Aufnahme: 2003
I n t e r v i e w ... mit unserer Pastoralreferentin Ruth Keller
Nach nunmehr fünf Jahren in unserer Gemeinde steht für unsere Pastoralreferentin Ruth Keller ein Wechsel an. Sie blickt auf diese Zeit im folgenden Interview zurück:
Was waren deine Arbeitsschwerpunkte in den letzten Jahren?
Ich war vor allem verantwortlich für die Sakramentenvorbereitung (Taufgespräche, Vorbereitung auf Erstkommunion und Firmung). Im liturgischen Bereich habe ich die „Gottesdienste für kleine Leute" organisiert und regelmäßige Schulgottesdienst mit Grund- und Hauptschule gefeiert. Ich habe als Kuratin mit unserer Leiterrunde gearbeitet und versucht, Akzente in der religiösen Jugendarbeit zu setzen. Wichtig war mir das monatliche Bibelgespräch mit einer sehr interessierten Gruppe und der Familienkreis, wo sich berufliche und private Kontakte auf schöne Weise verbunden haben.
Du hast einen Teil deiner Ausbildung bei uns absolviert. Was gab es denn in Oberpleis zu lernen?
Ich habe in dieser Gemeinde ja fast alles zum ersten Mal gemacht und habe unglaublich viele Erfahrungen sammeln können über den Umgang mit Menschen und Themen. Z. B. war es neu für mich, so oft „vorne" zu stehen und „öffentlich zu beten". Ich glaube schon, dass ich konfliktfähiger geworden bin in den letzten Jahren. Ich weiß genauer, wo meine Grenzen sind und dass ich leider nicht ohne Ende Energie habe. Vor allem aber habe ich verstanden, dass ich in diesem vielfältigen Beruf am Herzen liegt. Dass ich das in Oberpleis entdecken konnte, dafür bin ich der ganzen Gemeinde sehr dankbar!
Weißt du schon, woran du besonders gern zurückdenken wirst?
Es war manchmal ein Wunder: Ich habe immer genau die Leute gefunden, die ich gebraucht habe, um bestimmte Aufgaben erfüllen zu können. Die Bereitschaft zur Mitarbeit und auch zur Eigenverantwortung ist in dieser Gemeinde sehr ausgeprägt! Zu den besonderen Erlebnissen gehören für mich auch die Ferienfreizeiten, die mit so viel Engagement und Kreativität vorbereitet werden. Insgesamt habe ich die Erfahrung gemacht, hier nicht nur als Organisatorin, sondern auch als Theologin gefragt worden zu sein. Eine Fülle von Glaubensthemen konnten in den letzten Jahren zur Sprache kommen; viele Menschen haben ihren eigenen Glauben mit mir geteilt - dafür bin ich sehr dankbar.
Sicher gab es auch Enttäuschungen und Schwierigkeiten.
Ich denke, dass ich selber immer wieder Menschen enttäuschen musste, weil wir zusammen oft viel mehr gute Ideen hatten, als letztlich zu realisieren war; ich musste oft „Nein" sagen, weil es zu wenig Abende in der Woche und zu wenig Wochenenden im Jahr gibt. Und auch, weil der Einfluss in meinem Beruf Grenzen hat. Ich selber war manchmal enttäuscht über punktuelle Kontakte, aus denen nicht mehr Zugehörigkeit zur Gemeinde geworden ist. - Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie wir als Gemeinde mit dieser Enttäuschung gerade in der Sakramentenvorbereitung umgehen sollen.
Wie siehst du deinem Abschied entgegen?
Sieglar ist ja nicht weit weg. Trotzdem weiß ich realistisch, dass es ein wirklicher Abschied von Ihnen allen wird, weil ich meine Energie einfach für die neue Gemeinde brauche. Mir ist das Abschiedsfest wichtig, zu dem wir sie alle herzlich einladen! Natürlich fällt es mir schwer zu gehen. Ich kann mir nicht gut vorstellen, manche Menschen einfach nicht mehr zu sehen. Und es ist auch nicht leicht für mich, meine Arbeit hier „loszulassen", anderen zu überlassen, obwohl ich die Übergabe gut vorbereitet habe. Zugleich hoffe ich auf Verständnis, dass ich ab 01.09. wirklich nicht mehr hier arbeiten kann, auch wenn wir noch bis ins neue Jahr in Oberpleis wohnen werden, weil unsere neue Wohnung erst saniert werden muss...
Was möchtest du unserer Gemeinde mit auf den Weg geben?
St. Pankratius kann stolz sein auf das große Potenzial glaubender und engagierter Menschen. Ich möchte mich an dieser Stelle einfach ausdrücklich bedanken
• für das große Vertrauen von Herrn Pastor Müller und die Freiheit, die er mir für meine Arbeit eingeräumt hat,
• für alle liebenswürdige alltägliche Unterstützung durch Frau Jarzombek
• und für so viel Wohlwollen und Wertschätzung, die ich in der ganzen Gemeinde gespürt habe.
Auch im Namen meines Mannes darf ich sagen, dass wir beide sehr gern hier leben.
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