Abgebildete Personen
Aufnahme: 1984
Beim Oberpleiser Karnevalszug waren wieder die "Dollen vom Fringsveedel" dabei
"Ob die Rathausverteidiger noch müde vom Vortag waren oder ob die kühle Witterung schuld war, jedenfalls der Rathaussturm war in diesem Jahre kein Sturm. Und auch die in den Vorkarnevalstagen verschickten Stellungsbefehle, von Stadtdirektor Schmitz und Bürgermeister Hank unterschrieben, verfehlten die Wirkung. Bürgermeister Hank, als Zeitungsreporter kostümiert, kündigte zwar pünktlich um 11.11 Uhr vom Fenster des ersten Stockwerks des Oberpleiser Rathauses den Kampf an. Man habe sich auf eine längere Belagerung vorbereitet, erklärte er, Bier und Frauen habe man genug da. Angreiferkommandant Rüdiger Dahs meinte: ‚Die Frauen könnt ihr behalten‘.
Hank richtete seine Grüße an die vielen Narren und Närrinnen, an die Gesellschaften und an die vielen schmucken Tanzcorps. Sein weiterer Willkommensgruß galt den Prinzenpaaren und den Kindertollitäten-paaren. Zur Rathausverteidigung waren auch Oberkreisdirektor Dr. Walter Kiwitt und Landrat Dr. Franz Möller, ganz in Zivil, gekommen. Hanks Gruß galt aber auch seiner Ratskollegin Ilse Kehren, die er dann als ‚Jungfrau von Orleans‘ in den närrischen Kampf schickte. Und mit ihr die übrigen Rathausverteidiger, bewaffnet mit Gummihammer. Die Stadtsoldaten von Oberpleis, die Blau-Weißen Funken, setzten zum Kampf an. Nur ein paar Hammerschläge wurden verteilt und dann ließen die Verteidiger die närrischen Heerscharen einfach passieren.
Vergebens war dann auch die Einteilung der Rathausverteidigung durch Bürgermeister Hank. Er schickte nämlich Hans-Georg Gilka in die Verteidigung des linken Flügels und Dr. Möller des rechten Flügels. Jetzt war es nicht mehr weit, dass sich Hank und Schmitz ergeben und kapitulieren mussten. Ohne Kampf ließen sie sich von den Blau-Weißen Funken entführen, vom Rathaus auf das Podium auf dem Rathausvorplatz. Auf dem Weg dorthin ‚schimpften‘ Hank und Schmitz mit ihrer schwachen Verteidigungsmannschaft. Auf dem Podium angekommen, übergab Hank die weiße Fahne dem Oberfunken Rüdiger Dahs und den Riesenschlüssel erhielt der Pleeser Prinz Franz-Richard I. Hank dankte den Tollitäten in der Siebengebirgsstadt für ihren Frohsinn, den sie einige Wochen zuvor überall verbreitet haben. Nochmals Dank sprach er dann bei einer Feier im Sitzungssaal des Rathauses aus. Dabei gab es kleine Geschenke für die Tollitätenpaare.
Währenddessen erfreuten die einzelnen Corps aus der Stadt draußen auf dem Vorplatz mit ihren brillanten Tänzen. Sie boten in ihren schmucken Kostümen auch ein buntes Bild. Die Zuschauer spendeten reichlich Applaus. Begonnen hatte der Rathaussturm mit einem Zug der vereinigten Narren- und Tanzcorps aus der gesamten Stadt Königswinter, von der Tiefgarage aus zum Rathaus. Voran die Kanone der Blau-Weißen, die auf dem Rathausvorplatz mächtig gezündet wurde.
Narrenzug - Eine Triumphfahrt des Prinzenpaares
Die Pleeser freuten sich: Es war wieder mal ein Zug mit viel Pfiff. Und viele aktuelle Themen wurden von den Pleeser Jecken närrisch beleuchtet. Da wurde das Kanalproblem om Berg von Königswinter genau so glossiert wie der Skandal um den Fall Kießling, als auch die jüngste Geschichte um die Schülerzeitung ‚Graue Zelle‘. Über 800 aktive Karnevalisten gestalteten diesen Zug mit vielen Gruppen und Festwagen zu einer Symphonie der Farben und der Freude. Der Zug hatte eine Länge von über einem Kilometer und zog knapp zwei Stunden durch die Pleismetropole. Es war ein gelungener Zug, obwohl es der 13. war, den der TuS mit seinem unermüdlichen Vorsitzenden Johannes Weiler organisierte. Tausende von Narren wurden von den Klängen der Musik angelockt.
Aus vielen Häusern erklang flotte Musik und auf den Bürgersteigen schunkelte sich das närrische Volk warm. Die Festwagen und Gruppen verulkten das Ortsgeschehen sowie das Geschehen in der weiten Welt. Die Jungkolpinggruppe imitierte das Traumschiff aus dem Fernsehen. Herresbacher Jecke hatten sich als Enten vom Gymnasiumsteich verkleidet. Füttern ließen sie sich jedoch nicht. Dass auch von Straßengemeinschaften Karneval in Plees gefeiert wird, bewiesen Heinz Mohr und seine wild gewordenen Affen. Eine weitere Straßengruppe wurde als tanzende Schweine umjubelt. Die Uthweiler Junggesellen bereicherten den närrischen Lindwurm als Vagabunden. Selbst als Babys, als Blumenkinder und als Landstreicher hatten sich Pleeser Karnevalsfans kostümiert.
Helmut Richter und seine Freunde wussten als Holzhackerbuben von Plees zu begeistern. Herrlich anzuschauen auch die Verulkung der Ärzteschwemme in Oberpleis. Hartenberger Bürger nahmen das Kabelfernsehen auf die närrische Schippe. Die Junggesellen aus Berghausen suchten den superfreundlichen Supermarkt in ihrem Ortsteil. Die närrischen Zuschauer jubelten auch den ‚Chinesen vom Auelgau‘ zu. Die Wiesengrundkarnevalisten nahmen sich die Tiefgarage vor. 'Kießlings Weinstube' hatten die ‚Berser Buben‘ auf ihrem Wagen eingerichtet. In dieser fröhlichen Weinstube wurde Glühwein kredenzt ‚Willst Du etwas Warmes haben, komm an diesen Wagen‘.
Eine Abwasserbeseitigungsanlage hatte Erwin Zens aus der Republik Berghausen auf seinem Wagen installiert. ‚Pleeser Wönd es Berser Duft‘ stand auf diesem Wagen zu lesen. Das Radrennen ‚Rund um Plees‘ 1984 muss von den Frauen gewonnen werden. Das jedenfalls hoffen die Funkenfrauen und Funkenbräute, die mit ihren Fahrrädern dem Zug ein buntes Bild verliehen. Die närrische Heerschau beschloss der Prinzenwagen aus dem Franz-Richard und Ulrike ihren närrischen Untertanen zujubelten und massenweise Kamelle warfen. Vor dem Prinzenwagen die Hännesje un Bärbelche, die Zigeuner von der Herresstriet, der Wagen des EIferrates, die Nachbarn des Prinzen und die ‚Spanier us Plees‘"
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