Zweite Sitzung in der Session 1973 der KG „Rot Blau Auelgau"

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1973

Zweite Sitzung in der Session 1973 der KG „Rot Blau Auelgau"

"Man muss es der KG Rot-Blau Auelgau bescheinigen, dass sie es als Familiengesellschaft fertig bringt, bei ihren Sitzungen stets ein volles Haus zu haben. Auch am 17. Februar 1973 war der festlich geschmückte Saal der Gaststätte Heinz Göbbels lange vor Beginn bereits gerammelt voll. Und wodurch kommt dies? Das Publikum will trotz Radio, Fernsehen usw. nicht immer Kaviar und Austern essen, sondern auch einmal eine echte und deftige Hausmannskost, angerichtet nach altüberlieferten heimatlichen Rezepten, so nach Mundart, genießen. Und dies ist das Privileg dieser kleinen, aber mit Pfiff geführten Gesellschaft, die eben Lokales und Heimatliches so serviert, dass sich jeder Einheimische angesprochen fühlt. Hier blüht noch der ungebundene Humor und der auf dem eigenen Boden — auch besser gesagt: auf dem eigenen Mist — gewachsene Mutterwitz. So verstand Präsident Matthias Müllenholz in seiner Begrüßungsrede den richtigen Ton anzuschlagen, so dass das Aueler Narrenvolk sofort mitging. Bei dieser Gelegenheit wurden auch als Ehrengäste Herr und Frau Wilhelm Effern begrüßt. Er selbst wirkt als Ausbilder des Fanfarenzuges. Aus Anhänglichkeit zur KG komponierte er einen Fanfarenmarsch, der auch am gleichen Abend seine Uraufführung unter der Stabführung des Komponisten erlebte und begeistert von allen Anwesenden aufgenommen wurde.

Dieser Marsch wurde der Gesellschaft und dem Präsidenten gewidmet. Hier darf man nicht die Musikanten des Fanfarenkorps vergessen. Wie diese sich entwickelt haben, ist einfach erstaunlich - nicht nur musikalisch, sondern auch größenmäßig. So trat dieser Zug zum ersten Male in vollster Besetzung mit den Buben und Mädels an diesem Abend auf, der durch seinen Einmarsch unter der bewährten Leitung von Josef Mieden die Sitzung eröffnete. Auch hatte sich der Vorstand in der Ordensfrage etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Statt der Orden wurden die Akteure und Mitwirkenden jeweils mit einem Tonbierkrug mit Zinndeckel geehrt.
Nun aber trat das Funkenmariechen Gabi Jürgens in Aktion. Ihr oblag es, alle Auftretenden in den Saal zu geleiten, was sie mit viel Charme meisterte. So war der Erste in der Bütt der Protokollarius Willi Dietz. Er nahm in Reimform das vergangene Jahr humoristisch unter die Lupe. Anschließend, und dies ist das Erstaunliche: Unser rheinischer Karneval schlägt so leicht zum Osten Brücken, dass ein Rand-Berliner (Ostzone) in der Person von Erhard Nickel von seiner Tante Emma wirklich Interessantes zu berichten wusste. Dann kamen Reinhold Kurenbach und Reinhold Germscheid (beide im Fanfarenkorps) als Dick und Doof - einfach köstlich und beim ersten Male solch ein Erfolg als neue Jungkarnevalisten! Wenn bis jetzt noch keiner gelacht hatte, dann musste er es hei Karl Jürgens, dem 'Jeck Schlöötche', tun: mit Abstand bis jetzt eine seiner besten Reden.

Der Besuch des Oberpleiser Prinzenpaares, Walter I. und Gertrud II, war ein besonderer Höhepunkt, wobei die Narrenzunft mit dem Vorsitzenden Hans Robert Mies und Präsident Helmut Reuter den Tollitäten das Geleit gaben. Abschließend wurde der Funkentanz mit dem reizenden Funkenmariechen der staunenden Narrenwelt von Auel gezeigt. Den Schluss der ersten Abteilung bildeten in einem netten Zwiegespräch die alten Kämpen der KG, Kupser und Buhr. Schnell war die Pause beendet. Die Bockerother Sternschnuppen brillierten mit ihren Mädels in ihrem Tanz. Und danach kam der 'Verdötschte Josef' Buchholz. Hier blieb kein Auge trocken. Das war wirklicher Humor. Er wurde auch mit einer Rakete verabschiedet. Da hatte es Michel Kupser als 'Dorpsmöbbel' recht schwer, aber als Routinier erledigte er seine Sache spielend.

Weiter traten auf 'Tünnes und Schääl'. Hinter den Masken verbargen sich Josef Mieden und Ludwig Otto. Sie beherrschten u. a. die Lustpalette von Auel. Doch last not least: Josef Gratzfeld. Man hatte ihn bewusst an den Schluss gesetzt, denn er gab mit seinem Vortrag allen Narren den I-Punkt mit auf den Weg. Dank sei auch der fleißigen Hauskapelle gesagt und nicht zuletzt Wolfgang Menke, der die herrliche Bühnendekoration schuf. Von A bis Z eine gelungene, echt heimatliche und rheinische Sitzung."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 8 vom 23. Februar 1973
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
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