Aufnahme: 1972
Herbert I. und Rosemarie I. närrisches Herrscherpaar von Plees
Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:
Zahlreiche Gäste wohnten der hervorragenden und einmaligen Sitzung der Narrenzunft Oberpleis in der „Stadthalle" beim „Post-Mattes-Hein" bei. Mehr als 100 mal erscholl der karnevalistische Schlachtruf „Plees Alaaf", und viele Raketen stiegen in den nächtlichen Narrenhimmel. Wirkliches Lob verdient Erich Westhofen als „Altrüüsch". Obwohl sein Vortrag Überlänge hatte, hätte man ihm noch längere Zeit zuhören können. Sein Vortrag war der weitaus beste an diesem Abend. Erich Westnoten könnte mit diesem Vortrag sogar in Köln und Düsseldorf Furore machen. Nach dem närrischen Protokoll von Hans-Robert Mies fungierte in der Bütt Peter Krey jr. als „Verkäufer". Im vorigen Jahr glänzte er als „Arzt". In dem närrischen Protokoll beleuchtete Hans-Robert Mies, Vorsitzender der Narrenzunft, vor allen Dingen die Diskussion über die Gestaltung des Siebgebirgszuges, der in diesem Jahre nicht ziehen wird, und die Anekdötchen, die sich um eine von Bürgermeister Hank gestiftete Bank in Oelinghoven ranken.
Vor der Prinzenproklamation gab es eine musikalische Untermalung durch das Fanfarenkorps „Rot-Blau-Auelqau" unter der Leitung von Josef Mieden. Und dann kam der Höhepunkt und die Überraschung des Abends: die Prinzenproklamation. Damit hatte keiner gerechnet: Herbert Krämer und Frau Rosemarie wurden Prinzenpaar des Jahres 1972 in Oberpleis. Adjutant Kurt Wirtz kündigte das Prinzenpaar in einem heiteren Prolog an. Dann wurde Herbert I. und Rosemarie I. ein begeisterter Empfang zuteil. Auf der Bühne vor dem Elferratstisch verabschiedete sich Helmut Reuter als Prinz des Vorjahres mit einem heiteren Gedicht von seinem närrischen Publikum und überreichte seinem Nachfolger Herbert I. die Narrenpritsche. Als erste Amtshandlung dekorierte Herbert I. seinen Vorgänger mit seinem Prinzenorden und setzte ihm die Narrenkappe auf. Blumen gab es für Prinzessin Annemarie I. der vergangenen Session. Natürlich fehlte auch der obligatorische Hausorden nicht.
Bürgermeister Hank verlas die Ernennungsurkunde für Prinz Herbert I., die von ihm und dem Stadtdirektor unterzeichnet war. Hank und Schmitz erklärten sich für abgesetzt. Prinz Herbert überreichte Bürgermeister Hank und Stadtdirektor Schmitz seinen Prinzenorden, nachdem zuvor das Stadtoberhaupt der Prinzessin Rosemarie ein Blumenangebinde überreicht hatte. Prinz Herbert I. gab seinen närrischen Fahrplan bis zum Aschermittwoch bekannt und nannte sein Motto für diese Zeit: „Trimm Dich und lache Dich gesund - Plees Alaaf schafft schöne Stund'". Der neue Herrscher in Oberpleis, der aus der „Republik Berghausen" kommt, wo es an und für sich keine Monarchie gibt, nahm die Parade seines Funkenkorps ab, welches anschließend zu Ehren des Prinzenpaares den Funkentanz aufführte. Der Club Hupp 17 imitierte die Reise des Volksbildungswerkes nach Moskau. Mitwirkende dieses Sketches waren: Bernd Liermann, Edgar Zens, Manfred Bosse, Werner Dahm, Hans-Robert Birkenfeld, Günter Jonen, Peter Krey, Heinz Vogt, Werner Dohle, Peter Schneider und Hans-Peter Büllesfeld. Die Ittenbacher Funken glänzten mit einer herrlichen Tanz- und Musikdarbietung.
Mit dem Lied „Auf Wiedersehen" marschierten Prinz mit Gefolge und Elferrat in die Pause. Mit dem Marsch „Alte Kameraden" erfolgte nach der Pause wieder der Einmarsch in den Saal. Der Prinz hatte in seinem „Fahrplan" den Saal Bellinghausen einmal als Stadthalle und einmal als Festhalle tituliert. Hans-Peter Büllesfeld erzählte seine Erlebnisse als „Urlauber". Mit dem Büttenmarsch „Schöne Maid" kamen Marlene Westhofen, Gisela Landsberg, Martha Lütz, Walburga Pickel, Anita Dahs und Marianne Haags als Damentanzgruppe auf die Bühne. Ihre Darbietungen waren einen reichlichen Applaus wert. Als „Hirtenknabe von der Pleeser Alm" erschien Ludwig Gast. Viel Spaß gab es auch bei den „Beiden Briefträgern" Bernd Liermann und Alfred Bellinghausen. Bei Rüdiger Dahs war „de Pief verstopp", als er „Strohwitwer" war. Last not least erwähnenswert sind die Dorfspatzen Heinz Vogt, Werner Dohle, Peter Schneider, Edgar Zens und Manfred Bosse mit ihren einmaligen Einfällen.
Pfarrer Preuß hatte die Sitzung der Narrenzunft als Präses der Kolpingsfamilie eröffnet. Präsident Helmut Reuter sprach die Begrüßungs- und auch die Schlussworte. In seiner Begrüßungsansprache sagte der Präsident: „Wir machen Karneval nicht mit hoch dotierten Stars, nicht mit Professionellen, sondern mit eigenen urwüchsigen Kräften." In Anspielung auf den Siebgebirgszug, den der Festausschuss Siebengebirge in Oberpleis ziehen lassen wollte, sagte der Präsident: „Das urwüchsige Brauchtum in den einzelnen Orten kann man nicht zusammenpferchen. Ein Stadtprinz gehört zwar mit zu den Zukunftsaufgaben, jedoch kann man diese Aufgabe nicht mit Gewalt lösen." Zu den Ehrengästen gehörten Bürgermeister Günter Hank, Stadtdirektor Schmitz, stellvertretender Bürgermeister Heinrich Klümpers, Pfarrer Kreuser aus Eudenbach, Beigeordneter Lichtenberg und Kreistagsabgeordneter Neuhöfer. Bürgermeister Hank wurde mit „Dr, h. c." begrüßt.
34 Jahre alt ist der neue Oberpleiser Prinz, der in Berghausen geboren wurde und dort auch heute noch wohnt. Der 1,87 m große Prinz hat graue Augen, ist blond und von Beruf Sparkassenangestellter. Zu seinen Lieblingsbeschäftigungen zählen Fußball, Schwimmen, Theater, Konzerte und gute Bücher. Die 34 Lenze zählende Prinzessin ist, obwohl sie aus Schlesien stammt, dem Karneval recht aufgeschlossen. Kein Wunder, denn seit ihrem 11. Lebensjahr lebt sie im Westen der Bundesrepublik. Den rheinischen Dialekt versteht sie sehr gut, obwohl sie ihn selbst nicht sprechen kann. Nach ihren Hobbys befragt, meinte sie: „Zunächst mein Mann, dann auch Schwimmen, Theater und gute Musik." Die charmante Prinzessin ist nur 11 Zentimeter kleiner als ihr Prinzgemahl, hat blonde Haare und grau-blaue Augen. Das Prinzenpaar ist seit zehn Jahren verheiratet und hat einen neunjährigen Jungen sowie eine sieben und eine drei Jahre alte Tochter. Kennen gelernt haben sich Herbert und Rosemarie bei der Katholischen Jugend.
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