Aufnahme: 1955 (Bericht)
Kapelle in Sandscheid für den Gottesdienst geschlossen
"Warum ist diese schöne Kapelle für den Gottesdienst der Schulkinder in Sandscheid geschlossen worden? Sicherlich nicht darum, weil die Kinder in Zukunft keine eigene hl. Messe mehr haben sollen; denn dafür ist die Kapelle ja gebaut worden. Wir hatten sogar von der Diözese die Mittel für den Außenputz, die Heizung und die weitere Ausgestaltung der Kapelle bekommen. Und nun ist statt all dessen die Kapelle geschlossen worden! Warum? Weil sich bauliche Schäden gezeigt haben, welche die Gefahr des Einsturzes in sich bergen. Dieser Gefahr dürfen wir unsere Kinder nicht aussetzen. Erst muß die vorhandene Dachkonstruktion erneuert bzw. geändert und verstärkt werden. Dann muß die sich ausbuchtende nördliche Außenwand gestützt werden. Das aber bedeutet, daß eine Ausgabe entsteht, die größer ist, als die seiner Zeit für den Rohbau aufgewandte Summe.
Wie ist das gekommen? Wer trägt die Schuld daran? Das ist nicht mit einem Satz zu beantworten.
Sicherlich trifft keine Schuld die Männer, die beim Aufbau der Kapelle mitgearbeitet haben, aber noch viel weniger trifft mich eine Schuld. Denn die ersten Baupläne für den Kapellenbau waren ohne meine Beteiligung im Auftrag einiger weniger durch einen Architekt entworfen worden, der nicht ein einziges Mal mit mir darüber Rücksprache gehalten hat. Ich gebe gern zu, daß es der Eifer für eine gute Sache war, der vor Jahren einige den Bau der Kapelle vorwärtstreiben ließ. Aber damals entstand zunächst ein Plan, der mehr von dem Gedanken einer eigenen Seelsorgerstation, ähnlich Uthweiler, getragen war, als von der Sorge für die Kinder.
Dieser Plan ist von der Erzbischöflichen Behörde nicht genehmigt worden, weil er das nächstliegende vergaß und in der heutigen Situation nicht durchführbar war und ist. Man kann doch nicht eine durch Jahrhunderte gewachsene Pfarrei ohne Weiteres zerschlagen und zersplittern und kann doch nicht bei dem Mangel an Priestern für jede größere Dorfgemeinschaft ein Gotteshaus bauen, nur damit die Gläubigen am Sonntag etwas bequemer zur hl. Messe kommen können. Als ob das Leben einer christlichen Gemeinde nur in der Erfüllung der Sonntagspflicht bestünde! Das ist einfach unsinnig!
Die Erzbishöfliche Behörde wollte deshalb sogar überhaupt die Genehmigung zum Bau einer Kapelle verweigern. Wenn sie trotzdem erstand, ist es auf meine persönlichen eindringlichen Bitten hin geschehen. Ich habe erklärt, daß ich lieber alle vorauszusehenden Unannehmlichkeiten, Mißverständnisse und Quertreibereien auf mich nehmen würde, als daß die Kinder keinen und damit auch für alle Zukunft keinen Gottesdienst mehr haben sollten. So entstand der neue Plan, nach dem die Kapelle gebaut wurde, wie sie heute steht.
Wie sind nun die bösen Schäden entstanden, die eine Schliessung der Kapelle veranlaßten?
Der Ursachen sind verschiedene. Zunächst ist die Dachkonstruktion falsch. Der Zimmermann, der an sich sehr sauber gearbeitet hat, hat nach seinen schriftlichen Angaben den Architekt auf die Fehlkonstruktion aufmerksam gemacht. Dieser aber habe das abgetan. Tatsache ist, daß eine ganze Anzahl notwendiger Hölzer, die nach dem Plan bzw. der Holzliste mit vorgesehen waren, nicht eingebaut worden sind, Tatsache ist auch, daß die unmittelbar auf dem Mauerwerk aufliegenden durchgehenden Balken gestückelt worden sind. Und dabei ruht das ganze Dach auf einem Mauerwerk, das nur einen Stein dick ist.
Sparen ist gut, aber sparen am falschen Ende hat sich immer noch als zu teuer bezahlt erwiesen. So auch an der Kapelle Sandscheid.
Architekt und Zimmermann, beide nicht von mir beauftragt, mußten das wissen und mußten die Fehler bzw. die Gefahr sehen und kennen. Sie trifft die eigentliche Schuld. Daß die Männer des Kapellenbauvereins sparen wollten, ist gut zu verstehen. Falsch war nur, daß sie sich selbst einen Architekten heranholten, dessen Fähigkeiten sie nicht kannten. Ich persönlich habe überhaupt keine Schuld. Ich war nicht einmal bei dem ersten Spatenstich anwesend, weil ich mit einer Grippe zu Bett lag, und meine Bitte, ein paar Tage zu warten, nicht respektiert wurde. Ich habe den Fortgang der Arbeit nicht hindern wollen, weil mir trotz dieses merkwürdigen Verhaltens zu viel an der Fertigstellung der Kapelle lag. Aber mit dem Architekten, dessen Auftraggeber ich nicht war, wollte ich nichts zu tun haben.
'Aber da mußte doch Köln aufpassen', sagen einige. Nein! Köln, d. h. die Behörde, hatte einen Plan genehmigt, der richtig war, aber nachweislich nicht durchgeführt worden ist. Festgestellt werden konnte das erst, als sich die Schäden zeigten, und man einen Statiker beauftragte, der die Fehlerquellen aufdeckte. Nun geht leider das schöne Geld, das der Vollendung der Kapelle dienen sollte, bei der Behebung der Schäden drauf. Die Ziegel müssen abgedeckt, die schöne Innendecke abgerissen und die Dachkonstruktion verstärkt werden. Es muß eine Verankerung gemacht und ein Stützpfeiler von außen gebaut werden. Das ist eine mühselige Arbeit, die leider mehr als 5000 DM kostet.
Es soll keiner sagen: 'Die Kapelle stand uns noch lange gut.' Das könnte nur der sagen, der bereit ist, die volle Verantwortung für Leib und Leben der Kinder zu übernehmen und für alle Kosten aufzukommen. Wir haben uns mit der Tatsache abzufinden, daß erst die Schäden zu beheben sind und dann in weiterer Zukunft vielleicht die geplante Vollendung kommt. Wenn wir durch Schaden klug werden und einige lernen, daß blinder Eifer nur schadet, dann hat die böse Sache wenigstens eine gute Seite. Ich selbst werde alles daransetzen, daß die Kapelle doch noch einmal ganz schön wird. Ich mußte das alles aber einmal niederschreiben, damit keine Geschichtsfälschungen entstehen, die nachher alle Schuld abwälzen auf den, der trotz aller Mißhelligkeiten den Bau der Kapelle für die Kinder gewollt, gefördert und auch erreicht hat, nämlich: Euren Pastor"
Kapelle Maria Frieden Sandscheid
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.