Aufnahme: 1999 (ca.)
Unsere Pankratiuskirche für Kinder erkärt
"Liebe Mädchen und Jungen! Wir möchten Euch in unserer Pankratius-Kirche herzlich begrüßen. Gefällt sie Euch? Dann möchtet Ihr vielleicht mehr über Oberpleis und diese alte Kirche wissen? Ungefähr seit dem Jahr 700 wohnen Menschen hier im 'Pleiser Hügelland'. Sie rodeten den Urwald und errichteten einen Bauernhof, der auch heute noch den Mittelpunkt von Oberpleis bildet. (Er liegt gleich südlich der Kirche.) Diese Leute waren schon Christen, darum bauten sie bei dem Hof auch eine Kirche. Nein, das war nicht diese Kirche! Um das Jahr 1100 kamen Mönche aus Siegburg nach Oberpleis. Sie gründeten ein Kloster und wollten auch eine eigene Kirche haben. Der oberste der Mönche hieß Propst (lateinisch praepositus), darum nennt man die Kirche oft Propsteikirche. In dieser Kirche sind wir jetzt. Und nun laden wir Euch ein zu einem Rundgang. Zuerst gehen wir in die Krypta, das ist der tief gelegene Raum unter dem Altar. (Die Zugänge sind rechts und links von der großen Altartreppe.) Schaut Euch eine Weile in diesem alten und ehrwürdigen Raum um! Alles ist ganz einfach und schmucklos. Nichts sollte die Mönche vom Gebet ablenken.
Die vielen Säulen erinnern ein wenig an einen schönen, geheimnisvollen Wald! Der Schrein ist erst vor 30 Jahren hier herein gekommen; in ihm sind die Gebeine der heiligen Felizitas und anderer heiliger Menschen. Jetzt gehen wir wieder nach oben und schauen zum Kircheneingang hin. Denkt Euch eine flache Decke ungefähr da, wo jetzt die oberen Fenster sind. So hat nämlich die Kirche zuerst ausgesehen. Wie die Krypta wirkt der Raum einfach und streng. Eine richtige Mönchskirche. Auch der mächtige Turm, den Ihr von draußen gesehen habt, passt dazu. Aber hundert Jahre später wollte man diese Strenge nicht mehr. Wir feiern doch in der Kirche ein Fest, ein Fest mit Gott! Darum soll unsere Kirche auch fröhlich und festlich sein! Als erstes hat man die flache Decke herausgenommen und ein hohes Gewölbe gebaut.
Und nun wendet Euch um, zum Altar hin. Ja, da ist nun gar nichts mehr von der alten Einfachheit. Diesen Teil der Kirche hat man damals (um 1250) einfach abgerissen und neugebaut. Mächtige Pfeiler ragen in die Höhe, vielfach gegliedert und oben hoch noch mit wundervollen Steinmetzarbeiten geschmückt (Kapitäle nennt man so etwas.) Und ganz oben haben die Baumeister ein wunderbares Gewölbe geschaffen, so kunstvoll, dass der schwere Schlussstein nach unten hängen kann. (Warum sie gerade Schlangenköpfe geformt haben, hat bis heute noch niemand enträtselt.) Bevor wir nach oben steigen, wollen wir erst noch in das nördliche Seitenschiff gehen (vom Altar her gesehen rechts). Ja, hier ist doch etwas anders: Die Fenster sind größer als auf der anderen Seite und haben spitze Bögen, auch die Gewölbe wirken leichter und zierlicher. Dieser Teil der Kirche ist später (nach 1500) neu gebaut worden. Wahrscheinlich war das alte Seitenschiff baufällig geworden, denn der Baugrund ist hier nicht besonders gut. Diese neue Baukunst nennt man Gotik. (Denkt zum Beispiel an den Kölner Dom).
Der ältere Kunststil heißt Romanik, den findet Ihr sonst überall in unserer Kirche. (Über den holzgeschnitzten Kreuzweg erzählen wir später noch etwas.) Nun könnt Ihr auch endlich hinauf in den Altarraum gehen bis ganz nach vorn zum Hochaltar. Auf dem Altar steht ein kleiner Schrank mit silbernen Türen, der Tabernakel, in dem das heilige Gottesbrot aufbewahrt wird. Wir sollten also hier besonders ehrfürchtig sein! Gott ist uns hier ganz nahe! Über dem Altar steht ein steinernes Bild, das ist nun ein besonderes kostbares Kunstwerk, um das uns die ganze Welt beneidet. Es ist vor dem Jahr 1200 entstanden. Die Künstler dieser Zeit konnten noch gar nicht so recht mit Stein arbeiten, viel lieber haben sie in Holz oder Elfenbein geschnitzt; sieht man es unserem Bild nicht noch an? Trotzdem ist das Bild ganz und gar nicht primitiv. Schaut einmal auf die Gruppe der drei Könige: Die Kronen, die Hände, die Gürtel und die Gewandsäume, sie alle bilden Linien, die zu dem Jesuskind hinführen.
Das Vorbild für den Stuhl der Mutter Jesu ist offenbar ein holzgeschnitzter Thronsitz, und sie trägt genau wie Jesus eine Krone. Es war ja damals die Zeit der Könige, und so sagt das Bild: Jesus ist unser höchster König und Maria ist unsere Königin!
Wir freuen uns, dass Ihr uns so aufmerksam gefolgt seid. Das Wichtigste habt Ihr nun gesehen, und wenn es Euch jetzt nach draußen zieht, dann sagen wir Euch ein herzliches Auf Wiedersehen! Für die ganz Neugierigen aber erzählen wir noch ein bisschen. Links vom Hochaltar sind die Reste einer alten Wandmalerei. Sie erinnern daran, dass die Kirche früher einmal ganz bunt ausgemalt war. Wie so etwas aussieht, könnt Ihr zum Beispiel in der fast gleich alten Kirche in Schwarzrheindorf sehen. - Du willst wissen, was der lange Strick bedeutet? Damit wird auch heute noch beim Gottesdienst eine kleine Glocke geläutet. - Eine Orgel habt Ihr vielleicht auch noch nicht von nahem gesehen. Schaut mal die großen Pfeifen außen und die winzig kleinen im Gehäuse, insgesamt sind es 1066 Pfeifen! - An der Wand gegenüber der Orgel stehen die Figuren der vier Evangelisten. Von rechts: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Sie stammen aus der Barockzeit (nach 1700) - Die große Mutter-Gottes-Statue am Pfeiler ist ein wenig jünger (um 1780). -Das Lesepult aus Bronze ist eine moderne Arbeit. Wenn Ihr möchtet, so dürft Ihr auch einmal zur Turmempore hinaufsteigen und die Kirche von oben anschauen.
Und jetzt wollt Ihr vielleicht auch noch wissen, wie es mit der Geschichte unserer Kirche weiterging. (Das könnt Ihr natürlich auch später noch lesen.) Im Jahr 1803 mussten die Mönche von Oberpleis weggehen. Ihre Kirche wurde nun Pfarrkirche. So blieb sie gottlob erhalten, während die große Kirche des Klosters Heisterbach damals fast ganz abgebrochen wurde. Die Oberpleiser haben immer gut für ihre Kirche gesorgt. Im Jahr 1890 wurde sie gründlich instandgesetzt; damals wurde auch die Sakristei angebaut. Aus der gleichen Zeit stammen auch die 14 Kreuzwegstationen in den beiden Seitenschiffen. Im letzten Krieg war die Krypta der Zufluchtsort der Oberpleiser, als wochenlang die Granaten ins Dorf schlugen. Auch die Kirche erlitt viele Schäden, aber sie wurde nicht zerstört. Eine große Instandsetzung war dann in den Jahren 1964 bis 1978. Damals wurde die Kirche auch von außen verputzt und farbig angestrichen. So hatte sie auch ganz früher ausgesehen, später fand man es eine Zeitlang schöner, wenn die Steine zu sehen sind. Am 13.04.1992 wurde die Kirche durch ein Erdbeben stark erschüttert. Fachleute mussten die Gewölbe genau untersuchen. Dabei entdeckten sie, dass die Bauleute des Mittelalters nicht überall sorgfältig gearbeitet hatten. Jetzt sind wieder alle Schäden beseitigt, und wir können seit dem 27.08.1994 wieder in der Kirche unseren Gottesdienst feiern.
Isabell Könsgen, Pastor W. Müller"
Zum Rundblick in der Pfarrkirche Sankt Pankratius Oberpleis: s. Link unten.
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