Schlüsselübergabe

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1977

Schlüsselübergabe

Die Verteidiger waren entschlossen: „Mir mösse jewinne, ejal wat es koste soll, et könne ruhig e paar op de Streck blieve."

Die Verteidigung war angeblich gut gerüstet, mit Hammer bewaffnet sollten sie gegen die karnevalistische Verteidigung ankämpfen. Doch alle ihre Mühe war umsonst. Angepriesene volle Bierstiefel verfehlten bei den zahlreichen Karnevalisten aus dem gesamten Siebengebirge ihre Wirkung. Sie ließen sich nicht bestechen. Doch einen Trick wandten die Karnevalisten an: Sie schickten Tanzkorps vor, und da erlagen die Verteidiger dem Charme der jungen Damen. Sie ließen die Verteidigung sein, und die Damen stürmten vor. Im Nu war das Rathaus erobert, fast kampflos. Bürgermeister Hank blieb nur noch übrig, die weiße Fahne zur Aufgabe zu hissen und dem Pleeser Prinz Bernd die Riesenschlüssel des Rathauses zu überreichen. Hank hatte auf der ganzen Linie verloren, denn er hoffe durch Verstärkung, die er herbeizitierte, das Rathaus zu verteidigen, wenigstens länger zu halten.

Dazu rief er Landrat Dr. Möller, seinen Vize Fritz Becker und Oberkreisdirektor Kieras. Doch erwiesen sich die Spitzen des Kreises als müde Krieger. Doch Hank gewann die Sympathie zurück, als er auf humorvolle Weise im Rathaus diie kleinen und großen Tollitäten willkommen hieß. Den Minitollitäten überreichte er je eine Packung Pralinen und die großen Prinzessinnen erfreute er mit einem Blumengebinde. Das geschah im karnevalistisch  dekorierten Sitzungssaal des „Pleeser Schlooftempels". Verteidiger und Eroberer feierten bei Musik, Tanz und Getränken närrische Versöhnung. Während der  Tollitätenehrung  spielten draußen auf dem Podium die Musikkorps der Stadt, und die Tanzkorps aus dem Stadtbereich erfeuten mit ihren schmissigen Tänzen.

Auf dem Rathausvorplatz sowie im Sitzungssaal gab es Spaß an der Freud. Hungrige konnten sich an zwei Verkaufsständen stärken bei Erbsensuppe mit und ohne Würstchen, bei Schnittchen, Pommes Frites, Frikadellen, Koteletts und Eiern. Begonnen hatte das Ganze mit einem Marsch aufs Rathaus. Die Karnevalisten versammelten sich auf dem Marktplatz und mit einem schweren Geschütz der Pleeser Blau-Weißen Funken ging es zum Rathaus. Ubrigens: Oberkreisdirektor Kieras und Vizelandrat Becker sollen viel Spaß gehabt haben; man sah sie öfters mit Funkenmariechen tanzen. Und was gab es noch: Bürgermeister Hank prämierte das originellste Kostüm: Stadtratsmitglied Ilse Kehren, die als Emanzipa I. mit Nudelholz erschien. Meinte Hank: „Im Rat schlägt sie dafür nur Schaum." Den Preis für das schlichteste Kostüm erhielt Hans­ Georg Gilka. Er war nämlich nur im blauen Anzug erschienen.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 8 vom 25.02.1977; Fotograf unbekannt; Text: Detlef Scheffen
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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Karneval Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
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