Aufnahme: 2015 - 2016
Die Kapelle Kreuzerhöhung in Quirrenbach (360° Rundblick)
Quirrenbach im Oberhau wird erstmals 948 in den Protokollen des Erzbischofs von Köln, Wichfried, mit Querenbach als geografischer Ortsbezeichnung er wähnt. Damit ist Quirrenbach offensichtlich das historische Herz des Oberhaues. Der Name bedeutet wahrscheinlich Mühlenbach, denn das Wort „quirn" steht für mahlen. Und tatsächlich ist schon sehr früh eine Mühle in Quirrenbach belegt. Angesichts der Historie verwundert es nicht, dass für den Ober hau erstmals in Quirrenbach das katholische Gemeindeleben nachzuweisen ist. Die jetzige Kapelle wurde 1894 errichtet, ihre Vorgeschichte geht aber auf das Jahr 1734 zurück. Zunächst wurde auf dem späteren Kapellenplatz an der Kreuzung Quirrenbacher und Kochenbacher Straße ein Missionskreuz aufgestellt, das am 29.8.1734 von Missionaren aus Düsseldorf geweiht wurde.
Die erste Kapelle wurde noch im selben Jahr für 325 Reichstaler errichtet, „da mit die Andacht bei verdrießlichem Wetter in Regen und Winter gehalten werden kann". Die Chronik dazu: "Der Mührer Josef Krebs hat die Capell geplatt und gemuhrt, den Altarfuß macht, war verdungen für 3 Reichsthaler und 52 Albus." Auf Anregung von Jakob Limbach und Peter Quirrenbach wurde die Kapelle aus Spenden der Bewohner des Oberhaues finanziert, angesichts der Armut der Bevölkerung eine erstauliche Leistung. Die Erben Cörtsgen aus Quirrenbach stellten das Grundstück „zur Ehre Gottes und für das menschliche Seelenheil unentgeltlich und ewiglich" zur Verfügung. Die Kapelle wurde unter das Patronat „Exaltatio Sanctae Crucis" Kreuzerhöhung (Fest am 14. September) gestellt.
1735 rief bereits eine Glocke die Gläubigen, die bei Meister Engelbert Joseph Fuchs in Köln gekauft und auf den Na men „Xaverius" getauft worden war, zum Gottesdienst. Die erste HI. Messe wurde nach Einholung der Erlaubnis des Kölner Generalvikars Johann Andreas von Franken Sierstorff 1742 vom Dechanten des Dekanates Siegburg Johann Peter Jacobs gefeiert. Die heute noch vorhandenen Statuen des Evangelisten Johannes und der Mutter Gottes wurden bereits 1738 erworben. 1741 schuf Bildhauermeister Isaac Ferber aus Flerzheim Corpus, Säulen, Laubwerk und zwei Engel für den Altarraum, sowie 1743 den Tabernakel. 1894 wurde die alte Fachwerkkapelle abgerissen und durch eine neue er setzt, nachdem bei einer Visitation der Zustand nur noch als „leidlich" eingestuft worden war.
Die neue Kapelle hat eine Grundfläche von 100 qm, das Kapellenareal beträgt 3,5 Ar. Seit 1923 wurde nur noch einmal im Monat die HI. Messe gefeiert, denn 1912 war in Eudenbach eine eigene Kirche errichtet worden. 1945 wurde die Kapelle durch heftigen Artilleriebeschuss durch amerikanische Truppen schwer beschädigt, 1947 aber wieder repariert. 1957 folgte eine Renovierung, 1966 eine Grenzeinfriedung durch eine Natursteinmauer. 1971 wurde der Kapellenboden erneuert und 1977 eine Gedenktafel für die Toten der beiden Weltkriege enthüllt. 1979 erhielt die Kapelle durch eine Stiftung von Gerhard Uhlenbroch aus Köln neue Fenster. Die inzwischen erloschene Glasmalerei Botz & Miesen aus Köln hat die Fenster herge stellt.
Sie zeigen verschiedene Geheimnisse des Rosenkranzes: Jesus am Ölberg, Geißelung, Dornenkrönung, Kreuztragung, Auferstehung, Himmelfahrt, Sendung des Heiligen Geistes, Aufnahme Mariens in den Himmel und Krönung Mariens. 1984 feierte Quirrenbach das 250-jährige Jubiläum, aus diesem Anlass wurde die Kapellenfassade renoviert. Seit 1999 findet jährlich zum Fest Mariä Himmel fahrt eine Sakramentsprozession von Eudenbach nach Quirrenbach mit einem anschließenden, durch die Dorfgemeinschaft Quirrenbach ausgerichteten Kapellenfest statt. Am Patrozinium wird jedes Jahr die HI. Messe gefeiert. Im Sommerhalbjahr wird einmal im Monat eine Rosenkranzandacht gefeiert. Außerdem wird dort im Sterbefall das Totengebet abgehalten. Die Kapelle wird seit 2011 von Andrea Berger, Silke Ditscheid und Gudrun Wischerath betreut.
Josef Göbel
Oberhau: Vergangenes und Erlebtes am Rande des Siebengebirges, 1981, Karl Hermann Uhlenbroch;
Quirrenbach: Die Geschichte eines Dorfes, 2009, Wilbert Fuhr; Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e.V
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