Kaplan Bruno Nebel im Interviev
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Aufnahme: 1998

Kaplan Bruno Nebel im Interviev

Kaplan Nebel, Sie wurden zum „Geistlichen Leiter " der KJG gewählt. Was haben wir uns hierunter vorzustellen?

Es gibt im Erzbistum Köln mehrere Jugendverbände, die sich im BDKJ zusammen­ geschlossen haben. Das sind z. B. die Pfadfinder; und einer dieser Jugendverbände, mit der größte, ist die KJG (Katholische Junge Gemeinde). Die hat, wie alle anderen Jugendverbände eine Diözesanleitung, und dieser gehört auch ein Geistlicher an. Die Jugendverbände sind demokratisch strukturiert. Dies ist eines der ganz wenigen Ämter für Priester, wo man auch ganz demokratisch für gewählt werden muß. Gewählt wird man von den Delegierten auf der Diözesanversammlung. Die Wahlperiode dauert zwei Jahre.

Ich denke, das Ganze ist ein Stück politische  Vertretung, die auf Diözesanebene  passieren  muß:  politische  Vertretung in der Kirche, nach außen hin, auf die politischen Gremien hin, wie z. B. den Landtag,  und  was  es  da  auch  immer noch geben mag. Und es muß die Arbeit  geleistet  werden, die von den einzelnen Regionen  und Ortsgruppen nicht geleistet werden kann, sprich Ausbildung von Gruppenleitern, erarbeiten von Konzeptionen, bis hin zu  gemeinsamen Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederzeitung, Vertretung auf verschiedene Verbände und Gruppierungen  hin, Kontaktpflege mit den einzelnen Regionen und und und

Wie ist man gerade auf Sie gekommen - es gibt ja sicher eine Reihe von jungen Priestern im Erzbistum?

Ja, man vertut sich da recht schnell, so viele junge Priester gibt es gar nicht. Wenn man Weihjahrgänge von etwa 20 Priestern hat, und nach spätestens 8 Jahren die erste Pfarrstelle ansteht, dann reduziert sich das ganz schnell auf maximal 8 Weihjahrgän­ge. Dann wären das 160 übrige Priester. Die Priester im ersten Jahr fallen dabei vollkommen weg, Kapläne, die gerade die Stelle gewechselt haben, fallen auch weg,  dann schrumpft die Zahl der Kandidaten auf 40 bis 50, davon fallen wieder die Hälfte weg, weil sie sich gar nicht für die Jugendarbeit eignen, weil es einfach nicht ihr Ding ist. Viele Kollegen wollen auch lieber in der Gemeinde bleiben. Ich denke aber auch, das dieses Amt bei der KJG nicht ganz ohne ist. Zum einen hat die KJG in der Kirche nicht unbedingt den besten Ruf, gilt als sehr links und ist nicht immer gut angesehen bei unserem Kardinal. Dann ist es natürlich ein sehr kritischer Jugendverband, was ja nicht das schlechteste ist, aber wenn man da auf Diözesanebene arbeitet und sich ständig fragen lassen muß, macht das die Arbeit auch nicht unbedingt leichter. Man hängt einfach zwischen den verschiedenen Positionen. Auf der einen Seite als Amtsträger als „kirchlicher Mensch", Spannung zwischen KJG und Bi­schof, dann noch mal zwischen den eigenen Ansprüchen, die du an Jugendarbeit hast und dann noch mal an Erwartungen, die die Mitglieder und die Konferenz an dich hat. Es ist sicher ein ganzes Stück krasser, als in der Pfarrei.

Was machen Sie zurzeit?

Wir haben letzte Woche eine Arbeitsaufteilung gemacht, was wer an Schwerpunkten machen kann. Ich habe so ein paar Arbeitsbereiche, z. B. die Kontaktpflege zwischen den Regionen, die Betreuung der Regionen, ich habe vier Kreise, die ich betreue, dann diesen Bereich der geistlichen Leitung, das ist ein Bereich, wo ich erst einmal gucken muß, was möglich ist, was ich alles machen kann, dann den Bereich Kinderstufenarbeit, Gruppenleiterschulung, Vorbereitung für die nächste Großveranstaltung, Vertretung auf den BDKJ hin, der Konferenz der Mitgliedsverbände, Vertretung auf das Erzbistum hin, Jugendseelsorgerkonveniat, ein weiterer Bereich ist der Kontakt zu den anderen Diözesen der KJG, man hat also reichlich zu tun. Die letzten Tage habe ich es gemerkt, daß ich fast die Kurve nicht bekommen habe, als ich hier in der Gemeinde noch etwas zu tun hatte und gleichzeitig bei der KJG. Man ist im ganzen Bistum unterwegs. Ganz kraß habe ich es Ende letzter Woche erlebt, da ging es donnerstags los und bin dann Mittwoch Abend erst wieder zu Hause angekommen. Ich habe geschlafen in Bonn-Venusberg, in Lützerath in der Eifel, irgendwo in Frechen und ich weiß nicht noch wo. Ich weiß nicht, ob das alles nötig ist, aber ...

So buchstabiert Kaplan Nebel KJG:   

Kaffee: bei allen Zusammenkünften und Treffen wird immer unheimlich Kaffee oder Tee getrunken.

A wie Ablage P: ganz einfach deswegen, weil dort sehr viel Papier produziert wird, und das    erste, was ich gemacht habe, war kistenweise, Aktenordnerweise Papier weggeschmissen. So muß man zum Beispiel für die anstehende Bundeskonferenz mal eben so ein paar hundert Seiten lesen. Also ziemlich heftig!!

T wie Telefon: weil man damit die ganze Zeit arbeiten muß!

H wie Hektik: manchmal ist es ganz schön hektisch

0 wie Organisation: weil es ganz wichtig ist, sich selber zu organisieren, damit man das ganze auf die Reihe kriegt.

L wie Landesjugendplan: da sind wir im Moment dran beschäftigt, weil der gekürzt werden soll, da muß man einiges tun, damit weiterhin die Gelder für die Ferien­ freizeiten und der verbandliche Jugendarbeit vorhanden sind. Wenn da gekürzt wird, sieht es nochmal schwieriger aus in der Jugendarbeit.

I wie Interessenvertretung: das sollen Jugendverbände sein, nämlich Interessenver- tretungen für Kinder und Jugendliche

S wie soziale Arbeit: das ist daß, was die Verbände tun C wie christliche Werte vermitteln

H wie Hochzeit: weil ich da Morgen wieder mit dran bin, natürlich hier in Oberpleis E wie Ernsthaftigkeit: damit muß man umgehen können, gerade in der Jugendarbeit

J wie Jugendarbeit - komisch!

U wie Unternehmen: Die KJG ist ein Verband, den man ein ganzes Stück führen muß, wie ein Unternehmen

N wie nörgeln

G wie Großveranstaltung: haben wir nächstes Jahr

E wie Ehrenamt: meine Aufgabe ist es, daß Ehrenamt zu unterstützen. Ohne das Ehrenamt     wäre das, was ich mache, für die Katz'

G wie Generalvikar: Erstens arbeite ich da im  Generalvikariat, zweitens ist das der Chef vom ganzen, auch für die Finanzen zuständig

E  wie  Engagement:  ohne das läuft die ganze Arbeit nicht

M wie Miteinander: weil die ganze Arbeit im letzten nur  im Team zu bewältigen ist.

E wie Einheit: weil es wahrscheinlich weniger um die von Deutschland  geht

I  wie Interkulturelles: ein Themenschwerpunkt der KJG, im Blick auf Europa hin

N wie Nachtruhe

D wie Diözesanebene: da gibt es mit Sicherheit eine ganze Menge zuzusagen, Diözesanverband,  Diözesanausschuß, ...

E wie Exertitien:  ich muß da gerade an Osek denken, da haben wir uns vorgestern Abend noch mal getroffen

Vielen Dank für  das Gespräch.

Quelle
Pfarrfamilie Nummer 3, Juni/Juli/August 1998
Zur Verfügung gestellt von
Maria Hermes; Fotograf unbekannt Kaplan Bruno Nebel verabschiedete sich
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Katholische Kirche Oberpleis
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