Jecken eroberten das Rathaus

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1981

Jecken eroberten das Rathaus

„Alles hürt op uus on uus Kommando". So Bürgermeister Günter Hank und auch Erich Westhofen von der Streitmacht der Blau-Weißen Funken aus Oberpleis am Rosenmontag beim schon zur Tradition gewordenen Rathaussturm in Oberpleis. Es entspann sich ein recht humorvolles Streitgespräch zwischen den Beiden. Hank hatte zunächst alle Jecken aus der größten Stadt am Siebengebirge begrüßt und damit das Spektakel am Rathaus eröffnet. Besonders närrische Grußworte richtete er an die Jecken vom Düfelsarsch und die aus den Randgebieten der Stadt. Weit mehr als 2500 Närrinnen und Narren waren nach Plees gekommen, um in der Pleeser Metropole den Karneval zu erleben, Hank hatte zu seiner Verteidigung einen Drachenfelsesel mitgebracht.

Aber auch Ilse Kehren als Walküre konnte den ersten Bürger und auch den Chef der Verwaltung nicht davor retten, das Rathaus an die Karnewallisten  übergeben zu müssen, wenn auch die närrische Streitmacht die Siebengebirgsprinzessin Gabi I. als  „Geisel" genommen hatten. Erich Westhofen als „Geiselnehmer" wollte die hübsche Lieblichkeit erst dann wieder freigeben, wenn sich Rat und Verwaltung, mit Vizelandrat Fritz Becker, dem Herrn der 50 Kühe, wie Hank ihn scherzhaft titulierte, die weiße Fahne hissen würde. Die mit Hämmerrn bewaffneten Rathausinsassen konnten da auch nichts mehr ausrichten, Sie wollten es vielleicht auch gar nicht, denn sie ließen die leckere Mädchen der einzelnen Tanzkorps, angeführt von den „Siebengebirgsperlen" aus Heisterbacherrott und den Blauen Funken aus Oberpleis, einfach durch, jedoch wurden sie vorher von den männlichen Rathausverteidigern gebützt, wobei besonders eifrig der Kreistagsabgeordnete Gerd Kehren war.

Dann stürmten die Blau-Weißen Funken, nachdem sie vorher das Rathaus vernebelt hatten, ins Rathaus, nahmen Hank und Schmitz fest, nachdem Hank vorher eine gelbe Fahne gehißt hatte, Meinte Streitführer Erich Westhofen: „Die hätste vröher es wäsche solle oder es dat at en Sparmaßnahme?" Hank daraufhin humorvoll: „Ich entziehe Ihnen das Wort". Westhafen schlagfertig:  „Me senn he net im Rat." Hank, der sich dann freiwillig ergab und abführen ließ, war in die Uniform eines Feuerwehrmannes geschlüpft. Er gab freiwillig den Riesenschlüssel ab, schunkelte mit den Prinzen und Prinzessinnen und war trotz allem guter Dinge.

Da nützte auch vorher der Ausspruch des Vizelandrates nichts: „Wir kämpfen bis zum letzten Atemzuge." Während dann auf dem Podium, das auf dem Rathausvorplatz aufgebaut worden war, die Musik- und Tanzkorps aus der Stadt karnevalistische Weisen spielten und herrliche Tänze aufführten, wurden im „Gobelinsaal" die Tollitäten mit Gefolge empfangen. Hier begrüßte der abgesetzte Bürgermeister die großen  und kleinen Prinzen, Prinzessinnen und auch den Bockerother Buur. Bei Musik und Tanz wurde der Sieg der Jecken scharen noch einige Stunden zünftigen gefeiert. gst.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 10 vom 06.03.1981; Foto und Bericht: Günther Steeg
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Rudolf Pieper
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