Aufnahme: 1966
"Plees Alaaf“
Ein Rückblick auf die 20 jährige Geschichte der Oberpleiser Narrenzunft von H. Wicharz
Im Alter von 20 Jahren ist die Narrenzunft der Kolpingsfamilie Oberpleis am vergangenen Samstag mit einer großen Prunksitzung an die Öffentlichkeit getreten und hat in dieser wie auch in den vielen vergangenen Veranstaltungen bewiesen, dass sie dem Vorsatz treu geblieben ist, mit dem sie gegründet wurde: "Frohsinn und Freude in alle Herzen". Der weite Weg aber, den die Narrenzunft gegangen ist, um zu dem zu werden, was sie heute ist, soll in Form eines Aufsatzes an dieser Stelle kurz aufgezeichnet werden. Während am vergangenen Samstag bei der großen Prinzenproklamation im Saale Bellinghausen in Oberpleis Rakete auf Rakete abgefeuert wurde, während die Lachmuskeln der vielen Zuschauer strapaziert wurden und so manches „Plees Alaaf" erscholl, saß unter den Elferratsmitgliedern ein Mann, der in diesem Jahre zum 20. Male aktiv im Oberpleiser "Karneval mitwirkte, Josef Neuhöfer.
Er ist einer der Gründer der Oberpleiser Narrenzunft, der unablässig Jahr für Jahr ab 11. im 11. bis Aschermittwoch für seine Narrenzunft zur Verfügung stand und steht. Wer zählt die Stunden und Tage, die er aus Freude an der Sache und aus Idealismus geopfert hat. Und wenn mal wieder eine Karnevalsveranstaltung geklappt hat, dann atmet Josef Neuhöfer auf und freut sich ganz besonders. Aber auch in seinem Bruder Fritz Neuhöfer, dem jetzigen Präsidenten der Oberpleiser Narrenzunft, der mit seinem trockenen, gewürzten Humor das Publikum vorzüglich zu unterhalten versteht, ist einer der Gründer vor 20 Jahren zu suchen. Ganz zu schweigen von dem Exprinzen Peter 1., der in seiner stillen und lustigen Art immer dabei ist und ebenfalls zu den Gründern zählt.
Damals, Ende des Jahres 1945, sammelten sich die aus Gefangenschaft und Krieg zurückgekehrten Oberpleiser Kolpingssöhne unter ihrem Präses, Kaplan Erwin Düster, und dem Senior Heinrich Schoroth und gingen daran, die Kolpingsarbeit wieder zu beleben. Eine Gruppe von wenigen Männern, es waren dies: Josef und Fritz Neuhöfer, Josef Zimmermann, Peter Krey, Hermann Meurer, Paul Krieger und Willi Bellinghausen - sie kristallisierten sich bald heraus und bildeten eine karnevalistische Gemeinschaft mit dem Namen „Närrische Gesellen". Das Ziel dieser Karnevalsgruppe war, den echten rheinischen und insbesondere den bodenständigen "Pleeser Fastelovend" hochzuhalten, wie ihn schon Oberpleis vor dem letzten Weltkriege kannte. Damals hatte der Oberpleiser Männergesangverein schon Sitzungen und Tanz abgehalten.
Zum Präsidenten dieser Narrengemeinschaft wählte die junge Gruppe Hans Mies, der diese Funktion auch schon vor dem Kriege im MGV ausübte. Das Programm für die erste Sitzung wurde, durch die armseligen Nachkriegsverhältnisse bedingt, im Hühnerstall von Peter Krey zusammengestellt und eingeprobt. Auf Einladungen und Programmen zur Rosenmontagssitzung, der ersten und einzigsten im Jahre 1946, stand am Fuße fett gedruckt: "Getränke sind mitzubringen"! Die Orden fertigte man sich selbst aus Sperrholz und Karton an. Trotz dieses Provisoriums wurde die erste Karnevalssitzung ein Bombenerfolg. Kein Wunder, die Menschen hungerten förmlich nach ein paar frohen, unbeschwerten Stunden, um endlich die schrecklichen Jahre des vergangenen Krieges für kurze Zeit zu vergessen. Der Anfang war also gemacht und dazu gar kein schlechter. In den nachfolgenden Jahren ging es immer mehr aufwärts. Sicherlich hatte die Gruppe der „Närrischen Gesellen" mit allerlei Schwierigkeiten und Problemen zu kämpfen, jedoch ließen sich diese in der von Jahr zu Jahr größer werdenden Narrengemeinschaft gemeinsam besser lösen.
Aus diesen ersten Gründungsjahren, die fürwahr in keine wirtschaftlich hochgestellte Zeit fielen, sind einige wohl unvergessliche Büttenreden und Gesangsvorträge erwähnenswert. So textete und dichtete unser stets aktiver Helmut Reuter in einer wohlgemeinten Persiflage auf die damals selbst gebrannten „Knolli-Brandis" den "Weltschlager": "Prima, prima, Prümmche". Oder das herrlich ungleiche Paar Franz Klein und Bernhard Raths, letzterer kurz „Et Bernhärdche" genannt, als "Schuljungen von Oberpleis". Ganz zu schweigen von den „vier Botzen", deren geschichtliche Entwicklung im Laufe dieses Aufsatzes noch gesondert Erwähnung findet. So könnte die Reihe der Männer und Frauen, die teils als Vortragende, teils still und intensiv im Hintergrund am Aufbau des Oberpleiser Karnevals arbeiteten, fortgesetzt werden. Man möge verzeihen, wenn dies wegen Platzmangels nicht möglich ist.
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