Aufnahme: 1987
Der Bellinghauserhof wird erstmals im Jahr 1281 erwähnt
"Wir bezeichnen ihn hier als den traditionsreichsten Hof, weil er sich seit der letzten Verpachtung durch die Abtei im Jahre 1796 an einen Johann Bellinghausen bis zum heutigen Tag im Besitz der Familie befindet. Es ist der Hof, von dem einige umliegende Ortschaften ihren Namen erhielten (Bellinghausen, Bellinghauserhof, Bellinghauserhohn). Ebenso gibt es in der Umgebung des Königswinterer Stadtteils Oberpleis zahlreiche Familien, die den Namen Bellinghausen führen. (328) Kein anderes Gut der Abtei hat diese Kontinuität aufzuweisen. Zudem kann an diesem Hof, exemplarisch für die übrigen Güter, die Domänenveräußerungspolitik über Jahrzehnte hinweg deutlich gemacht werden. Nach dem Generalprotokoll vom 28. Oktober 1803 hatte der Bellinghauser Hof einen Gebäudewert von 1.500 Rtlr. und war mit 152 Morgen {= 39 ha) Land ausgestattet.(329)
Noch in abteilichen Zeiten war er auf 12 Jahre an Johann Bellinghausen verpachtet worden. Bellinghausen hatte neben den schmalen Pachten, deren Wert sich nicht ermitteln lässt, 20 Malter Korn an die Abtei abzugeben und die Grundlasten zu tragen. In einem Schreiben von 1817 nennt Bellinghausen als alte Pachtabgabe 22 Malter Korn und 2 Malter Hafer. (330) Diese alte Pacht sollte nach einer Verordnung der Separatkommission vom 28. Dezember 1804 neu geregelt werden. Bei den Verhandlungen wurde die Pachtabgabe auf nun 25 Malter Roggen und 50 Rtlr. festgesetzt. Hinzu kamen die Grundlasten und die Feuerversicherung, die der Pächter aus eigenen Mitteln zu bestreiten hatte. Von der Verpachtung ausgeschlossen waren 47 Morgen Waldungen, die Bellinghausen bis dahin nutzen konnte. Eine Umrechnung in Geldwerte ergibt einen Pachtbetrag von ca. 659 FF (1 Malter Roggen ä 6,4 Rtlr.; 1 Rtlr. = 3,14 FF).(331)
Ende Oktober 1810 begannen die ersten Verhandlungen zwischen der Domänenverwaltung und Bellinghausen über einen neuen Pachtvertrag. Das für Bellinghausen günstige Ergebnis der ersten Verhandlung vom 30. Oktober konnte der General-Domänendirektor„ 'nicht genehmigen ... weil solches anscheinlich anstatt Erhöhung eine Verminderung der Pacht-Abgabe liefert'.(332) Fortgeführt wurden die Verhandlungen im Januar des Jahres 1811. Ergebnis war die Pachtabgabe von 25 Malter Roggen und einen Geldbetrag von 270 FF, bei Übernahme der Grundsteuer durch die Staatskasse. In Geld lag der Pachtbetrag damit bei 773 FF. Auf dieser Basis wurde der neue Pachtvertrag am 9. März 1811 für die Dauer von nur fünf Jahren geschlossen.(333) Nach Ablauf dieses Vertrages standen 1817 erneute Verhandlungen an, jetzt mit der preußischen Domänenverwaltung. In einem Schreiben vom 19. Juli 1817, dem eine Pachtversteigerung vorausgegangen war, beschwerte sich Bellinghausen darüber, dass nun zum zweiten Male die Pacht erhöht werden solle.
Gleichzeitig führte er Beschwerde gegen einen gewissen Wundarzt Löhr, der die Preise der Bauern in die Höhe trieb (bei Versteigerung der Pachtgüter). Er bat daher um Entlassung aus dem unter Druck zustande gekommenen Gebot von 250 Rtlr. (785 FF).(334) Der Hof blieb in den Händen Bellinghausens, obgleich die Domänenverwaltung in den Jahren 1828—1830 mehrfach versucht hatte, den Hof zu verkaufen. 1822 war der Verkaufswert des Hofes mit 4880 Rtlr. angegeben. Schließlich gelang es dem bisherigen Pächter den Hof in Erbpacht zu nehmen, deren Ablösung am 1. April 1883 begann. Seit dieser Zeit ist der Bellinghauser Hof im Besitz der Familie Bellinghausen.(335) Aus abteilichen Zeiten existiert die Scheune im westlichen Teil der Hofanlage."
Anmerkungen
"328 Werner Dahm, Bellinghausen, Zur Geschichte eines Dorfes im Pleiser Hügelland, in: Heimatblätter des Rhein-Sieg-Kreises. Jahrbuch 1980, 100-116
329 HStAD JB II 6351 a, Tabelle B zum Gen.Prot. vom 28.10.1803
330 HStAD GhB 8344, Verordnung der Sep.Kom. vom 28.12.1804; der zugrunde gelelegte Getreidepreis ergibt sich aus HStAD Gen.Gouv.Berg 605, Bl. 172-174. Spezialnachweis der Rentei Siegburg mit Angaben über Naturalertrag der Domainengüter 1813. Bei den folgenden Umrechnungen sind die Schwankungen der Getreidepreise nicht berücksichtigt, wie im ersten Kapitel liegen somit nur relative Angaben vor.
331 fehlt
332 HStAD GhB 8344, Prot. vom 30.10.1810; ebd., Gen.Dom-Dir. am 5.12.1810
333 Ebd. Prot. vom 26.1.1811; ebd. Pachtvertrag vom 9.3.1811; vgl. HStAD Gen.Gouv.Berg 605, B 172-174 Pacht 1813 773 FF.
334 HStAD Reg, Köln 5483, Bellinghausen an Reg. Am 19.7.1817
335 Ebd. Ablösung des Erbpachtvertrges am 1.4.1833; HStAD Reg, Köln 3925, Verzeichnis der im Dez. 1821 nicht verkauften Güter der Rentei Siegburg vom 7.7.1822, Nr. 12"
Mit freundlicher Genehmigung von Pfarrer Markus Hoitz und der Stadtverwaltung Königswinter: "Die Aufhebung der Abtei Heisterbach" in: "Königswinter in Geschichte und Gegenwart", Heft 3, 1987.
Zu weiteren Berichten im virtuellen Heimatmuseum Thomasberg / Heisterbacherrott: s. Link unten.
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