Oberpleiser gingen „ze Foß noh Kölle" - Die beiden „Schotten" beim Abmarsch

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1970

Oberpleiser gingen „ze Foß noh Kölle" - Die beiden „Schotten" beim Abmarsch

„Ich möch ze Foß noh Kölle jonn"
Viele Oberpleiser staunten am Sonntagmorgen nicht schlecht, als sie um 9.15 Uhr aus der Kirche traten und ihnen die zünftige Marschmusik des Fanfarencorps der KG „Rot-Blau Auelgau" entgegenklang. Ihre Verwunderung nahm noch zu, als sie zwei schottenberockte Herren erblickten, die im Mittelpunkt des ungewohnten Morgenkonzerts zu stehen schrienen. Besuch aus Schottland in unserem Oberpleis? Für einen alteingesessenen Oberpleiser ein ungewöhnliches Bild. Man drängte sich näher, um die beiden freundlich lächelnden Burschen etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Ob sie wohl  Deutsch sprachen?  Sie sprachen Deutsch, sogar echtes Pleeser Platt, und  Ortsansässige glaubten in ihnen sogar zwei Pleeser zu erkennen, eine  Vermutung,   die  sich als richtig erwies. Teils mißtrauisch, teils erheitert betrachtete man die beiden, ebenfalls einen Konvoi mehrerer mit Transparenten geschmückter Autos, auf denen die Worte „Köln" und  „Bier" dominierten, der zu den Siebengebirgsschotten zu gehören schien. Was sollte das  alles?

Nun, Eingeweihte hatten diesem Tag mit freudiger Ungeduld entgegengeharrt. Es waren dies vor allem die Mitglieder des Oberpleiser Clup Hupp 17 und Harry Schlarb, Wahl-Oberpleiser und Gastronom, denn heute sollte eine Wette entschieden werden. Vor vier Wochen hatten Peter Krey und Karl Heinz Lindlar behauptet, sie seien in der Lage, die Strecke vom Oberpleiser Hotel Bramkamp bis zum Kölner Gasthaus Früh innerhalb 24 Stunden per pedes zurückzulegen. Die restlichen Clubmitglieder versprachen ihnen daraufhin ein Fäßchen Bier, falls sie diese kühne Behauptung in die Tat umsetzen würden. Zur Auflage wurde jedoch noch gemacht, daß bei Start und Ankunft Schottenkostüme zu tragen seien, eine Bedingung, die die Ausführung der Wette in psychologischer Hinsicht erschweren sollte. Man willigte ein, zumal Harry Schlarb, der hörte, daß es in seine kölnische Heimat gehen sollte, die Prämie um 50 Liter erhöhte und selbst die organisatorische Leitung  des Marsches übernahm. So legte man die Marschroute fest richtete die Begleitfahrzeuge her - ein Transporter wurde zum Verpflegungswagen umfunktioniert - und traf alle weiteren nötigen Vorbereitungen, während sich unsere Spaziergänger durch Waldläufe in Hochform brachten.

Dann war es endlich soweit. Als Ehrenmitglied Hans Robert Mies am letzten Sonntag um 9.30 Uhr den Startschuß gab, war alles getan, um das Unternehmen erfolgreich ablaufen zu lassen. Gleich zu Beginn des Marsches zeigten die beiden Sportler eine beachtliche Schnelligkeit; Teilstrecken legten sie sogar im Dauerlauf zurück. Um 10.30 Uhr passierten sie Birlinghoven, um 11.20 Uhr Menden, in Spich kamen sie um 12.25 Uhr an und legten um 13 Uhr in Wahn eine Pause ein. Gestärkt durch Kartoffelsalat und Geflügel à la Harry Schlarb erreichten die Beiden Ensen um 14.50 Uhr und „liefen" in Köln bereits um 16.30 Uhr ein, eine Zeit, die man kaum für möglich gehalten hätte. Bevor man in der Gaststätte Früh einkehrte, wurde noch der Ostermann-Brunnen besucht; hier erklangen zur Begrüßung die Weisen „Dort wo die ·sieben Berge" und „Ich möch ze Foß noh Kölle jonn", ein Lied, das von  Herzen kam. Während des Marsches waren die Oberpleiser telefonisch auf dem Laufenden gehalten worden. Gespannt hatte man in der Gaststätte Bramkamp den Weg der zwei Fußgänger mitverfolgt, der auf einer ausgehängten Landkarte eingetragen wurde. Als man sich dort dann gegen Abend, von Köln zurückgekehrt, zu einer kleinen „Siegesfeier" zusammenfand, mußten Karl-Heinz  Lindlar und Peter Krey viele Hände drücken. Die wenigsten hatten diesen schnellen Ausgang erwartet.  E. Zens

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 11 und 19 vom 16.05 und 23.05.1970; Foto: Günther Steeg; Bericht: Edgar Zens
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ) Film "Ze Foß noh Kölle - Oberpleis lachte"
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