Die Blau-Weißen Funken beim Angriff auf das Rathaus - Rathaussturm litt unter Regen

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1987

Die Blau-Weißen Funken beim Angriff auf das Rathaus - Rathaussturm litt unter Regen

gst. Das war kein Sturm auf das Rathaus in Oberpleis in diesem Jahre. Schuld war wohl das regnerische Wetter am Rosenmontagmorgen. Selbst die Schlüsselübergabe an das Oberpleiser Prinzenpaar konnte des strömenden Regens wegen nicht draußen vor dem Hintereingang des Rathauses erfolgen. Bürgermeister Günter Hank im Clownskostüm wollte wohl nicht naß werden und überreichte das Zeichen der Niederlage im Sitzungssaal des Rathauses. Die weiße Fahne hißte Ratsherrin Ilse Kehren. Der abgesetzte Bürgermeister und Stadtdirektor Schmitz hatten die Rathausverteidigung dem weiblichen Charme überlassen. Stadtdirektor Schmitz, mit einem Cowboyhut verkleidet, sollte wenigstens aus dem Rathausfenster den „Pleeser Schloofbunker" verteidigen. Doch er bekam das Fenster nicht auf, oder wollte er die hereinkommenden Regentropfen vermeiden? Das verleitete den Bürgermeister zu dem Ausruf: „Dat sen Beamte." Aber auch die närrische Streitmacht ließ sich vom Regen beeinflussen. Statt elf vor elf zum Angriff anzurücken, kamen die Narren und die jecken Herrscher fast 1/2 Stunde später am hinteren Eingang des Rathauses an, voran die Kanone der Blau-Weißen Funken. Die laute Knallerei machte sogar den schon lärmgewohnten Bürgermeister nervös. Aber die Funken hatten sich - wohl auch des Regens wegen in der Richtung vertan. Die Kanone wurde in Richtung Konstantia-Haus gerichtet. Das verleitete Günter Hank zu der Bemerkung: „Ihr Rohr steht falsch."

General Hans-Robert Mies von der Narrenzunft hatte dies inzwischen auch bemerkt. Inzwischen waren die Blau-Weißen Funken und auch die Tanzcorps durch Fenster und den Hintereingang ins Rathaus eingedrungen, ohne großen Widerstand der Verwaltung. Landrat Dr. Franz Möller hatte die bedingungslose Kapitulation angekündigt. Auf dem regennassen Podium hatten schirmbewaffnet die närrischen Regenten Aufstellung genommen. Aber auch die Mädchen der einzelnen Tanzcorps mußten ihre reizenden Kostüme unter Mänteln und Regenschimen verbergen. Natürlich fielen die Tanzdarbietungen infolge des Wetters aus. In der guten Stube des Rathauses konnte dann Bürgermeister Hank die einzelnen Tollitätenpaare, groß und klein, willkommen heißen. Hank überreichte jeder Lieblichkeit einen Blumenstrauß und „quittierte" dafür ein Bützchen. Für die kleinen Tollitätenpaare hatte der erste Bürger der Stadt „Nikolaustüten" mitgebracht. In diesem Zusammenhang gab er seiner Freude darüber Ausdruck, daß gerade in diesem Jahr die Veranstaltungen zu Fastnacht von vielen Jugendlichen besucht worden seien. Es gäbe also wieder Jugendliche, die sich kostümieren und platt sprechen. Last not least freute sich Hank darüber, daß aus der Altstadt der älteste Prinz des Rheinlandes kommt. Für Alfred 1. gab es eine Flasche „Stärkung". Und dann wurde geschwooft. Bürgermeister Hank erhielt auch ein Geschenk von Hans-Robert Mies: Ein Astloch vom Petersberg.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 10 vom 05.03.1987; Foto und Text: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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Karneval Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
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