Aufnahme: 1974
Vor 50 Jahren: Ittenbach wird noch nicht Luftkurort
"Kann Ittenbach als Luftkurort anerkannt werden?" Dieses Thema bewegte die Gemüter anläßlich der Generalversammlung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Ittenbach, nachdem Altbürgermeister Karl Haacks in die Debatte geworfen hatte, man sollte versuchen, eine Anerkennung nunmehr durchzusetzen.
Bereits vor fünf Jahren, als Ittenbach noch einen selbständigen Gemeinderat hatte, war dieses Thema aktuell und stand praktisch kurz vor der Verwirklichung. Doch dann zog der ortsansässige Arzt weg und Ittenbach verlor eine Voraussetzung für die Anerkennung als Luftkurort.
Es gibt nämlich bestimmte Richtlinien des Deutschen Bäderverbandes, die diese Voraussetzungen definieren. Es müssen mindestens zwei Ärzte am Ort sein, die örtliche Kanalisation darf keine Wünsche offenlassen und schließlich muß über einen Mindestzeitraum von zwei Jahren eine Wetterbeobachtung durchgeführt worden sein.
Zwei Ärzte praktizieren jetzt in Ittenbach, aber schon bei der Wetterstation fängt das Manko an. Eine solche müßte erst beschafft werden. Aus der Bürgerschaft kam die Versicherung, daß eine Beobachtung des Ittenbacher Wetters durchaus günstige Ergebnisse eines Kurortklimas zeitigen würde. Messungen hätten ergeben, daß das Klima auf der östlichen Seite des Siebengebirges günstigen Einfluß auf den Blutdruck ausübe. Eine Wetterstation wäre also in Zielrichtung Luftkurort keine Fehlinvestition. Bleibt also die Kanalisation. Diese liegt allerdings sehr im argen. Stadtratsmitglied Karl-Heinz Görres machte auch keine allzu großen Hoffnungen, daß sich in kurzer Zeit viel ändern würde. Görres verwies auf das Kanalbauprogramm der Stadt Königswinter, den erstellten Generalentwässerungsplan und die Notwendigkeit, aus finanziellen Gründen zunächst die Vorrangprojekte in Angriff zu nehmen, zu denen Ittenbachs Kanäle noch nicht gehören. Der Bau eines Hauptsammlers sei zwar geplant, doch die Landeszuschüsse fließen spärlich.
So nahm man mit Bedauern zur Kenntnis, daß die Ernennung" Ittenbachs zum offiziellen Luftkurort noch nicht zu er warten ist, gab aber zugleich den Willen kund, man werde es schon schaffen. Bis dahin wird man die gute Luft auch ohne staatliche Anerkennung atmen können.
Eine lebhafte Diskussion entspann sich um die Gestaltung des Ittenbacher Festplatzes bei der Schule, deren Pläne von den Ratsmitgliedern Dr. Richard Faßbender und Karl-Heinz Görres erläutert wurden. Dabei ging es um den Bau eines Musikpavillons, der aber zu viel Geld kosten und zu wenig genutzt würde.
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