Herbert Krämer gratulierte dem Pleeser Prinzenpaar.

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1992

Herbert Krämer gratulierte dem Pleeser Prinzenpaar.

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:

Jopa und Renate regieren das närrische Plees

st. Über ein Jahr wurde das Geheimnis streng gehütet. Jetzt ist es gelüftet. Das Pleeser Prinzenpaar heißt Jopa I. und Renate I. (Vedders). Es wurde in der Aula des Schulzentrums durch Bürgermeister Herbert Krämer in Form einer Büttrede proklamiert. Besonders der Rat der Stadt zolle dem neuen Prinzenpaar eine treue Gefolgschaft, denn der Prinz ist Mitglied des Stadtrates und vieler seiner Ausschüsse. Bereitwillig übergab der Bürgermeister den Rest aus der Stadtkasse, „denn do es net vell drin". In der Urkunde, die der Stadtdirektor verlas und der Bürgermeister überreichte, erklärten sich beide bis Aschermittwoch für abgesetzt. Der Prinz wurde 1954 geboren, in dem Jahr als Deutschland Fußballweltmeister wurde, als die Oberpleiser Narrenzunft gegründet wurde und der Eintritt zur Sitzung nur 1,50 DM betrug. Beruflich ist der Prinz Planungschef in Leverkusen. Das Prinzenpaar ist sportlich aktiv. Er spielt Fußball und sie Handball (beide seit 18 Jahren), zudem betreibt der Prinz den Triathlon-Sport. Die Prinzessin verbrachte ihre Jugend in Thomasberg, wurde aber im Oberpleiser Konstantiahaus geboren und ist bei einem Zahnarzt beschäftigt. Kennengelernt haben sich beide im Oberpleiser Kino beim Post-Matthes-Hein. Der Bürgermeister überreichte Blumen, einen größeren Strauß hatte die Narrenzunft parat, mit einem Bützchen übergeben vom Präsidenten Franz Müllenholz.

Feierlich verabschiedet wurde das Prinzenpaar, das erstmalig in der Geschichte der Narrenzunft zwei Jahre regierte: Hans-Gerd I. und Tine I. (Vogt). Die Prinzenpaare überreichten sich gegenseitig ihre Orden und Hans-Gerd übergab das Zepter an seinen Nachfolger Jopa. Das Motto des neuen Prinzenpaares: „Für Sport und Kirchturmspolitik fählt us zur Zick der rechte Blick, mir fiere Karneval janz groß, met us do hätt dat Hand un Foß." Zum ersten Mal in der Geschichte der Narrenzunft wurde mit einer alten Tradition gebrochen: Zwei Darbietungen wurden „eingekauft", alle anderen Auftritte wurden weiterhin von einheimischen Kräften bestritten. Ein weiterer Höhepunkt war die Ehrung von Exbürgermeister Günter Hank. 20 Jahre proklamierte er die Pleeser Prinzenpaare. Dafür wurde ihm jetzt der von Kurt B. Wirtz von den Blau-Weißen Funken gestiftete Ehrenorden verliehen. Dann vergaßen die Besucher in der festlich geschmückten Aula für fünf Stunden den Alltag. Nach Begrüßungsworten durch den Vorsitzenden der Kolpingsfamilie, Thomas Lissek, tanzten die „Dille-Döppchen", sowie die größer gewordenen „Blau-wieße Ströpp" unter Heike Klein. Hans Werner Selzer verlas das närrische Protokoll. Manfred Lohmar und Helmut Eschweiler erfreuten als „Vorgebirgsduo". Zu Ehren der beiden Prinzenpaare tanzten die Oberpleiser Funken. Dann wurde ein Feuerwerk der guten Laune abgebrannt.

Den Reigen der Büttreden eröffnete Hermann-Josef Hermes als „Et Hermännche". Ihm folgte nach einer Einlage des Karnevalsclubs aus Buchholz Peter Krey als „Ne Vereinsmeier". Beifall für beide Narren und dann für den Tanz der „Pleeser Zunftsterne" unter Iris Grüneberg. Köstlich aus der Bütt anzuhören Rainer Lichtenberg als „Ne gestresste Ehemann". Kein Auge blieb trocken bei den „Zwei Plääteköpp" Hans-Gerd Vogt und Werner Klein. In der Bütt erzählte Ralf Kuhn seine Erlebnisse als „Usjeflippter". Aus dem Nachbarort Eudenbach kam die Tanzgarde des TuS. Nach Walter Jonas als „Et Schmitze Antönche" hatten „Die Dorfspatzen" Ortsereignisse in musikalische Form gekleidet. Heinz Vogt, Werner Dohle, Edgar Zens, Peter Tamme und Peter Neußer galt der letzte Beifall des Abends, denn mit dem Lied vom „Pleeser Wind" und „So ein Tag, so wunderschön wie heute" endete die Narrensitzung.

Hans-Werner Selzer, Protokollarius, streifte in seinem längeren Vortrag vor allem die örtlichen Vorkommnisse. Dabei erwähnte er, dass die Republikaner von sich reden machen. Königswinter habe sogar einen Republikaner als Bürgermeister, einen Mann aus der „Republik Berghausen". Pater Alvin sei ein guter Seelsorger, aber er müsse noch Pleeser Mundart lernen. Früher wurden Streitigkeiten in der Nachbarschaft wieder durch eine Versöhnung aus der Welt geschafft. Heute komme alles vor den Kadi, deshalb habe Oberpleis so viele Anwälte. Die Post sei böse auf die Oberpleiser. Sie wollen kein Kabelfernsehen, kein Männermagazin, keine Bildung in Sex und Kultur. Der Busbahnhof sei ein Schülertreff, bei dem die Dächer zerstört worden seien. Und dann wünschte Selzer: „Fiert Fastelovend op Deuwel komm erus, dat wünsch Üch de Protokollarius."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 7 vom 13.02.1992
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
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Karneval Presseberichte Presseberichte 2 (ab 1990 bis 2000)
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