Aufnahme: 1970
Manfred Wilhelmys Elternhaus am Lahrring
Das Haus der Großeltern, in welchem ich meine Jugend verbrachte, stand in Ittenbach, Ortsteil Lahr, am Lahrring (auf dem Foto befindet sich vor dem alten Haus bereits der Neubau von 1967).
Der Großvater, Theodor Staffel, von dessen Elternhaus links im Hintergrund des Fotos die Giebelspitze sichtbar ist (siehe auch Link unten), war gem. „Familien Stammbuch“ 1858 geboren. Dort ist auch das Geburtsdatum meiner Großmutter, Elisabeth geb. Gilgen, mit 1868 eingetragen. Die beiden heirateten am 30. Mai 1890. Als Beruf des Großvaters ist im Familienstammbuch „Steinhauer“, und bei dessen Vater „Oekonom“ (Landwirt) eingetragen. Das ist nicht verwunderlich, weil die Erwerbsmöglichkeiten in dieser Gegend sich im Wesentlichen auf die beiden genannten Berufe stützten.
Das nehme ich zum Anlass, zu vermuten, dass der Großvater sein Haus, wie üblich, ca. 1900 aus „Perlenhardter“ Trachyt- Bruchsteinen, wohl mehr oder weniger eigenhändig, errichtet hat. Die Steine für den Hausbau wurden in Ermangelung heute üblicher und weitaus einfacher zu handhabender Baustoffe in den nahe gelegenen Steinbrüchen mittels aufwändiger Arbeit gebrochen. Sie mussten dann an der Baustelle für die dortigen Gegebenheiten mit Hämmern und Meißeln passend zugerichtet werden.
Während die rechteckig behauenen Ecksteine im Verband aufeinander gesetzt waren, war das Mauerwerk zwischen den Ecksteinen in unregelmäßigem Verband, bündig verfugt hergestellt. Der Steinverbund mit den flächig behauenen Steinen war lediglich an der äußeren Steinschicht der Außenwände mittels durchgehärtetem Mörtel zusammengefügt. Im Inneren bestanden die ca. 40 cm dicken Wände aus unbehauenen Steinen, deren Zwischenräume ein Lehm-Sandgemisch ausfüllte. Es war für mich erstaunlich, zu sehen, mit welchem handwerklichen Geschick die flächig glatt und formgerecht behauenen Fensterbänke und der Dörpelstein (Schwelle an der Haustür) aus massivem Trachyt-Steinen gefertigt waren.
Beim späteren Abbruch des Hauses habe ich mich gefragt, wie der Großvater diese schweren Steine ohne Hebewerkzeug an Ort und Stelle verbracht und eingefügt hat. Die Bruchstein-Wände wiesen eine aus heutiger Sicht völlig unzureichende Wärmedämmung auf, indem bei Frost die Zimmerwände an den Innenseiten die vorhandene warme Luftfeuchtigkeit sichtbar zu glitzernden Eiskristallen kondensierte. Als Zimmerdecken waren Holzbalken mit Einschubmaterial verbaut. Oberseitig waren lackierten Holzdielen verlegt. Unterseitig waren verputzte Spalierlatten angebracht.
Das Haus hatte vier Zimmer, wobei sich rechts und links neben der mittig angeordneten gewendelten Treppe je 2 Zimmer übereinander befanden. Das Haus stand giebelständig an der Bergseite des äußerst dünn besiedelten Lahrrings. Es war nach Osten hin noch ohne Nachbarn (siehe Link unten auf Lahr um 1900). Grundstücke gab es etwa 1920 noch im Überfluss und diese wurden aus heutiger Sicht zu „Spottpreisen“ angeboten.
Die unverheirateten Brüder meines Großvaters haben mit dem sukzessiven Verkauf ihres ererbten Anwesens ihren Lebensunterhalt aufgebessert und Haus und Grund einem Fabrikanten übereignet, der sich damit riesige Freiflächen um sein Haus herum verschaffte. Wie ich erfahren habe, hat der Käufer den beiden Staffels bei den Kaufverhandlungen einen Kaufpreis genannt, worauf diese immer ohne Zaudern mit „jewöß, jewöß“ (gewiss) antworteten. In der Fabrikantenfamilie nannte man deshalb die Staffels „die Herren Jewöss“.
Großvaters Grundstück war ca. 1600 qm groß und stand meinen Eltern bis zum Tode der Großmutter (1946) vollständig zur Verfügung und wurde z.T. als Garten genutzt, was unserem Nahrungsbedarf zugute kam. Durch die erfolgte Erbteilung verminderte sich die Gartenfläche, was meinen Bruder und mich der Arbeit am Kartoffelfeld entledigte.
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