Aufnahme: 1927
„Männer-Reih“ - Kirmes-Dienstag, den 14. Juni 1927
„Wie beschlossen hielt die „Männer-Reih“ 1927 Oberpleis Kirmes-Dienstag die Kirmes III. in würdiger Weise ab. Nachmittags gegen 4 Uhr 30 versammelten sich die Mitglieder im Festlokale. Gegen 5 Uhr fuhren die festlich geschmückten Wagen vor, an deren sinnigen Entwürfe sowie einer Gestellung der Ausrüstung sich die Herren Ernst Efferoth, Math. Quandt, Theodor May, Jos. Bürling und Jacob Gesell sich besonders verdient gemacht hatten. Nun formierte sich der Zug zum Abholen der Reih-Königin und des Reih-Königs.
Vorn an der Spitze die Kapelle des Siegburger Instrumental-Vereins. Hierauf folgte der Wagen mit dem Fähnrich (Chr. Quandt) mit der aus der Hand unseres Kassierers Herrn Adolf Wendel hervorgegangenen kunstvoll bemalten Fahne und die beiden Fahnenadjudantinnen Frau Toni Lichtenberg und Ww. H. Reuter. Hieran schloß sich der Wagen mit den vier Trägerinnen der Eierkränze, die von den Herren Baumann, Wilhelm Vogt, Wilh. Weyler und ihren Frauen kunstvoll hergestellt waren. Hierauf folgte der festlich dekorierte Königswagen, woran sich die Mitglieder mit ihren Frauen schlossen.
Nach Abholung des Königs Peter I. (P. Herkenroth) und der Königin Theresia I. (Frau E. Brandt) ging der Zug durch den Ort von allen Leuten mit Jubel begrüßt. Am Bürgermeisteramt wurde nun der Fähndel geschwenkt, nachdem man vom Festlokale aus den „Kirmes-Paias“ im Zuge mitgenommen und durchs ganze Dorf getragen hatte. Auf dem Marktplatz angekommen ging man dazu über, dem „Kirmes-Kerl“ den Prozeß zu machen, was ein alter Fachmann Herr Heinrich Bellinghausen meisterhaft verstand. Nach einer langen Rede wurde das Todesurteil über ihn ausgesprochen. Er soll am Schluß der Kirmes 12 Uhr nachts erschossen werden. Man trug den Delinquenten in den Saal, wo er nun allein mit sich selbst seine Schandtaten auf der Bühne bedenken und zum letzten Mal die tanzlustigen Oberpleiser von oben herunter von der Bühne aus bestaunen konnte.
Eine überaus große Beteiligung fand der Ball. Hier war Oberpleis noch einmal so recht für sich vertreten. Alt und Jung freute sich, tanzte auf die schneidigen alten Weisen der schönen Musik. Gegen 12 Uhr wurde nun auf amerikanischer Art der Schuß versteigert, der dem „Kandidaten“ auf der Bühne den Todesschuß geben sollte, zum Besten des Kriegerdenkmal-Fonds, wofür nach allgemeinem Beschluß der ganze Überschuß des Abends gedacht war. Der Schuß wurde Herrn Joh. Kemp aus Düsseldorf zugesprochen und hatte M. 20.75 eingebracht. Um 2 Uhr nachts endlich fand der Ball sein Ende.
Alle gingen nun fröhlich und gehobener Stimmung nach Hause. Jeder Besucher wird sich noch oft an den genußreichen Abend am Kirmesdienstag 1927 erinnern und sich sagen, da habe ich noch einmal herzlich gelacht und wirklich Freude gehabt.“
Oberpleis, den 15. Juni 1927
Vorsitzender: Josef Bürling
Schriftführer: Toni Lichtenberg
Kassierer: Adolf Wendel
Ausschnitt aus einer Postkarte (ca. 1908). Das Gasthaus „Zum Stern“ ist das spätere Gasthaus „Zum Siebengebirge“ (Gastwirt Jacob Lichtenberg).
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