Aufnahme: 1979 (Bericht)
Zur Geschichte der „Schreckenbergs-Kapelle“ in Uthweiler
Es scheint, daß kaum eine Kapelle im Kirchspiel Oberpleis so wenig „Archiv-Material“ hinterlassen hat wie die St. Antonius-Kapelle in „Stieldorf-Uthweiler“. Diese letzte Ortsbezeichnung zeigt bereits, daß mitten durch den Ort Uthweiler die Pfarrgrenze von Stieldorf und Oberpleis verlief, welche durch den Lauf des Blankenbachs gegeben war. Ebenso verlief bis in die Mitte unseres Jahrhunderts die Schulgrenze. Die Pfarrgrenze wurde durch das Kölner Generalvtkariat 1975 - etwa entsprechend den neuen Schulgrenzen - zugunsten der Pfarrei Oberpleis geändert. Seitdem gehören Freckwinkel und „Stieldorf-Uthweiler“ zur Pfarrei St. Pankratius von Oberpleis.
Als man in den Jahren um 1879 - es war mitten im heiß tobenden „Kulturkampf“ zwischen Staat und Kirche - vonseiten der kirchenbewußten Bevölkerung daranging, das religiöse Leben weit im Lande nach den Rationalismuswirren neu zu entfachen, merkte man auch in Uthweiler, daß das 1737 errichtete Wegekreuz, bei dem man sich bisher zur religiösen Andacht (Mai-, Rosenkranz- und Sterbeandacht) getroffen hatte, in einen stark verfallenen Zustand geraten war. Darum beschloß man in der Dorfgemeinschaft, an seiner Stelle ein „massives Heiligenhäuschen“ zu errichten.
Bei diesen Planungen bereits - so geht es aus den Befragungen und mündlichen Überlieferungen hervor - kam es um den Standort dieses Heiligenhäuschens zu Auseinandersetzungen. Um zunächst überhaupt einen gemeinsamen Andachtsraum im Gebiet Uthweiler zu erhalten, hielt man trotzdem zusammen und überdeckte so manche Schwierigkeiten und manchen Streit. So konnte es schließlich zur Kapellengründung und feierlichen Grundsteinlegung am 29.6.1879 in Oberpleis-Uthweiler kommen, an der auch mancher Stieldorf-Uthweiler Einwohner aktiven Anteil hatte. Wilhelm Schreckenberg aus „Stieldorf-Uthweiler“ hatte sogar zu diesem Neubau den Plan entworfen und die Grundsteinurkunde neben August und Heinrich Schreckenberg mit unterzeichnet.
Dieser Wilhelm Schreckenberg muß neben anderen Uthweiler Familien (viermal wird allein von einem „Pütz“ unterschrieben) zu den treibenden Kräften des Kapellenneubaus gehört haben.
Wie so oft im Leben ist diese durch Not und Kirchenkampf geschaffene Gemeinschaft aller Uthweiler Bürger in ruhigeren Zeiten wieder zerbrochen. Aus den mündlichen Überlieferungen muß man folgendes Bild entnehmen: Die zur Pfarrei Stieldorf zählenden Uthweiler wollten - geschart um die Geschwister Schreckenberg - ihren eigenen Andachtsraum schaffen. Um dies zu erlangen, haben sie von der „Dorfgemeinschaft“ Wahlfeld eine dort seit dem 18. Jahrhundert stehende Fachwerkkapelle gekauft und auf einem Grundstück der Familie Schreckenberg in „Stieldorf-Uthweiler“ in den Jahren 1885/86 errichten lassen.
„Pastor Oswald von Stieldorf segnete sie im November 1886 ein“, womit sie zum gelegentlichen Feiern der hl. Messe (nach erfolgter Erlaubnis durch den Ortspfarrer) benutzt werden konnte. Gegen Ende des Krieges und in der Zeit nach dem Krieg wurde - nachdem nun endlich alle Querelen aus der Welt geschafft waren - diese Kapelle für „Gesamt-Uthweiler-Interessen" zweckentfremdet.
Dem Hw. Herrn Pater Gabriel (Busch) gelang es, den Kölner Bildhauer Achilles zu gewinnen, um hier die herrlichen Holzschnitzereien herzustellen. Für Lebensunterhalt und Wohnung sorgten die Uthweiler Bürger gemeinsam. Werkstatt und Atelier war das „Schreckenbergs-Kapellchen“. Die Figuren St. Michael und St. Maria mit dem Kinde und der Korpus des großen Altarkreuzes auch in der neuen Filialkirche stammen von diesem Künstler. Außerdem finden wir seine künstlerische Hand im Christus-König von Ittenbachs Hochaltar.
Über Benutzung, Altarbild, Altar, Paramente, Meßgerät und Bänke - alle diese Gegenstände waren und sind zum Teil noch vorhanden - gehen die Angaben auseinander. Im Laufe eines Jahrhunderts änderten sich aber die Besitzverhältnisse von Privatgrundstücken, ohne nach den darauf befindlichen Baulichkeiten zu fragen.
Nachdem Mitte der 70er Jahre das Grundstück, auf dem das „Schreckenbergs-Kapellchen“ stand - kaum jemand nannte diese kleine aber sehr schmucke Kapelle bei ihrem Patroziniumsnamen „St. Antonius Kapelle“ - wieder veräußert worden war und jetzt der Abbruch drohte, erinnerten sich die Wahlfelder - allen voran die Familie Felix Bäßgen - an die alte Wahlfelder Tradition dieser heimischen Kapelle. Sie organisierten - nach allen notwendigen und teilweise schwierigen Verhandlungen - die fachgerechte Demontage im Herbst 1976 und lagerten das vom Landeskonservator als erhaltenswert klassifizierte Bauwerk fachgerecht auf dem Wahlfelder Hof.
Die Grundstücksverhandlungen sind inzwischen so weit gediehen, daß trotz der ständig steigenden Baukosten einer Wiedererrichtung der St. Antonius-Kapelle in Wahlfeld nur noch einige wenige Hindernisse im Wege stehen. Der geplante Ort der Wiedererrichtung dieser Kapelle wird am südwestlichen Ortsausgang von Wahlfeld sein, so daß man über die Pleistalbrücke kommend im Osten diesen schmucken Sakralbau sehen wird. Es darf gewünscht werden, daß dies nicht bis zur Säkularfeier der ersten Umsetzung dauern wird.
Quellen:
1) Mündliche Überlieferung in Gesprächen mit Uthweiler Bürgern.
2) R. Hartleib, Festschrift zur 75 Jahrfeier der Grundsteinlegung der Kapelle in Uthweiler am 27.6.1954, Oberpleis 1954.
Abbruch der Schreckenbergs-Kapelle im Herbst 1976 in Uthweiler
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