Aufnahme: 1880

Der Fremdenverkehr war sein Verdienst

Als Bürgermeister August Mirbach vor 120 Jahren verabschiedet wurde, hatte er Königswinter in eine neue Zeit geführt

Roswitha Oschmann schrieb im General-Anzeiger vom 19. März 2010:

KÖNIGSWINTER. August Mirbach war bescheiden und unkompliziert. Zwar hatte das Festkomitee das Pulver bestellt, das ihm zu Ehren verknallt worden war. Aber als der Lieferant die Rechnung präsentierte, bezahlte es der neue Bürgermeister aus eigener Tasche. Als Mirbach am 18. März 1841 von der Königlichen Regierung in sein Amt eingeführt wurde, begann für Königswinter eine neue Zeitrechnung. Bis 1890 blieb er Bürgermeister. Als vor 120 Jahren Landrat Freiherr von Loe Mirbachs Nachfolger Fritz Kreitz berief, da huldigte er dem alten Herrn wie einem König. Damals wurde August Mirbach zum ersten Ehrenbürger von Königswinter ernannt. Ein Jahr später, am 15. März 1891, raffte ihn eine Lungenentzündung dahin.
Er gehörte zu den Lieblingsschülern von Schulvikar Aloys Odenthal. Dieser teilte die Jungs statt in Klassen in Kompanien ein, in denen Sport und militärischer Drill an erster Stelle standen. Als das Treiben verboten wurde, beauftragte Odenthal zwei Schützlinge, die Turngeräte in der Mitte des Rheins zu versenken. Einer von ihnen war August Mirbach. Der Lehrer war wohl so etwas wie eine Vaterfigur für den Knaben, der am 8. Januar 1808 als Sohn des Steinhauermeisters Johann Mirbach und seiner Frau Anna Maria geboren worden war, die bald darauf Witwe wurde. Odenthal schrieb 1821 an den jungen August: "Sey so gefällig, folgsam, fleißig bei anderen Leuten, wie Du es sonst bei mir in der Schule warst." Da war sein Zögling bei dem Domänen-Rentmeister Tils in Köln Bürolehrling und schob manchmal die Silbertaler auf einem Karren durch die Stadt zur Kasse. Getreu seinem Lehrer bemühte er sich um Weiterbildung, nahm schon morgens um sechs Französischunterricht. Als hätte er geahnt, dass er später seinen Heimatort zur Fremdenverkehrsstadt umwandeln würde. Bei der Neuanlage des Katasters in der Rheinprovinz war er Fortschreibungsbeamter in der Eifel, im Hunsrück und bei der Königlichen Regierung zu Trier. 1829 kehrte er zu Fuß zur Musterung nach Königswinter zurück, arbeitete schon im Bürgermeisteramt.
Damals gab es noch keine Eisenbahn, keine Fahrstraße ins Gebirge, keine Verbindung in die Nachbarorte außer der Fähre; es existierte keine Wasserleitung, kein Gas, schon gar kein Telefon. Das wichtigste war dem neuen Bürgermeister eine Schule. Mirbach wurde 1842 persönlich bei
König Friedrich Wilhelm IV. vorstellig, als dieser auf Schloss Stolzenfels weilte. "Ich will sehen, was sich tun lässt", antwortete der König. 6 000 Taler rollten. Auch die höheren Schulen erfreuten sich der Aufmerksamkeit Mirbachs, der 1844 Sibylla Bachem heiratete und selbst Vater wurde.
Als 1848 die Revolution bis ins Siebengebirge Wellen schlug, wurde er als "Hochverräter" tituliert. Er hatte sich gegen den Aufruf zur Steuerverweigerung gestemmt. "Ich bin Bürgermeister von Königswinter und allzeit gut königswinterisch gesinnt", sagte er. Als 1849 die Beuel-Honnefer Provinzialstraße angelegt wurde, schaffte das auch Arbeit für die Menschen. Damals, bis 1862, gehörte auch Honnef noch zu Mirbachs "Reich". Mirbach unterstützte den Verschönerungsverein für das Siebengebirge, der Fahrstraßen ins Gebirge anlegte. Der Ausbau der Rheinpromenade war so etwas wie sein Lebenswerk.
Bei der Abnahme der Zahnradbahnen machte der alte Herr den Aufstieg mit. Als der Landrat den 81-Jährigen davon abhalten wollte, beschied er: "Solange ich im Amte bin, tue ich meine Pflicht." 1863 entstand eine Gasfabrik. Die neue Energie speiste nun edle Lüster und die einfachen Laternen in den Gassen. 1889 kam das Wasserwerk. Zwei Jahre zuvor gründete das Stadtoberhaupt die Freiwillige Feuerwehr. Als er zum 80. Geburtstag den Rothen Adlerorden erhielt, ehrten ihn die Kameraden besonders.

Bildunterschrift: Die Aufnahme zeigt August Mirbach (rechts) um 1880 im Kreise seiner Familie.
REPRO: FRANK HOMANN

Quelle
General-Anzeiger Bonn vom 19.03.2010
Zur Verfügung gestellt von
Annette Hirzel
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