Die Namen der Sieben Berge

Aufnahme: 1975

Die Namen der Sieben Berge

Von Jean Assenmacher

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:

Hätten damals die Riesen nach dem Abkratzen ihrer Spaten den sieben Dreckhaufen gleich einen Namen gegeben, hießen heute die Berge unserer Heimat womöglich ganz anders aber wer mißt schon mit Riesenaugen betrachtet solchen "Hübbelchen" irgendwelche Bedeutung bei? Nicht jedermann hierzulande weiß sie auf Anhieb gleich zu nennen, geschweige denn ihre Höhe anzugeben. Und wer glaubt, der Ölberg habe etwas mit Öl, die Löwenburg mit Löwen oder der Nonnenstromberg gar mit Nonnen zu tun, ist - wie der Volksmund so treffend sagt - schief gewickelt.

Viele Dinge aus dem Bereich unserer Berge hat man irgendwann schon einmal gehört oder gelesen, leider aber auch wieder vergessen. Zugegeben, das Wissen um die Heimat ist zur Seligkeit nicht unbedingt erforderlich. Man tut jedoch bekanntlich vielerlei Dinge, die nicht nötig sind da gibt ein "gelegentlicher Eßlöffel Heimatkunde" wenigstens noch das Gefühl einer örtlichen Verbundenheit.

Daß wir im Siebengebirge auch einen kleinen Ölberg besitzen, ist weitgehend bekannt. Daß er sogar noch einen Meter höher als der Petersberg ist, wissen dagegen die wenigsten Leute. Sicherlich aber ist der kleine Ölberg nach seinem 461 Meter großen Bruder benannt, der allerdings erst über Umwege zu seinem "Öl . . ." kam.

Man ist sich heute über die Entstehung des Namens Ölberg immer noch nicht einig. Diesbezügliche Schriften bieten eigentlich drei Vermutungen an. Die erste reicht bis in die Zeit Karl des Großen, der vor rund 1200 Jahren das Land in Gaue einteilte. Im sogenannten Auelgau war der heutige Ölberg die höchste Erhebung und wurde deshalb wohl auch Auelberg oder Aulberg genannt. Von Auel oder Aul bis zu Öl ist sprachlich gesehen kein großer Schritt. Vielleicht liegt hier tatsächlich der eigentliche Ursprung des Namens.

Andererseits aber war im damaligen Auelgau die Töpferei sehr verbreitet, und da in der lateinischen Sprache "olla" soviel wie Topf bedeutet, wäre es auch möglich, daß dieses "olla" am höchsten Berg des Gaues hängengeblieben ist und in der langsamen Verformung unserer Sprache später zum "Öl..." wurde.

Eine dritte Deutung geht auf "Mahlberg" (Gerichtsstätte) zurück, die früher dort oben wirklich gewesen sein soll. Auch hier wird ein sprachliches Übergehen von „Am Mahlberg" über Malberg (Alberg) zum Ölberg angenommen. Drei Möglichkeiten also, die nicht ganz von der Hand zu weisen sind. Welches die richtige ist? Wer wagt das nach so langer Zeit mit Gewißheit zu sagen?

Nur sieben Meter fehlen der Löwenburg, um "die Größte" zu sein. Reste einer ehemals stolzen Burg lassen Vermutungen über den Bergnamen aufkommen. Aber die damaligen Ritter hielten sich oben weder einen Löwen noch führten sie den Leu in ihrem Wappen. Die Bergbenennung kommt nachweislich aus einer ganz anderen Richtung nämlich von "Lewen". "Lewen" aber bedeutete in der damaligen Sprache: Erhebung, Erhöhung. Nun könnte man meinen, die Löwenburg sei nicht markanter als die anderen Erhebungen des Siebengebirges auch, sie sei nicht mal die höchste. Das mag richtig sein - allerdings ist die Löwenburg sozusagen der südlichste Brocken einer höheren Berggruppe und kam so vielleicht zu der damaligen Sonderbezeichnung "Lewen".

Mittelalterliche Urkunden untermauern die "Lewen-Theorie", denn in einigen werden die Ritter der Burg "Die edlen Herren von Lewenberg" genannt. Gegen 1689 wurde die Burg zerstört, aber heute noch ist an den Restmauern und der riesigen Treppe zu erkennen, welch großes Bauwerk da einmal gestanden haben muß.

Mit 435 Meter ist der Lohrberg der Kleinste unter den drei Großen. Er ist auch sonst wenig attraktiv und macht kaum ein Geheimnis aus seinem Namen. Lohrberg oder Lahrberg - keine Burg, nicht mal die geringste Spur von einer gewesenen. Kein Wunder, es hat nie eine dort gestanden.

Mit "Loh" oder "Lahr" käme man auf Umwegen vielleicht auf Wald und Weiden vermutlich die Namensforscher. Sollten die genannten Begriffe tatsächlich mit dem Berg in Verbindung zu bringen sein, dann darf man weiter annehmen, daß damals die anwohnenden Bauern in mageren Zeiten den lichten Bergwald zu landwirtschaftlichen Zwecken genutzt haben, sei es durch Einsammeln von gefallenem Laub zum Einstreuen in die Ställe oder indem sie ihr Borstenvieh an den Berg trieben, damit es sich an Bucheckern und Eicheln gütlich tun konnte.

Wenn das alles stimmt - und warum soll es nicht so gewesen sein?, hätte der Lohrberg einen logisch-natürlichen Namen, der so leicht zu verstehen ist wie der sanfte Berg zu begehen ist. Vom Parkplatz Margarethenhöhe aus schafft man ihn nämlich gemütlich in 45 Minuten.

Wer den Namen Nonnenstromberg erklären will, sollte mit dem Petersberg anfangen. Einmal, weil beide Berge zueinander in enger Nachbarschaft stehen und vermutlich irgendwann einmal falsch eingeschätzt wurden, zum anderen, weil die Bezeichnung Stromberg beide von altersher eng verbindet. Fangen wir also mit dem Petersberg an:

Er hieß früher Stromberg, was soviel wie langgestreckter Bergrücken bedeutete. Bis zum Jahre 1188 blieb es dabei. Als jedoch einige Zisterziensermönche aus Himmerod in der Eifel auf diesen Stromberg zogen, weihten sie ihr erstes bescheidenes Kirchlein dem heiligen Petrus. Die Geschichte ist bekannt: Nach vier Jahren verließen die Mönche den Berg wieder, um im Tal das Kloster Heisterbach zu gründen. Das Kirchlein St. Petrus auf dem Stromberg aber wurde auch von Heisterbach aus gehegt, gepflegt und genutzt. So geriet der Name Stromberg sehr schnell ins Hintertreffen, um bald schon als Petersberg in unseren Sprachgebrauch überzugehen.

Auch der Nonnenstromberg ist ein langgestreckter Bergrücken. Heute weiß man längst, daß er fünf Meter höher als der Petersberg ist. Früher dagegen wurde noch über den Daumen gepeilt, und dabei kam es dann stets auf den Blickwinkel an. Jedenfalls scheint der Petersberg in der An- fahrt von Bonn aus und von der Rheinseite gesehen höher als er ist. So wurde vermutlich auch Anno Dazumal der hintere Stromberg kleiner eingeschätzt und deshalb als unterer, niedriger oder minderer Stromberg bezeichnet. Wer sich in der Mundart ein wenig auskennt, weiß, daß je nach Gegend auch heute noch im Dialekt für unten „unne" oder „onne" gesagt wird (De Pann eß janz onne em Schaaf). Klarer Fall, nicht wahr. Mit der Zeit wurde auch hier dank der Sprachverformung aus onne ein nonne und aus nonne ein Nonnenstromberg.

Dagegen gibt es an dem Namen der 324 Meter hohen Wolkenburg nichts zu deuteln. Hier stimmt alles, Wolke wie Burg. Zwar ist die Burg, die eine der stärksten des ganzen Rheinlandes gewesen sein soll, bis auf den letzten Stein verschwunden. Als sie jedoch noch stand und zu gegebenen Zeiten vom Flußtal die Nebelschwaden langsam bis zu den Bergspitzen aufstiegen, um sich dort erst allmählich aufzulösen, mag es oft ausgesehen haben als stände die hohe, mächtige Burg in den Wolken. Der Volksmund ist bei Namensgebungen ja immer schon sehr ideenreich gewesen. Hier hat er gewiß aus damaliger Sicht das richtige Wort gefunden. Übrigens, der Berg Wolkenburg soll früher bedeutend höher gewesen sein. Die Schuld an der Schrumpfung wird den vielen Steinbrüchen zugeschoben.

Wolkenburg und Drachenfels sind eng miteinander verbunden, was jedoch nicht heißen soll, sie seien in der Popularität gleichbedeutend. Der Drachenfels wird als meistbesuchter Berg Europas bezeichnet, was er vermutlich auch ist. Spötter würden vielleicht sagen, er sei der Nährvater von Alt-Königswinter. Nun ja, es ist halt eine Wiedergutmachung des Drachen für all die Jungfrauen, die er damals gefressen hat. Aber das ist Sage - mit Drachen hat der Name des Berges nichts zu tun. Auch nicht mit Siegfried, dem Drachentöter, obwohl man es beim Besuch der Nibelungenhalle am Drachenfels annehmen könnte. Nicht mal ein Hausdrache hat bei der Namensgebung Pate gestanden.

Der Name Drachenfels kommt über etliche Umwege ganz einfach von Trachyt, aus dem der Berg besteht und das sowieso schon soviel wie steinig und felsig bedeutet. Es ist im Siebengebirge eben vieles anders als man beim flüchtigen Hinhören glaubt.

Natürlich gibt es eine Menge Schriften, die sich ausführlich mit unserer gebirgigen Heimat befassen. Sie alle zu lesen, kann man kaum jemandem zumuten. Zwei Broschüren aber sind sehr geeignet, um sich schnell und gut zu informieren: "Streifzüge durch das Siebengebirge" von Theo Dahlhoff, Greven Verlag, und „Dort wo die sieben Berge" von Heinz Wicharz, Verlag Uelpenich. Man sollte sich gelegentlich drum bemühen, denn die Heimat ist es immer noch wert.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 28 vom 11.07.1975
Zur Verfügung gestellt von
Paul Winterscheidt
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