Aufnahme: 1985

Funkamateur Dr. Horst Ellgering gelang erstmals eine direkte Verbindung zum Space Shuttle

Unter der Überschrift "Kleiner Plausch mit Spacelab" stand im Oktober 1985 dieser Artikel in der Zeitung, den der Funker, der damals in Willmeroth wohnte und später nach Ittenbach zog, einrahmte:

PE Königswinter. Am Sonntag um 16.23 Uhr gelang Horst Ellgering als erstem Funkamateur eine direkte Sprechverbindung zum Space-Shuttle. Fünf Minuten lang konnte der bei der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR) in Köln-Porz beschäftigte Funker mit Ernst Messerschmid, einem der beiden deutschen Astronauten, plauschen. Die Funkverbindung zum 1000 bis 2000 Kilometer entfernten Spacelab war von hervorragender Qualität. Bereits vor dem Start war der Funkkontakt mit Messerschmid, den Ellgering von der DFVLR her kannte, verabredet worden. „Uns geht es gut, wir sind nur sehr beschäftigt", erzählte der Astronaut. Anschließend feierte Ellgering zusammen mit 120 „Wellenjägern“ des Deutschen Amateur Radio Clubs, Ortsverband Siebengebirge, im Klubhaus in Königswinter-Wilmeroth ein kleines Fest.(Weltchronik)

Zum Hintergrund:

"Der 1932 geborene promovierte Diplom-Physiker erkannte 1982 in der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR, heute DLR) die Chance, mit einer Beteiligung deutscher Funkamateure an Raumfahrtmissionen den Amateurfunk in der Öffentlichkeit positiv darzustellen. Er überzeugte die angehenden Astronauten Dr. Ernst Messerschmid und Prof. Reinhard Furrer (silent Key) von seinem Vorhaben und gründete danach die "Arbeitsgruppe Amateurfunk im Spacelab". 1985 kam es während der D1-Mission zu einem Amateurfunk-Kontakt", heißt es in einem Nachruf auf den am 7. Mai 2025 im Alter von fast 93 verstorbenen Amateurfunker aus Ittenbach, der seit 1951 eine Funklizenz besaß und seitdem Mitglied im DARC (Deutscher Amateur-Radio-Cub) und zeitweise auch deren Vorsitzender war - siehe 1. Link unten

Als Vorbereitung für den bevorstehenden Space Shuttle Flug "Challenge" am 30. Oktober 1985 mit deutscher Beteiligung "simulierten die damaligen ESA-Astronuten Reinhard Furrer, DD6CF (Pilot) und Ernst Messerschmid, DG2KM (Co-Pilot), am 17. August 1985 bei einem Trainingsflug über der BRD in einem kleinmotorischen Flugzeug, die Funksituation so wie sie ähnlich auch bei dem eigentlichen Raumflug sein wird. Dabei sammelten sie auch erste Erfahrungen mit dem Transceiver, den sie dann während der Space Shuttle Mission verwendet hatten. An Bord befanden sich die deutschen Astronauten Dr. Reinhard Furrer (DD6CF) und Ernst Messerschmid (DG2KM) sowie der niederländische Astronaut Dr. Wubbo Ockels (PE1LFO)", heißt es in der Festschrift "60 Jahre Amateurfunk Bad Honnef", S. 25 - siehe 2. Link unten.

Dr. Horst Ellgering war Vorsitzender des am 11.06.1994 in Königswinter konstituierten Runden Tisches Amateurfunk (RTA).  

Foto-Unterschrift oben: Dem Funkamateur Horst Ellgering gelang am Sonntag gegen 16.23 Uhr die erste direkte Amateurfunkverbindung zum Space Shuttle. Fünf Minuten plauschte er mit Astronaut Ernst Messerschmid. Foto: ap

Zum Foto unten (von Günter Groote) in einem Zeitungsbericht von 1985: Dr. Ellgering erläutert im Modell des Spacelab die Funktionsweise der Funkgeräte.

Hier ein Interview des DARC mit Dr. Horst Ellgering - siehe 3. Link unten:

- Sie waren die treibende Kraft hinter den Amateurfunk-Aktivitäten zur D1-Mission. Wie war die Zusammenarbeit mit den Astronauten, Ernst Messerschmid, Reinhard Furrer† und Wubbo Ockels?

Der Ansprechpartner und Mit-Initiator für die Aktivität war Ernst Messerschmid. Er hat mir geholfen, mannigfache Skepsis und auch gelegentliche Widerstände insbesondere aus den USA – wir sollten wegen angeblich nicht vorhandener Lizenzen in letzter Minute ausgebremst werden, was dahinter steckte weiß ich nicht – auszuräumen. Er war derjenige unter den drei Astronauten, der eigenes Interesse an der Aktion selbst hatte, seine beiden Kollegen betrachteten die Sache eher als PR-Dienstleistung.

- Zwei Jahre vor der D1-Mission hat die NASA erste Amateurfunk-Aktivitäten an Bord zugelassen. In den USA scheint die Raumfahrtbehörde sehr daran interessiert, das Publikum für sich zu gewinnen. Wie war das Verhältnis der deutschen Raumfahrtorganisation gegenüber den Funkamateuren?

Anders als bei der NASA hat man bei uns den PR-Wert solcher Unternehmungen nicht sofort erkannt. Die Einstellung der Projektleitung war daher eher zurückhaltend. Der Amateurfunk wurde schließlich doch als „add-on-Experiment“ klassifiziert. Den PR-Wert hat man wohl erst während der Mission an dem Medieninteresse an eben diesem add-on-Experiment erkannt. Ohne diese Klassifizierung wäre die Sache schon aus Kostengründen unmöglich gewesen.

- In der QST wurde die Mission von Owen Garriott als neue Ära innerhalb des Amateurfunks gefeiert; was bedeutete die D1-Mission für Sie persönlich und insgesamt?

Das Projekt AFu-D1 war für mich die spannendste, wirtschaftlich riskanteste und gleichzeitig arbeitsaufwändigste Aktion in meinen inzwischen 60 Jahren als Funkamateur und DARC-Mitglied. Es hat auch meinen weiteren Weg im DARC beeinflusst. Aus heutiger Sicht war die Mission wohl der Einstieg der europäischen Funkamateure in die bemannte Raumfahrt. 

Quelle
Nachlass Dr. Horst Ellgering
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Helga Ellgering Nachruf auf Dr. Horst Ellgering - Festschrift 60 Jahre Amateurfunk Bad Honnef - Zum Interview
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