Aufnahme: 1986
Kälte und Schnee ließen keinen Rathaus-„Sturm" aufkommen
Bürgermeister Hank, Stadtdirektor Schmitz und Hans Remig bei der Rathausverteidigung in Oberpleis.
gst. Ein Sturm auf das Oberpleiser Rathaus war das am Montagmorgen nicht. Schuld daran war das kalte und schneereiche Wetter am Morgen des Rosenmontags. Und so blieben denn auch die Zuschauer weitgehendst aus. Neben den Vereinen und Karnevalsgesellschaften, die auch nur mit mäßigen Abordnungen gekommen waren, fanden sich nur gut 100 Karnevalsfreunde ein. „Mir hann gewonne", rief Stadtdirektor Schmitz, der zusammen mit Bürgermeister Hank den „Schloofbunker " bedingungslos den närrischen Streitkräften überlassen wollte. Keiner der organisierten Jecken wollte die weiße Fahne und den riesigen Goldenen Rathausschlüssel. Schmitz und Hank waren vor das Portal getreten, um die Zeichen der Kapitulation zu übergeben. Doch die Blau-Weißen Funken und die Tanzcorps mit den übrigen Gesellschaften im Gefolge strömten am Bürgermeister und am Stadtdirektor vorbei und ließen diese im Schnee stehen. Man wollte möglichst schnell ins warme Rathaus.
Die vereinigten Streitmächte aus dem gesamten Königswinterer Stadtgebiet versammelten sich am Busparkplatz und zogen dann gemeinsam mit den Blau-Weißen Funken und der Kanone an der Spitze zum Rathaus. Dort hielt Hans-Robert Mies, Vorsitzender der Narrenzunft, die Kampfesrede. Hoch oben aus dem Fenster des ersten Stockwerkes des Rathauses über dem Eingang ging Bürgermeister Günter Hank auf fast alle Forderungen der närrischen gegnerischen Streitmacht ein. Hank hatte wohl Mitleid mit den bibbernden Karnevalisten und wollte ihnen möglichst schnell eine wärmende Unterkunft gewähren. Zehn der elf Forderungen sollen „erfüllt" werden. Nur mit der Forderung, der Beamtenschweiß solle als Rarität im Heimatmuseum aufbewahrt werden, war Hank nicht einverstanden.
Meinte der abgesetzte Bürgermeister: „Dafür muß erst eine Kommission gebildet werden, die darüber entscheidet." Der schlechten Witterung fielen auch die Tanzdarbietungen auf dem vor dem Rathaus aufgebauten Podium zum Opfer. Dafür erwärmten sich die Karnevalisten drinnen mit Hochprozentigem auf. Im Sitzungssaal versammelten sich dann die Tollitätenpaare, die Kinderprinzenpaare und das Bockerother Dreigestirn zu einem fröhlichen Beisammensein. Dabei schwenkte Stadtdirektor Franz-Josef Schmitz, ebenfalls bis Aschermittwoch abgesetzt, die weiße Fahne. Bürgermeister Hank hieß die närrische Prominenz willkommen und überreichte ihnen nette Präsente. Dazwischen wurde geschwooft. Eine eigens engagierte Kapelle spielte zum Tanz auf. Einige Stunden wurde gemütlich gefeiert. Übrigens: Die angebrachte Zaunverstärkung war umsonst und die von der Rathausverteidigung geworfenen Kamelle blieben meistens im Schnee stecken und liegen.
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