Krockwösch

Abgebildete Personen

Aufnahme: 2011

Krockwösch

Wer kennt und erkennt sie noch alle, die wild wachsenden Heilkräuter, die in den "Krockwösch" gehören, den Kräuterstrauß, den man am Hochfest Maria Himmelfahrt, dem 15. August, in die Sonntagsmesse mitbrachte, damit er feierlich geweiht wurde?
Die Kräuterweihe ist oder war wohl in allen Regionen mit überwiegend katholischer Bevölkerung üblich. Nur die Zahl und Zusammenstellung der Kräuter ist überall anders.
In Oberpleis gehörten in den Krockwösch:

Baldrian,
Beinwell,
Großer Wiesenknopf,
Johanniskraut,
Königskerze,
Odermennig,
Rainfarn,
Schafgarbe,
Spitzwegerich,
Wasserdost,
Wermut
u.a., meist wurden noch reife Getreideähren und ein Apfel hinzugefügt.

Alles Pflanzen, denen man - zu Tee zubereitet - eine gewisse gesundheitsfördernde Wirkung zugestand. Manchmal mußte man lange suchen, um alle zu finden, da es einige Pflanzen gar nicht mehr oder nur noch an seltenen Stellen gibt.  Der Standort der seltenen Königskerze war schon immer ein Geheimtipp.

Ein Krockwösch war dazu bestimmt, Gott zu danken, dass er uns Kräuter in Feld, Wald und Wiese wachsen lässt, die gegen viele bedrohliche Krankheiten wirksam sind. So wurde dem Krockwösch u.a. auch die sakrale Wirkung zugeschrieben, die Wut eines Gewitters zu besänftigen bzw. die Gefahren abzumildern oder diese gar zu vertreiben. Hierzu wurde ein Teil aus dem Krockwösch in den Ofen gelegt, aber nicht ins Feuer, denn dann würde er ja verbrennen, nein, er wurde zwischen Feuer und Ofenrohr plaziert, also dort, wo gemeinhin das zur Erwärmung des Brauchwassers dienende "Wasserschiff" stand.
Hier konnten die Kräuter dann allmählich verqualmen, aufsteigen, und so dem Herrgott zur Kenntnis bringen, dass hier gottesfürchtige Menschen zusammensaßen und auf seine Gnade bauten.

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