Aufnahme: 2026 (14.01.)
Kein Sekt zum Geburtstag - stattdessen schrauben und löten
Ein Duft von Kaffee, das leise Klacken von Schraubenziehern, und zwischendurch ein Lachen – das Repaircafé der Klimagruppe Königswinter hat seinen ersten Geburtstag gefeiert. Seit einem Jahr beweist das ehrenamtliche Team Monat für Monat, dass Nachhaltigkeit Spaß machen kann. Statt Geburtstagskerzen "brannten" diesmal die Lötkolben. „Es war ein richtig gelungener Tag“, sagt die Koordinatorin Matte Steinhagen zufrieden. „Eigentlich wollten wir feiern – aber wie das bei uns so ist, wurde natürlich gleich wieder geschraubt.“ Und tatsächlich: Der erste Jahrestag stand ganz im Zeichen der Reparaturen.
Alte Technik, neuer Glanz
In der Werkstatt herrschte Hochbetrieb: Zwei Nähmaschinen wurden gründlich überholt. „Bei der einen mussten wir erstmal gefühlt zehn Jahre Staub entfernen“, berichtet Werner lachend. „Aber das gute Stück läuft wieder wie neu.“ Die zweite Maschine wurde komplett zerlegt, geölt und wieder zusammengesetzt – mit dem Tipp des Tages inklusive: „Nach langer Standzeit hilft manchmal eine Nacht im Ofen bei 40 Grad!“
Ein anderes Sorgenkind – eine Schreibmaschine – wartet noch auf ein spezielles Ersatzteil. Aber keiner gibt so schnell auf: „Bei uns wird erstmal alles versucht, bevor etwas endgültig ausrangiert wird“, betont Werner.
Und auch der Klang kam nicht zu kurz: Axel nahm sich einen betagten Yamaha-Verstärker vor. „Wenn wir irgendwo noch den Schaltplan auftreiben, kriegen wir den wieder hin!“, meint er entschlossen, während er mit ruhiger Hand die Kontakte prüft.
Kreative Lösungen und Spaß an der Sache
Am Nebentisch kämpfte Christoph mit einer zerlegten Kitchen-Aid-Küchenmaschine – der Motor war verschmort, fast ein Fall für die Tonne. Doch nach stundenlanger Feinarbeit und improvisierten Werkzeugen lief sie wieder. „Ich musste sogar privat ran – mit dem Abzieher, um den Motor zu trennen“, erzählt er. „Am Ende stand sie da wie neu". Abgesehen vom Obolus für unsere Kaffeekasse munkelt man, dass er ein Brot gebacken bekommt...
Auch andere Geräte fanden zurück ins Leben: Eine Transferpresse druckt wieder, ein Luftentfeuchter arbeitet zuverlässig – und das alles dank Jürgen, der bescheiden meint: „Wenn’s wieder läuft, ist das die schönste Belohnung.“
Eine ganz eigene Geschichte erzählt die Schreibtischlampe, die im Dezember kam. Elektrisch top, mechanisch wackelig – doch zwei „Heinzelmännchen“ tüftelten über die Feiertage an einer neuen Verbindung. „Wir haben gedreht, gefräst, gesägt – bis alles passte“, erzählt einer der Bastler. „Als wir fertig waren, war’s fast 22 Uhr. Da wollten wir die Besitzerin nicht mehr anrufen.“
Wenn der Gast lieber mit anpackt
Besonderen Besuch gab es auch: Anno hatte dem Repaircafé einst eine große technische Hilfe vermacht – einen Trenntrafo als Dauerleihgabe. Nun schaute er persönlich vorbei. „Feiern kann ich später. Heute wird gearbeitet“, meinte er schmunzelnd – und machte sich sofort über einen defekten Heizungsregler her, der bald wieder funktionierte.
In der Ecke wurde derweil ein Akku-Rasenmäher zerlegt, gereinigt und überprüft. Das Ersatzrad ist schon bestellt. Paul erzählt: „Wir saßen auf dem Boden und haben geschraubt – jeder wusste genau, was zu tun ist. Das ist Teamarbeit pur.“
Herzblut und Gemeinschaft
Einer, der bei all dem kaum stillsitzen kann, ist Hartmut, im Team nur als „Hans Dampf in allen Gassen“ bekannt. Ob Staubsauger, Rasenmäher oder Lampe – er weiß für alles einen Trick. „Ich mag’s, wenn etwas wieder funktioniert“, sagt er schlicht. „Das Strahlen in den Gesichtern ist unbezahlbar.“
Das Repaircafé lebt von diesem Teamgeist. Hier geht es nicht nur um defekte Technik – sondern um Begegnung, Lernen und kleine Erfolgserlebnisse. Jeder bringt sich mit dem ein, was er kann. „Das Schönste ist, wenn Menschen mit leuchtenden Augen ihr repariertes Gerät abholen“, meint Matte. „Dieses gemeinsame ‚Geht wieder!‘ ist unser größter Applaus.“
Mitmachen ausdrücklich erwünscht
Das Repaircafé Königswinter trifft sich regelmäßig – jede und jeder ist willkommen, ob mit kaputtem Toaster, alten Kopfhörern oder einfach mit Neugier. Wer kein Werkzeug anfassen möchte, kann trotzdem vorbeischauen: Zum Zuschauen, Fachsimpeln oder Kaffee trinken.
Jeden 2. und 4. Mittwoch zwischen 18 und 20 Uhr in den Räumlichkeiten des NIK, Dollendorfer Straße 34 in Königswinter-Oberpleis („Mathildenheim“ im kleinen Park, Zufahrt und Parkmöglichkeiten über den Weilerweg, gegenüber Nr. 12).
Anmeldung erwünscht unter repaircafe@klimagruppe-koenigswinter.de
Weitere Informationen auf der Website der Klimagruppe Königswinter: https://klimagruppe-koenigswinter.de/repaircafe/
Hier wird nicht nur repariert, hier wird Nachhaltigkeit geschraubt.
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