Aufnahme: 1988
Neues Rathaus fest in der Narren Hand
gst. Das neue Rathaus, mit der wunderhübschen Balustrade eigens für den Rathaussturm errichtet, wie Clown Bürgermeister Günter Hank in seiner Verteidigungsrede erklärte, hielt dem Ansturm der vereinigten Jecken aus Königswinter nicht stand. Gegen die Übermacht der Karnevalisten waren die Rathausverteidiger machtlos. Da nutzte auch das Räppelchenrasseln von Ilse Kehren nichts, die damit die Pleeser Stadtsoldaten mit Prinz Sebastian erschrekken wollte. So war der modern erweiterte Schloofbunker von Plees seit Rosenmontag elf vür elf fest in der Narren Hand. Obwohl Ilse Kehren mit Aufforderung des Kommandanten Günter Hank mit dem Gummihammer dem ersten Stadtsoldaten auf den Kopf schlug, kletterte dieser mühelos über die mitgebrachte Leiter zur Balustrade hoch und stieg über das Geländer.
Vergebens war daher die Aufforderung Hanks an den Angriffsleiter, Prinz Sebastian I. (Schuster): "Schuster bleib bei Deinen Leisten. Wir werden das Rathaus verteidigen, bis das der Tod uns scheidet." Gelächter bei den Stadtsoldaten, den Blau-Weißen Funken, die mit ihrer Kanone ganze Salven in den Narrenhimmel schossen. Und während die inzwischen ermüdete Rathausverteidigung die hübsche Pleeser Prinzessin über die Leiter hochsteigen ließ, ihr sogar noch half, das Geländer der Balustrade zu übersteigen, hatte der Fähnrich der Blau-Weißen Funken heimlich über eine zweite Leiter das Dach des Rathauses erstiegen und schwenkte von dort oben die Siegesfahne.
Da blieb natürlich auch den beiden Kommandanten Hank und Schmitz nichts anderes übrig als zu kapitulieren und gleich zwei weiße Fahnen zu hissen. Und auch Mutter Courage (so Hank zu Ilse Kehren) gab auf und fing an zu bütze. Franz Riscop rief auf die Aufforderung des Prinzen Sebastian I., der inzwischen auch über die Leiter das Rathaus in Besitz nahm: "Mer han keene Schlüssel!" Doch Hank überreichte den Schlüssel der lieblichen Prinzessin, bat aber den Prinzen, die Stadtkasse in Ruhe zu lassen: "Da ist sowieso nichts mehr drin." "Ich will auch nicht die Schulden der Stadt übernehmen", entgegnete der stattliche Pleeser Prinz als neuer Hausherr, allerdings nur für drei Tage bis zum Aschermittwoch. Da die Eroberung des modernen Beamtenbunkers ziemlich kampflos vor sich ging, brauchte auch Edi Schute als "Arzt" nicht in Tätigkeit zu treten.
Im Saal des Neubaues wurde dann gefeiert. Die Narren drängten sich förmlich, um etwas von der Fröhlichkeit mitzubekommen. Denn der entmachtete Bürgermeister hatte die ehrenvolle Aufgabe, alle Tollitätenpaare willkommen zu heißen. Er überreichte den charmanten Prinzessinnen "teure" Blumensträuße. Die Minitollitäten gingen ebenfalls nicht leer aus. Auch sie bekamen kleinere Geschenke. Bei dieser Gelegenheit dankte er der Jugend, die am heimatlichen Brauchtum festhält. Sein Dank galt aber auch allen aktiven Karnevalisten, sei doch der Fastelovend die demokratischste Sache der Welt. Und dann wurde im Rothuus geschwooft.
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