Aufnahme: 2019
Katholische Pfarrkirche St. Pankratius in Königswinter-Oberpleis
Ehemalige Propsteikirche
„Nach dem Vorbild der Mutterkirche auf dem Michaelsberg errichtete man um 1100 -1120 eine nur etwa 10 m kürzere, demnach 35 m lange, dreischiffige, sechsachsige, flachgedeckte, geostete Pfeilerbasilika mit erhöhtem und dem für die Siegburger Baugruppe charakteristischen verkürzten Querhaus, nur um etwa Mauerstärke über die Seitenschiffe vorkragend, dem (um vier Stufen?) höher gelegenen querrechteckigen Vorchorjoch mit halbrund geschlossener Apsis und Chorflankierungstürmen über der Querhaus und Chor umfassenden Hallenkrypta. Grundriß der heutigen Kirche, Krypta, die mit einfachen Kämpferplatten (Grade und Schräge, im Osten Karnies erneuert) versehenen fünf quadratischen Pfeilerpaare und das aufgehende Mauerwerk von Mittelschiff und Querhaus bis etwa in Höhe der eingezogenen Eisenanker. Der Außenmantel des südöstlichen Chorflankierungsturmes und das jüngst wieder geöffnete Rundbogenfenster in der Westwand des nördlichen Seitenschiffes entstammen dem Erstbau.
Die unteren Teile der Fensterlaibungen sind im nördlichen Obergaden und zwei in der nördlichen Querhauswand nachweisbar. Ob die heutigen Zugänge zur Krypta und der aufgedeckte Vorchor (chorus minor) im östlichen Joch des Mittelschiffes so bereits dem Ursprungsbau entsprachen - was nach den Befunden im Mutterkloster wahrscheinlich ist - und wie der Aufgang aus dem Langhaus in das Queraus angelegt war, müsste auf Grund der letzten Restaurierung beantwortet werden. Heute führen sieben Stufen aus dem Mittelschiff in die Vierung hoch, je eine Wendeltreppe aus den Seitenschiffen in das Querhaus.“
Der Westturm
„Nach der Mitte des 12. Jh. dürfte zuletzt der einfache, fünfgeschossige, monumentale Westturm errichtet worden sein. Eine Holzdatierung ergab die Fälljahre 1157/58. Das Westportal ist durch zwei Kalksintersäulen mit fein geschnittenen Pflanzenkapitellen unter ausgebrochenem Rundbogenfeld (Tympanon) ausgezeichnet, mit einer Arche Noah modern verglast (Wilhelm Schmitz-Steinkrüger 1952). Das Erdgeschoß ist tonnengewölbt. In ihm steht die romanische Taufe (Kessel auf sechs erneuerten Säulen) aus Bonn-Friesdorf. Der Höhenunterschied von Turmerdgeschoß um drei Stufen in das Mittelschiff bleibt noch zu erklären. Südlich führen eine Außentreppe und innen eine moderne Wendeltreppe zum ursprünglich kreuzgratgewölbten Emporengeschoß hoch.
Das westliche Rundbogenfenster ist vermauert, das nördliche neuzeitlich; statt durch einfachen Rundbogen ist die Empore heute aus statischen Gründen durch einen Doppelbogen auf einem Mittelpfeiler zum Mittelschiff geöffnet, wodurch die Verwendung als Orgelempore aus akustischen Gründen aufgegeben werden mußte. Im dritten Geschoß sind nach Westen zwei Tierreliefs mit Totenkopf (?) als das Böse abwehrend zu deuten. Wahrscheinlich sind die beiden Obergeschosse, wegen des anderen Materials und der reicheren Gestaltung durch Lisenen mit doppelten Rundbögen und nach Süden mit wulstgerahmtem Rundbogenfenster und das fünfte Geschoß mit den acht Doppelklangarkaden mit Säulen und Würfelkapitellen, erst später gegen Ende des 12. Jh. aufgestockt. Die heutige farbige Fassung des Turmes ist aus konservatorischen Gründen aufgetragen, das Grau in Anlehnung an die Farbe der Natursteinverkleidung (Stenzel-berger Andesit), sonst frei erfunden.
Der Propst von Oberpleis war zum Landesherrn (dominus terrae) aufgestiegen, 1181/82 urkundlich anerkannt. Der Kirchturm des Mutterklosters und der von St. Servatius in Siegburg, die Türme von Königswinter-Stieldorf, Troisdorf-Sieglar und Hennef-Geistingen (zerstört) verkünden die gleiche Hoheit, nämlich auch Hoch- und Blutgerichtsstätten zu sein. Der Kirchturm von Oberpleis war selbstbewußter gebauter Ausdruck der gewonnenen Rangerhöhung des Propstes, aber auch der Einwohner im Pfarrsprengel. Er ordnete den Bau des Kirchturmes an seiner Kirche an und beteiligte sich darum mit einem Viertel an den Unterhaltskosten, während die Dörfler drei Viertel aufzubringen hatten (seit Übernahme der Propsteikirche 1805 die ganze Baulast), erstmals nachweisbar auf Grund einer Inschrift der 1442 umgegossenen (nicht mehr erhaltenen) Pankratiusglocke. Als Geistliche bedurften die Pröpste der Vögte; das wurden die Grafen von Berg, die um 1500 sich selbst zum Landesherrn in Oberpleis gemacht hatten.
Die heute im würdigen Ehrenmal von 1930 für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges aufgestellte Sturmglocke ist ein Zeugnis für die Machtverhältnisse in Oberpleis. Ihre Inschrift lautet: ‚+sum • villanoru(m) • sa/te(m) • sed • non • monachorum + man • sal • mich • ludin • zu • sturme + o rex • glorie • xre (Christe) • veni • cum • pace +". (Zu deutsch: Ich bin [Eigentum] der Dörfler wenigstens, aber nicht der Mönche. Man soll mich zum Sturm läuten. O König der Herrlichkeit, Christus, komme mit Frieden!). Auf Grund des Glockengießerzeichens, eine thronende Muttergottes mit dem Christuskind, ist sein Name erschließbar: Johannes de Trajecto, ein wohl aus Utrecht stammender und in Köln tätiger Glockengießer, der 1333 und 1337 datierte Glocken goß. Aus der gleichen Zeit stammen demnach die Sturmglocke und die auch von ihm gegossene Dachreiterglocke in Oberpleis. 1923 wurde zum Sturm geläutet, um die von Honnef aus über Ägidienberg und Oberpleis Siegburg anstrebenden Separatisten abzuwehren. Dabei brach ein Stück des Glockenrandes aus. Die unläutbare Glocke wurde zu einem nationalen Symbol, genoß in der NS-Zeit hohes Ansehen und war nie in Gefahr, im Zweiten Weltkrieg Kriegszwecken geopfert zu werden.“
Die katholische Pfarrkirche St. Pankratius wurde am 20. September1989 von der Stadt Königswinter als Nummer A 88 in die Liste der geschützten Baudenkmäler eingetragen.
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