Steinabbau am Braunen Stuhl in Hühnerberg

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1930

Steinabbau am Braunen Stuhl in Hühnerberg

Von unserem Küchenfenster aus konnte ich ihn täglich sehen, den bewaldeten Höhenrücken im Osten des Pleiser Hügellandes, im Volksmund der Braune Stuhl genannt. Morgens ging die Sonne hinter ihm auf, und je nach Wetterlage umgab sie ihn mit einer güldenen oder roten Gloriole. Als Kind war mir dieser Berg verhasst, denn ich wusste, hinter den Bäumen dort oben verbirgt sich ein Steinbruch. In meiner kindlichen Vorstellung musste dies ein Ort sein, an dem Männer unter schwerstem körperlichen Einsatz und in ständiger Lebensgefahr in den Wänden hingen und dem vulkanischen Gestein zu Leibe rückten.

Waren meine Leistungen auf dem Humperdinck - Gymnasium zu Siegburg mal wieder hinter den Erwartungen meiner Mutter zurück geblieben, deutete sie auf den Steinbruch im Osten und sagte nur: „ Du musst ja nicht unbedingt auf das Gymnasium gehen. Du bekommst einen Henkelmann und gehst Du dort oben Steine klopfen.“ Dieser eine Satz reichte, um meine Anstrengungen auf geistigem Gebiet erheblich zu steigern. Oh, wie hasste ich diesen Berg!

Doch losgelassen hat er mich nicht. Im Alter hat es mich doch noch zu ihm hin gezogen. Seit einigen Jahren wohne ich nun schon in einem schmucken Haus an einem Hang in seiner unmittelbaren Nachbarschaft und genieße die Stille und Schönheit der Landschaft des Oberhaus.

Den Steinbruch gibt es noch immer. Die Kuppe des Braunen Stuhls ist längst abgetragen. Ein riesiges Loch hat sich in den Berg gefressen, die Orte Quirrenbach und Hühnerberg würden darin verschwinden. Einmal in der Woche wird gesprengt, dann erzittert die Erde hier oben wie bei einem leichten Erdbeben, und manchmal klirren die Gläser in den Schränken. Dann wird im Innern des Berges tonnenweise Basaltgestein aus den Wänden gelöst.

Zu meiner Kindheit wurde noch täglich gesprengt. Pünktlich mittags um zwölf und nachmittags um vier hörte man in Oberpleis die Detonationen.

(Aus „Erinnerungen aus der Kindheit“ von Fritz – Karl Birkhäuser)

Quelle
Rheinische Provinzial Basalt- und Lavawerke Hühnerberg
Zur Verfügung gestellt von
Hans Gerd Schlangen, Technischer Leiter
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