Arbeiter im Steinbruch (wahrscheinlich Hühnerberg)

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1890 (ca.)

Arbeiter im Steinbruch (wahrscheinlich Hühnerberg)


Berufe im Siebengebirge vor 1900

Im nachfolgenden wird versucht, die im Siebengebirge häufigsten Tätigkeiten in der Zeit vor 1900 zusammenzustellen und kurz zu erläutern. Dies ist eine statistische Auswertung der Vermerke in Kirchenbüchern Oberpleis zu Heirat und Tod in der Zeit von 1740 bis 1900.

Neben den kleindörflich bedingten, meist Einzelpersonen zuzuordnenden Tätigkeiten
von „A“ wie Arzt, über „H“ wie Handwerksmeister bis „Z“ wie Zunftgesellen, gab es für
die Masse der Bevölkerung wenige Erwerbsmöglichkeiten wie:.

Steinhauer

Besonders im Siebengebirge war die Tätigkeit im Steinbruch bis zur Unterschutzstellung
des Siebengebirges Anfang 1900 eine gesicherte Aufgabe, gefährlich zwar, da es keine
Krankenkasse gab, die bei einer Krankheit und bei Unfall unterstützend einsprang, aber
immerhin waren diese Arbeiter einkommensmäßig besser dran, als ein Tagelöhner mit
seinem unregelmäßigen Einkommen.

Hier sind die Steinhauer zu nennen, die an Seilen hängend mit Meißel und Hammer den
Stein aus der Wand schlugen, die Behauer, (Schrottschläger) die das herabstürzende
Gestein grob zurechtstutzten und sortierten, die Lader, (Steinbrucharbeiter) die die Loren
beluden und den Abraum zur Halde schafften.

Das brauchbare Gestein wurde dann per Fuhrwerk und später per Eisenbahn zum
Rhein transportiert und dort mittels Schubkarren (Schörreskarren) vom „Schürrjer“
über schwankende Planken in den Bauch der Schiffe verfrachtet.
 
(Siehe auch Heft  „Alt Hesprott „ herausgegeben 1986 vom Heimatverein, s. Link unten)

Tagelöhner
 
Tagelöhner war, wie der Name schon sagt, jemand, der von Tag zu Tag bzw. je nach
Bedarf nach Arbeitskräften und auf beschränkte Zeit für gewisse Arbeiten tätig war.
Dies konnte z. B. in der Landwirtschaft als saisonbedingte Erntehelfer, im Weinberg bei der Lese, beim Be- und Entladen von Schiffen am Rhein, beim Holzeinschlag, beim Roden von Wäldern u.ä. der Fall sein. Die Tagelöhner erhielten für ihre Tätigkeit pro Tag einen Schilling.
Da Samstags- und Sonntagsarbeit die Regel war, also maximal im Monat 30 Schilling, also einen Rheinischen Thaler.
Somit konnte er im Jahr bestenfalls auf 12 Thaler kommen

Leineweber

Eine besonders im Sieg-Kreis übliche Tätigkeit war die des Leinewebers. Hierzu wurden Webstühle und Webmaterial in den Privatwohnungen bereit- und aufgestellt und der kurz angelernte Leineweber (meist waren auch die Ehefrau und z. T. halberwachsene Kinder tätig) musste Leinenstoffe weben. Hier gab es drei verschiedene Qualitäten, die entsprechend der Anforderung unterschiedlich entlohnt wurden: 1. Das einfache Leinen, woraus die einfachen Leute ihre Kleider fertigten. Diese Leinenherstellung erbrachte der Familie,  soweit sie fleißig war und täglich bis zu 14 Stunden webte, pro Jahr ca. 10 Rheinische Thaler Entlohnung, zu wenig, um damit eine Familie mit den üblichen 8 bis 12 Kindern durchzubringen.
Hieraus resultierte dann der zusätzliche lebensnotwendige Gemüseanbau im eigenen
Garten, das Halten von Kleinvieh und Ziegen und, wie unten beschrieben, der Hergabe
einzelner (kräftiger) Kinder an einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Das Weben des „besseren“ Linnens wurde mit 12 Jahresthalern entlohnt, womit dann immerhin schon ein Auskommen, wenn auch im sehr bescheidenem Maß möglich war.

Das Weben des „feinen Linnens“, eines auch nach England exportierten Stoffes, aus dem dann feine Kleider und Anzüge gefertigt wurden, erbrachte schließlich einen Jahressalär von 14 Rheinischen Thalern. Allerdings war auch der „Abzug“ bei mangelnder oder schlechter Leistung ein „Druckmittel“, so dass auch die mit dieser Herstellung betrauten „besseren“ Familien kaum auf einen grünen Zweig kommen konnten.

Über die Leineweber entstanden Sprichwörter:
Z. B.: Spinnen am Morgen bringt Kummer und Sorgen, will heißen, dass aus finanzieller Notwendigkeit bereits vor Morgengrauen gesponnen werden musste ----Not war im Haus!
Oder: Spinnen am Abend, erquickend und labend. Dies beschrieb den Familienfeierabend, wo Vater noch spinnen musste, Mutter und Großeltern bei Kerzenlicht bzw. offenem Kaminfeuer zusammensaßen und den Kindern Geschichten erzählten - ein erholsames Idyll -
 
Mit der Mechanisierung und dem Einsatz technischer Antriebe verschwand diese „Heimarbeit“ gegen Anfang 1900.

Landwirtschaft

Die gebräuchlichste Tätigkeit der Dorfbevölkerung war der Einsatz in der Landwirtschaft.
(Knecht/Magd/Melker) Hier waren es vor allem die großen Höfe, Fronhöfe, Halfenhöfe und Güter von Grafen, Klöstern und Kirchen, die Arbeitskräfte benötigten. Man verdingte sich als Knecht oder Magd. „Beruflich aufsteigen“ konnte man (nur unter besonders glücklichen Umständen oder durch Protektion) z. B. zum Verwalter oder Schweitzer oder man wurde selbst „Pächter“ eines Hofes ein Halfe (er gab die Hälfte (Halfe) als Pacht an den Eigentümer ab.)
Da landwirtschaftliche Mitarbeiter i.d.R. dort auch wohnten, verpflegt und im notwendigsten Maße gekleidet wurden, erhielten sie nur ein geringes Entgelt von wenigen (ca. 6 bis 8)  Rheinischen Thalern pro Jahr.

In der Landwirtschaft wurden auch oft saisonbedingte Erntehelfer beschäftigt
(siehe auch Tagelöhner)

Auch war es üblich, bei der damals meist großen Kinderzahl, die kaum alle vom Einkommen der Eltern ernährt und gekleidet werden konnten, einzelne Kinder einem Bauern als Arbeitskraft zu überlassen. Die übliche Kinderarbeitszeit betrug zwischen 12 und 14 Stunden. Sie wohnten dann im Bauernhaus, wurden dort gekleidet und verpflegt und die Eltern bekamen für die Überlassung einen Salär von drei Rheinischen Thalern im Jahr.
Ein Thaler zu 30 Schilling, dieser zu 12 Pfennigen ergibt somit, dass 360 Pfennig einen Thaler ergeben und ein Kind somit täglich 3 Pfennige „verdiente“.
Aus dieser Bezahlung der Kinder ergaben sich die Redensarten:
 „Du hast nicht für 3 Pfennig Verstand“ 
„ Er hat keine 3 Pfennig in der Tasche, ....
    
Der Bauer war dann auch zuständig für die „schulische“ Ausbildung. Schulen und Schul-besuchspflicht gab es damals noch nicht. Der Bauer musste lediglich erklären, dass er „ in der Lage war," die gewünschte schulische Bildung zu vermitteln. Größeren Höfen wurde diese Fähigkeit einfach unterstellt.
Ob dann tatsächlich eine Bildung erfolgte, wurde von der Obrigkeit nicht kontrolliert.

Ackerer

Im Pastorenlatein als „agricola“ vermerkt nannten sich die Kleinbauern  und „Selbstversorger“, die als Familienbetrieb auf eigenen landwirtschaftlichen Flächen für eigene Rechnung tätig waren.
Heute würden wir diese Menschen als Nebenerwerbslandwirte bezeichnen.
Häufig waren diese Ackerer jedoch „nebenher“ aus finanzieller Notwendigkeit auch zeitweise Tagelöhner.

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