Aufnahme: 1916
Der Herr Collin
1916 interessierte sich ein Herr Collin aus Dortmund für Grund und Boden der Levens. Er kaufte ein großes Grundstück samt erstem Steinbruch der Levens, und diese waren damit schlagartig ihrer finanziellen Sorgen enthoben.
Der Harr Collin hatte vor, seinen Lebensabend in Ruhe und Abgeschiedenheit mit einer - wie die Leute annahmen - Geliebten zu verbringen. Er ließ ein Haus für sich und später eines für den Gärtner oder Chauffeur errichten. Sein Grundstück ließ er an der Straße nach Ittenbach entlang mit einer hohen Bruchsteinmauer abgrenzen. Diese Mauer hat bereits ein Alter von 100 Jahren erreicht! Am Eingang zu seinem Grundstück, wo die Mauer endet, saß ein steinerner Bär. Dieser wurde von den Leuten als Ortsbeschreibung erwähnt. Wenn man sich in der Gegend verabreden wollte, sagte man: "Wir treffen uns am Bär."
Der Zugang zu seinem Wohnhaus war mit weißem Kieß belegt. Dadurch knirschte es, wenn man sich dem Haus näherte. Vor dem Haus hatte der Herr Collin einen runden Steinbrunnen bauen lassen, auf dem ein Brüsseler "Manneken piss" stand. In einem Schacht neben dem Brunnen war ein Absperrhahn, mit dem man die Intensität des Waeserstrahls regeln konnte. Zu meinem Erstaunen reichte dieser mindestens 10 m weit, wenn der Gärtner die Leitung voll aufdrehte. Im Erdgeschoss des Wohnhauses hatte eine Wirtschafterin namens Ida ihren Bereich. Man konnte kommen, wann immer man wollte, die Ida war stets anwesend. Vielleicht hatte sie auch ihr Bett in diesem Bereich.
In der Ecke, an der das Grundstück enger wird, war eine große Voliere mit Hühnern, Gänsen, Pfauen etc. angelegt. Von daher bezog der Herr Collin, wie ich wahrscheinlich ganz richtig meinte, sein Frühstücks-Gänseei, worum ich ihn beneidete. Meine Mutter schickte mich zur Ida, um Eier zu kaufen. Das waren kleine Hühnereier, und selbst deren Genuss wurde mir allermeist verwehrt. Der Herr Collin besaß einen ungeheueren Leibesumfang. Das bewies sich daran, dass er ein für die damalige Zeit recht großes Auto der Marke "Wanderer" hatte, worin er die gesamte Rückbank einnahm. Außerhalb dieses Autos habe ich den Herrn Collin nie gesehen.
Der ehemalige Steinbruch ist, weil ohne Ablauf, mit Regenwasser gefüllt und somit ein tiefer Weiher, auf dem ein Kahn stand. Das konnte man von der Straße aus durch eine ovale, vergitterte Öffnung in der Mauer sehen. Hoch oben am Rande der Felswand stand ein farbiger Pavillon, in welchem der Herr Collin wohl Schäferstündchen mit seiner Maria verbracht hat.
Übrigens: Der Herr Collin war nicht der Einzige, der die Ittenbacher Einsamkeit zu seinem Refugium als Alterssitz erkor. Das mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass die Grundstücke mit einem Taschengeld zu erwerben waren.
Das Anwesen des Herrn Collin stellt eine für den Ortsteil Lahr prägende Größe dar und ist es wert, in Erinnerung zu bleiben. Die Levens haben auch einen in deren Nachbarschaft gelegenen Steinbruch des Herrn Kneiseler erworben, der von dem Anton Leven (An der Eiche) bearbeitet wurde.
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