Aufnahme: 1995
Gottesdienst, Standartenweihe und Festakt zum Jubiläum
st. "Freut Euch mit uns, wir freuen uns mit Euch!" Diese Aufforderung, die sich die Gründungsväter der Oberpleiser Narrenzunft auf ihre Fahne geschrieben hatten, wurde jetzt wieder lebendig: zur 50-Jahresfeier der Narrenzunft der Kolpingsfamilie. Das Goldene Jubiläum wurde mit einem Gottesdienst, den Pfarrer Willi Müller zelebrierte, begonnen und danach in der Aula des Schulzentrums mit einem Festakt fortgesetzt.
Der Spruch des gegenseitigen Freuens ziert auch den Jubiläumsorden. Wie Heinz Vogt, seines Zeichens Präsident der Narren, in seiner humorvollen Willkommensrede betonte, habe manches Leid in den ersten Nachkriegsjahren - 1945 wurde die Zunft gegründet - sicherlich durch das gemeinsame Feiern, durch die gemeinsame Freude im Pleeser Fastelovend zumindest zeitweise gemildert werden können. In den 50 Jahren ihres Bestehens ist die Narrenzunft ihrem Postulat des Frohsinns und der Freude immer gerecht geworden. Bürgermeister Herbert Krämer, der eigens einen Tag früher von seiner Cognac-Reise zurückgekehrt war, hatte die Schirmherrschaft über dieses Jubiläum übernommen. In seiner Festansprache blickte er zunächst auf die 50 Jahre Narrenzunft zurück. Er betonte, dass in Oberpleis noch immer mit viel Eigengewächs urwüchsiger Karneval gefeiert wird. Die Veranstaltungen der Narrenzunft, die einst aus der Kolpingsfamilie hervorgegangen ist, gehören sicherlich zu den herausragenden Ereignissen im Jahreskreis der Veranstaltungen in Oberpleis.
Thomas Lissek, Vorsitzender der Kolpingsfamilie, richtete Glückwunschworte an die "Tochter der Kolpingsfamilie", und überreichte als Geschenk für die 50 Jahre pro Jahr zehn Mark. Lissek: "Als vor 50 Jahren ein grausamer Krieg und eine noch gemeinere menschenverachtende Diktatur ihr Ende fanden, sammelten sich in Oberpleis die Söhne des Gesellenvaters Adolf Kolping wieder zu gemeinsamer Arbeit und Fortbildung. Dass es dabei trotz aller widrigen Umstände nicht immer traurig zugegangen sein muss, zeigt, dass man schon Ende des Jahres 1945 den Plan fasste, in der kommenden Karnevalszeit eine Sitzung zu veranstalten und dafür Kräfte sammelte. Daraus wurden die "Närrischen Gesellen", die 1946 ihre erste Sitzung im Saale vom Post-Mattes-Hein abhielten.
Neben vielen Ehrengästen, die Heinz Vogt an diesem Abend begrüßen konnte, waren auch zwei, die vor 50 Jahren zu den Mitgründern gehörten: die Gebrüder Fritz und Josef Neuhöfer. Zum Finale des Abends erinnerte der 90jährige Josef Neuhöfer an die Zeit der Gründung der Karnevalsgesellschaft. Heinz Vogt stellte die von Uschi Losem entworfene Standarte vor. Sie zeigt u. a. den Ortsmittelpunkt mit der Propsteikirche, dem Hotel Bramkamp und dem ehemaligen Saal vom Post-Mattes-Hein. Den Jubiläumsorden hat Willi Hambitzer gestaltet. Karl-Heinz Tippel überbrachte mit einer Urkunde und einem Erinnerungsteller die Glückwünsche des Regionalverbandes karnevalistischer Korporationen Rhein-Mosel-Lahn. Wolfgang Heisterbach von den "Öttemicher Jecke" schenkte 50000 Gramm Gummibärchen für den Karnevalssonntagszug.
Die kürzeste Glückwunschansprache hielt Franz Riscop: "Sie haben vielen Menschen Freude bereitet. Macht weiter so." Franz Unterstell von der Strücher Nachbargesellschaft brachte eine Plakette als Erinnerung an diesen schönen Tag mit. Einen Ballon voller Geld schenkte Angelika Lichtenberg von den Zunftfrauen. Aber auch die ehemalige Zunftmutter Anneliese Bellinghausen ließ es sich nicht nehmen, ihre Glückwünsche auszusprechen. Volker Herrmann von der FDP überreichte seine Ansprache in Form einer Büttenrede schriftlich dem Elferrat. Resi Jonas von den Bockrother Sternschnuppen gratulierte den Freunden der Narrenzunft mit einem Trink-Stiefel. Aus dem Tal waren die Altstadtkarnevalisten mit dem Festausschuss zur Gratulation erschienen. Bernd Hardenberg von den "Fidelen Freunden Postalia" versprach einen kostenlosen Auftritt des Kindertanzcorps auf der Jubiläumssitzung.
Und dann war da noch Walter Jonen vom TuS Oberpleis. Er will zum Biwak am Rosenmontag 111 Kilo Erbsen und die gleiche Menge Kartoffeln beisteuern. Die vielen weiteren Gratulanten erfreuten die Jubiläumskarnevalisten mit finanziellen Spritzen. Umrahmt wurde der Festakt mit Tänzen der "Blau- Wieße Ströpp" , der "Zunftsterne" und der Blau-Weißen Funken. Köstlich der Büttvortrag des Dürener Diakons Willibert Pauls. Rheinische Lieder erklangen aus den Kehlen der "Möchtijalle" unter Edgar Zens am Flügel und kölsche Songs von 12 Kölner Komponisten mit dem 70jährigen Krätzchessänger Ludwig Sebus und den Darstellern der kölschen Typen: Hännesche, Bärbelche, dem Polizisten, dem Speimanes und dem Kapitän des Müllemer Bötchens und vielen anderen. Nach den Schlussworten des Präsidenten Heinz Vogt und des Ehrenvorsitzenden Hans Robert Mies wehte durch den Saal zum Finale der "Pleese Wind".
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