und Stenzelberg herum. Besonders hat es ihr die heilige Nacht angetan, dann fährt sie nämlich in einem glühenden Wagen in der besagten Gegend herum und versetzt die Anwohner in Angst und Schrecken. Eigentlich müßte man die Familie Krebs im nahen „Einkehrhaus" bedauern, jedoch sie ist nachweislich vor der feurigen Furie noch nie belästigt worden.

Was blieb übrig von der Burg? Ein paar kleine steinerne Reste am Südosthang der Anhöhe und eine Steintreppe zum heutigen Rosenau-Plateau, die vielleicht einmal zu einem Eingang der ehemaligen Burg geführt hat. Dem Wanderer sollte man trotzdem raten, an der Stätte nicht achtlos vorbeizugehen. Sie birgt zweifellos historisches Kulturgut, das mit Phantasie und ein wenig Vorkenntnissen leicht zu entdecken ist.

Nachdem die Burg Rosenau längst verschwunden war, wurde Ende des 19. Jahrhunderts fast an gleicher Stelle ein Gasthaus errichtet. Es war ein großes Gebäude mit imposanter Seitengiebelansicht und langgestrecktem Anbau. Später wandelte man diese Gast- und Raststätte in ein Erholungsheim für Bergarbeiter um. Den Nationalsozialisten schien das Haus für ihre Ansprüche bestens geeignet. Sie betrieben die Enteignung und machten ein Heim eigener Prägung daraus. Der zweite Weltkrieg gab den Segen dazu: Zuerst wurde das Haus beschossen und schwer beschädigt, hinterher ausgeplündert.

Die Industriegewerkschaft Bergbau nahm sich nach dem Kriege der kläglichen Reste an. Sie erwarb die Stätte, ließ das zertrümmerte Gebäude auf dem Gipfel abtragen und baute an der Flanke der Rosenau ein neues, der Landschaft besser angepaßtes Erholungsheim.

Und ganz in der Nähe der Stenzelberg

Wer die Rosenau mit ihren 323 Metern Höhe als Berg bestätigt, darf eigentlich den nur 39 Meter niederigen Stenzelberg nicht auslassen. Wahrlich ein Miniaturberg, der es in sich hat. Man erreicht seine Kuppe, vom Nonnenstromberg kommend, an der Nordseite des Einkehrhauses vorbei über einen ca. 400 Meter langen Wanderweg. Eine Burg hat oben zwar nicht gestanden, dafür aber ist der Berg zu einer großangelegten Steinbruchruine geworden, die heute dem Besucher einen wildromantischen Eindruck vermittelt.

Schon der kleinen Augustinergemeinschaft, die noch vor den Zisterziensern ihre klösterliche Niederlassung auf dem heutigen Petersberg hatte, war die Nutznießung des Stenzelberges zugesichert. Die frommen Männer betrieben sogar ein Gehöft auf dem Gipfel, brachen das leicht zu bearbeitende An- desitgestein und nutzten es für vielfältige Zwecke. Später gingen Hof und Stenzelberg auf die Heisterbacher Abtei als rechtmäßiger Nachfolger über. Und wer sich in Heisterbach nach Uberbleibsel der ehemaligen Mönche umsieht, begegnet an vielen Stellen neben dem heimischen Basalt auch dem Stenzelberger Andesit. Vor allem wurde von 1202 bis 1237 die großartige Abteikirche vorwiegend mit diesem Material errichtet.

Leider ist das Andesitgestein relativ weich und hält dem nagenden Zahn der Zeit nur bedingt stand. Nicht nur die mit Mühe erhaltene Heisterbacher Chorruine beweist es, sondern auch gemeißelte Kreuze, Wappen oder andere Ornamente aus jüngerer Epoche. Nach der Säkularisation bot der Stenzelberg willkommene Verdienstmöglichkeiten für Steinbrucharbeiter und Fuhrleute. Nicht selten waren über 100 Arbeiter dort tätig. Das änderte sich kaum, als ab 1867 der Steinbruch von der Firma Bachem und Co. in Königswinter betrieben wurde.

Die im Jahre 1891 eröffnete Strecke der Heisterbacher Talbahn bereitete dem Pferd und Wagen-Steintransport ein langsames Ende. Die Umschlagstelle befand sich am sogenannten ,"Scheid", dem höchstgelegenen Punkt der alten Handelsstraße zwischen Dollendorf und Heisterbacherrott. Und wem es Spaß macht, darf dieses "Scheid" als einen Miniaturgebirgspaß ansehen flankiert vom besagten Stenzelberg sowie vom Weilberg, dem sicherlich geologisch interessantesten Kleinberg des Siebengebirges.

Auch er soll in einer Fortsetzung demnächst gebührend gewürdigt werden.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 44 vom 04.11.1977
Zur Verfügung gestellt von
Paul Winterscheidt Mehr Infos zur "Rosenau" und zum "Stenzelberg" im Virt. Museum Thomasberg-Heisterb. - Zum Portrait von Jean Asenmacher im Virt. Brückenhofmuseum
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