Aufnahme: 1974
Karnevalistische Nachlese
Oberpleis
Wie alljährlich hatte auch in diesem Jahr der TuS Oberpleis seine Karnevals-Veranstaltung und zwar am Karnevalssamstag den inzwischen traditionell gewordenen Maskenball. Der 1. Einzelpreis war der „Räuber Hotzenplotz" (Wolfgang Ardelt), der 2. Einzelpreis war das „Gipsbein“ (Hildegard Liermann), der 1. Gruppenpreis „die Dreibeiner" (Doris Stöcke, Ursel Grund, Christa Lichtenberg, Ulrike Vogt)', den 2. Gruppenpreis erhielten die „Sternschnuppen vom Planeten Kohoutek" (die Funkenfrauen). Wie alljährlich ist gerade dieser Maskenball des TuS eine viel besuchte Veranstaltung. Nicht ganz nebenbei muß einmal erwähnt werden, daß gerade der TuS 05 Oberpleis von Anfang an der Organisator des Oberpleiser Karnevalszuges ist. Gleich sechs Mal wurde im Oberpleiser Karnevalssonntagszug der geplante Bau der Bundesbahnschnellstrecke Köln - Groß-Gerau glossiert. Verschiedene Vereinigungen und auch Familiengemeinschaften hatten sich dieses Thema zur Gestaltung eines Wagens vorgenommen. Den wohl schönsten Wagen bauten vier Familien aus Boseroth. Naturgetreu hatten sie eine Lokomotive und einen Wagen gebaut und luden zum „Aussteigen nur mit Fallschirm, Fahrtgeschwindigkeit 300 Kilometer" Jungfernfahrt ein.
Auf einem anderen Wagen, der ebenfalls die Bundesbahnpläne glossierte, stand zu lesen: „Ihr künnt Öch all dat Kriesche spare, die Bahn wird doch eines Tages fahre". Selbst die Straßenmeisterei hatte einen Wagen gebaut und die neue Bundesbahn-Schnellstrecke glossiert. Auch der Kegelclub Scheuren und der Club Hupp 17 erschienenen im Fastelovendszug mit einem Wagen, der die Bundesbahnpläne kritisch beleuchtete. Die Jugend von Sand dagegen beleuchtete die Ölkrise. Ein weiterer Wagen kritisierte die 100-Kilometer-Fahrgrenze. "100 Kilometer sind Lauritzen schon zu viel, man braucht tagelang bis zum Ziel." Kommunalpolitik nahm sich die Junge Union vor und die Dorfgemeinschaft Weiler meinte, daß im Zeitalter der Pille der Klapperstorch arbeitslos werde. Die Republik Berghausen bedauerte, daß der Bürgerverein nicht mehr so aktiv sei und der Anglerverein befand sich auf einer Nordmeerfahrt, natürlich nur auf dem Festwagen. Das große Finale des Oberpleiser Festzuges bildeten die Wagen des Uthweiler Prinzenpaares und des Tollitätenpaares Alfons und Maria. Insgesamt bestand die „Pleeser Fastelovendsrevue" aus 15 Fußgruppen; und 30 Wagen. 50 Zentner Kamelle wurden geworfen und vier Kapellen gaben dem Narrenzug den musikalischen Beihau. Der „Betonklotz", so nannte der Oberpleiser Prinz Alfons I.
Das Oberpleiser Rasthaus befand sich zwei Tage fest in der Narren Hand. Punkt 11.11 Uhr zogen die Narren des gesamten Siebengebirges vom Parkplatz gegenüber dem Kino in Richtung Rathaus. Voran die Oberpleiser Funken mit ihrer Kanone. Mehr als 1000 Narren und Närrinnen schauten dem lustigen Treiben auf dem Rathausvorplatz und im Rathaus zu. Kurt B. Wirtz von der Funkengarde Oberpleis sprach auf dem Podest, welches vor dem Rathaus auf¬ gebaut worden war, Begrüßungsworte an die Prinzen und Prinzessinnen sowie an die Tanzkorps aus dem Siebengebirgsraum. Dann forderte Prinz Alfons I. aus der Narrenhochburg im Pleestal die Mädchentanzkorps die Rathausverteidiger mit ihrem Charme zu schlagen und die „Burg der Lahmen " zu erobern. Mit Äpfel versuchten die Mädchen aus Römlinghoven, Heisterbacherrott, Eudenbach und Bockeroth die mit Speeren bewaffneten Federfuchser zu bezirpsen.
Die Schlafmützen der Verwaltung nahmen zwar die Äpfel, bissen rein und schlugen trotzdem die Mädchen zurück. Währenddessen hatten die Oberpleiser die Festung von hinten erobert. Bürgermeister Hank mit einem starken Helm geschützt, hatte in einem Streitgespräch in Versform versucht, die Jecken abzuschlagen, doch nicht mit der List und Tücke der Oberpleiser Funken gerechnet. Er mußte die weiße Fahne hissen, die zuvor noch gesucht werden musste. Stadtdirektor Schmitz hatte sich garnicht eingefunden. Er hatte die weiße Fahne vorher nicht herausgegeben. Meinte Hank: „ Mer finge die och esu. Mer hann den decken Schmitz met de Pläät janitt nüdig". Zwei Funken führten das abgesetzte Stadtoberhaupt aus dem Rathaus hinaus auf das Podest, wo er sich und alle Mitglieder der Verwaltung in die Hände der Narren übergab und gleichzeitig den Riesenschlüssel dem Prinzen überreichen mußte. Erich Lichtenberg, den Hank zuvor als Leiter der Rathausverteidigung ernannte, hatte also kläglich versagt. Während drinnen dann im großen Sitzungssaal tüchtig gefeiert wurde amüsierten sich draußen die vielen närrischen Zuschauer an den Tänzen der vier Tanzkorps im Siebengebirgsraum.
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