Vor 30 Jahren begann Frau Maria Hermes ihren Dienst als Gemeindeschwester in Oberpleis. Anläßlich dieses Jubiläums sprachen wir mit ihr.

Aufnahme: 1998

Vor 30 Jahren begann Frau Maria Hermes ihren Dienst als Gemeindeschwester in Oberpleis. Anläßlich dieses Jubiläums sprachen wir mit ihr.

I n t e r v i e w

Frau Hermes, Sie sind jetzt 30 Jahre bei der Caritas.

Also, bei der Caritas bin ich seit 1977. Ich war von 1968 bis 1977 bei der Pfarrgemeinde Oberpleis angestellt.   

Wie war denn Ihr Werdegang?  

Nach der Frauenfachschule in Bonn war ich noch zu jung für die Krankenpflege­schule und habe deshalb im Kindergarten in Oberpleis, der 1959 gegründet wurde, als Helferin gearbeitet. Dann habe ich in Bonn im Marienhospital Krankenschwester gelernt. Von 1964 bis 1966 war ich in einem Krankenhaus im Wallis in der Schweiz tätig und ging danach wieder für zwei Jahre ins Marienhospital.

War das auch Ihr Berufswunsch?

Als Kind wollte ich immer etwas mit Menschen, Natur oder Tieren zu tun haben, schließlich bin ich ja vom Bauernhof zu Hause! Später hatte ich dann vor, Kinderkrankenschwester zu werden, habe mich dann aber für die große Krankenpflege ent­schieden. Im ersten Lehrjahr bekamen wir 20,- DM als Monatslohn,  im 2. Jahr 40,-


Wie kam es denn dazu, daß Sie Gemeindeschwester wurden?

1968 kam Kaplan Bauer zu mir ins Marienhospital und hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, in Oberpleis als Gemeindeschwester zu  arbeiten. In Oberpleis gab es zu der Zeit einige Schwerkranke, darunter eine Mutter von fünf Kindern, die dringend Pflege und Hilfe brauchten. Das war der Anlaß, daß etwas von der Pfarrgemeinde aus getan werden mußte. Ich hatte natürlich keine Erfahrung  in der Gemeindekrankenpflege, aber die Aufgabe reizte mich, in meiner Heimatgemeinde zu arbeiten.


Und so haben Sie sich also dafür entschieden!

Ja, Kaplan Bauer hat dann alles in die Wege geleitet und am 1.8.1968 begann ich mit der Arbeit in der Gemeinde Oberpleis. Meine Vorgängerin war Schwester Nicephora aus dem Konstantiahaus. Aus Altersgründen betreute sie nur noch einige Leute im Oberpleiser Dorf. Bei meinem Antritt gab sie mir wertvolle Ratschläge mit auf den Weg. Das Erzbistum und die Gemeinde Oberpleis - später dann die Stadt Königswinter - stellten mein Gehalt und so versorgte ich Patienten in den Pfarrgemeinden Eudenbach, Oberpleis und Thomasberg, also dem Bereich der Gemeinde Oberpleis. 1977 wurde die Sozialstation vom Caritasverband des Rhein-Sieg-Kreises gegründet und ich wurde übernommen.

Wie waren denn die ersten Jahre?

Bis 1977 war ich alleine hier in diesem Bereich tätig. Es gab damals keine Vertretung am Wochenende und im Urlaub. Ich mußte Gemeindeschwestern im weiteren Umkreis suchen, mit denen ich mich absprechen konnte. Schwester Angela  aus dem Lukasheim  in Ittenbach und Schwester Domitilla vom Kloster Heisterbach und ich, wir drei haben uns dann im Notfall vertreten. Von der evangelischen Gemeinde Oberpleis war Schwester Wilhelmine - eine Diakonissin - als Gemeindeschwester im Einsatz. Mit ihr habe ich auch zusammengear­beitet, aber da sie noch andere Aufgaben außer Krankenpflege in ihrer Gemeinde hatte, habe ich von Anfang an auch evangelische Patienten gepflegt.

War es nicht unangenehm, in der eigenen Gemeinde Dienst zu tun?

Ja, das haben viele am Anfang gesagt, da ich Leute pflegte, die ich kannte. Am An­fang wußte ich auch nicht, was auf mich zukam. Aber, es gab gar keine Schwierigkeiten. Die Menschen, die Hilfe brauchten, haben mich direkt akzeptiert. Über dieses Vertrauen habe ich mich immer gefreut und tue es auch heute noch. Außerdem kennt man, wenn  ein Anruf  kommt, oft schon die Familie oder die Familie kennt  mich, dann ist schon direkt eine Verbindung geschaffen. Neubürger lernt man eben nach und nach kennen.

Was machen Sie jetzt bei der Sozialstation ?

Ich bin seit 1986 als Leiterin der Caritas-Sozialstation hauptsächlich für die Organisation, die Erstbesuche, die Öffentlichkeitsarbeit usw. zuständig. Wir haben zur Zeit 27 Mitarbeiter. Ich bin auch teilweise noch im pflegerischen Bereich tätig, da wir oft viele Anfragen haben. Das tue ich auch gerne, um nicht ganz aus der Pflege heraus­zukommen. Was auch wichtig ist, ist der Kontakt zu den Pfarrgemeinden, damit die Verbindungen zu Caritasgruppen und ehrenamtlichen Mitarbeitern funktioniert, um Menschen in Notsituationen  ortsnah helfen zu können.

Vielen Dank für  das Gespräch.

 

Quelle
Pfarrfamilie Nummer 5, Oktober - November 1998
Zur Verfügung gestellt von
Maria Hermes; Fotograf unbekannt
Räume & Galerien
Katholische Kirche Oberpleis
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