Aufnahme: 1979 (Bericht)
Die Geschichte der Dorfkapelle von Pleiserhohn
Die Vorgeschichte der Kapelle von Pleiserhohn geht zurück bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. So, wie zu dieser Zeit vielerorts üblich, versammelten sich die Bewohner zu besonderen Anlässen, wie bei Geburten, Sterbefällen, Maiandachten etc..
Aus Überlieferungen und aus Aussagen alter Dorfbewohner geht hervor, daß sich zu diesem Zweck im unteren Dorf ein hölzernes Kreuz mit eingeschnitztem Corpus Christi befand. Weiterhin diente ein Horn, das von einem Bläser gespielt wurde, dem Aufruf zum Gebet. Das Instrument gleicht einem Alphorn, ist aber mit einer Länge von 45 Zentimetern wesentlich kleiner. Eingeschnitzt und deutlich zu erkennen ist die Jahreszahl 1777, darüber hinaus weitere Zeichen, Buchstaben und Jahreszahlen aus jüngerer Zeit, über deren Aussage nichts bekannt ist.
Das Horn ist heute noch erhalten und wird in Privatbesitz aufbewahrt.
Aufgrund der großen Christgläubigkeit fanden die Volksgottesdienste bei jedem Wetter statt, so daß der Gedanke nicht ferne lag, eine durch Überdachung geschützte Gebetsstätte zu errichten.
Da sich die Dorfbewohner am Brunnen trafen, um ihren Wasserbedarf zu decken, gleichzeitig aber auch Neuigkeiten auszutauschen, war es nicht sonderlich, an dieser Stelle, dem Mittelpunkt des Ortes, die geplante Kapelle zu errichten.
Nun beginnt die eigentliche Geschichte der Dorfkapelle von Pleiserhohn.
Alle waren bereit, sich uneigennützig für das Vorhaben einzusetzen. Im Ort selbst waren größere Basaltvorkommen vulkanischen Ursprungs. So fand man in einer Wiese, in unmittelbarer Nähe der Baustelle, große Brocken, die in mühsamer Arbeit gehoben, zerkleinert und zu Fundamenten verarbeitet wurden.
Die Maurerarbeiten wurden in eigener Regie übernommen. Mit vereinten Kräften wuchs das Bauwerk Stein um Stein. Nach Vollendung im Jahre 1885 wurde die Kapelle feierlich eingeweiht. Zur Schutzpatronin wurde die „Heilige Anna" ausersehen. Auf einem Podest an der Außenwand oberhalb der Eingangstür ist sie als Mutter mit ihrem Kind figürlich dargestellt.
Die Einrichtung war schlicht und bestand zum Teil aus Stiftungen. So war der ursprüngliche Holzaltar ein Geschenk einer Bonnerin. Dieser mußte, wie auch eine Eichenkommunionbank, wegen Holzwurmbefall ausgewechselt werden.
Die noch vorhandenen Kniebänke stammen aus dem Jahre 1890. Ein Kerzenleuchter aus dem Jahre 1889 ist ebenfalls noch vorhanden und wurde schon damals bei Versehgängen benutzt. Der Boden war aus einfachem Beton und der Innenanstrich weiß auf glattem Untergrund. Heizung und Stromanschluß gab es nicht.
Im Jahre 1905 wurde eine Kapellengemeinschaft gegründet. Die zu dieser Gemeinschaft gehörenden Dorfbewohner zahlten als Unkostenbeitrag monatlich fünf Pfennig. Der zum Hauptverwalter Gewählte erhielt für diese Tätigkeit eine Vergütung von fünf Mark jährlich. Seit dieser Zeit wird ein Buch geführt, in dem alle wichtigen Ereignisse sowie die Namen der Verstorbenen eingetragen werden.
Ständig notwendige Ausbesserungsarbeiten führten dazu, eine größere Renovierung zu planen. Da kein Geld für derartige Ausgaben zur Verfügung stand, mußten Sammlungen und Spendenaufrufe vorgenommen werden. Erst nachdem die Stadt Königswinter um Zuschüsse gebeten wurde, stellte sich heraus, daß die Kapelle ihr Eigentum war. Durch ihre Beteiligung in Höhe von 16.000,— DM erhielt die Kapelle einen vollkommen neuen Dachstuhl und eine neue Innendecke aus Holz. Anstelle der bisherigen Ziegel wurde sie mit Schiefer gedeckt. Die Außenanlagen gestalteten die Ortsbewohner selbst.
Bereits anläßlich einer Teilrenovierung vor cirka einem Jahrzehnt, stiftete der inzwischen verstorbene Pfarrer Wichert der Kapelle eine wertvolle Madonna aus dem 17. Jahrhundert sowie zwei bunte bleiverglaste Fenster. Der rissige Betonboden wurde zu dieser Zeit durch einen neuen Plattenbelag ersetzt.
Wesentliche Veränderungen wurden jedoch nicht vorgenommen.
Im August 1977 war es soweit; die Kapelle feierte Namenstag und erstrahlte nach ihrer Renovierung in neuem Glanz.
Nach einem Festgottesdienst versammelten sich die Dorfbewohner zu einem gemütlichen Beisammensein vor der Kapelle. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Ehepaar Wilhelm und Anna Schneider mit einem Geschenk für die jahrzehntelange Pflege des kleinen Gotteshauses gedankt.
Bürgermeister Günter Hank meinte in seiner Ansprache, daß die Dorfkapelle in Pleiserhohn ein Unikum darstelle, sei sie doch das einzige Gotteshaus, das der Stadt gehöre. Die Stadt sei stolz darauf, Zeugen christlicher Vergangenheit zu erhalten. An der Bewahrung der Annakapelle habe die Dorfgemeinschaft von Pleitenhohn maßgeblichen Anteil.
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