Pfadfinder „besetzten" Rathaus

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1989

Pfadfinder „besetzten" Rathaus

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:

st. Siebengebirgspfadfinder kamen am vorletzten Donnerstagnachmittag ins Oberpleiser Rathaus. Grund: Seit drei Jahren stehen sie in Verhandlung mit der Stadtverwaltung, um einen Raum zu erhalten. Doch alle Bemühungen schlugen bisher fehl. Seit 1986 hat der einzige anerkannte interkonfessionelle Pfadfinderverband, der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder, im Siebengebirge eine örtliche Gruppe. Und seit dieser Zeit, so erklärte uns vor dem Rathaus der Leiter der Gruppe, Stamm Oberon, Björn Seelbach, bemüht sich der Stamm in Anfragen und Gesprächen, von der Stadt einen Raum zur Verfügung gestellt zu bekommen. Die Stadt verweise die 65 Pfadfinder immer wieder an das Haus der Jugend. Seelbach: „Trotz vieler Zusagen der Politiker wurde noch keine Unterstützung gewährt. Ein seit einigen Monaten fest versprochener Materialraum wurde immer noch nicht zugewiesen."

Beigeordneter Erich Lichtenberg erklärte uns gegenüber: „Ich habe die Pfadfinder an das Haus der Jugend verwiesen." Björn Seelbach dazu: „Das stimmt, doch der Leiter des Vereins 'Haus der Jugend', Dr. Helmut Krämer, lehnte aus rechtlichen Gründen ab." Zudem werde seit einigen Wochen das Haus der Jugend renoviert, und daher sei die obere Etage vorübergehend geschlossen. Da nun die Gruppe ohne Raum dasteht, zog sie ins Rathaus. Sie wurde zwar hereingelassen, doch der erwartete Empfang wurde nicht gewährt. Im Foyer ließen sich die Pfadfinder nieder und hielten dort ihr Gruppentreffen ab, unter einem selbstgemalten Schild: „Wir brauchen einen Raum". Björn Seelbach: „Für die Gruppe ist sowieso der Raum im Haus der Jugend mit 25 Quadratmetern viel zu klein."

Bemühungen, einen Raum im Schulzentrum zu erhalten, schlugen ebenfalls fehl, weil die Pfadfindergruppe einen Raum nur für sich alleine haben wolle, so Erich Lichtenberg. Stammesführer Seelbach: „Auf allen politischen Ebenen beschäftigt man sich mit dem Problem rechtsextremistischer Jugendgruppen. Und die Stadt Königswinter meint es nicht fertigzubringen, für die einzige nichtkirchliche Gruppe im Bereich der politisch ungebundenen Jugendarbeit einen ordentlichen Raum zur Verfügung zu stellen. Wenn man vernünftige und anerkannte Jugendarbeit nicht unterstützt, darf man sich natürlich nicht über das Aufkeimen solch gefährlicher Gruppierungen wundern."
Der Stamm Oberon bittet die Bevölkerung um Unterstützung. Die Pfadfinder baten auch die Mitglieder des Bau- und Verkehrsausschusses, die am Spätnachmittag ebenfalls im Rathaus tagten, um Unterstützung.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 41 vom 12.10.1989
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
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Gruppen Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
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