Aufnahme: 1998
Michael Faßbender feierte sein 15-jähriges Jubiläum als Kirchenmusiker in unserer Gemeinde
I n t e r v i e w
Michael Faßbender, geb. am 07.10.1952 in Bad Godesberg, feierte am 01.09.1997 sein 15-jähriges Jubiläum als Kirchenmusiker in unserer Gemeinde, zu dem wir ihm natürlich noch ganz herzlich gratulieren wollten. Aus diesem Anlaß besuchten wir ihn:
Herr Faßbender, würden Sie uns etwas über Ihre Ausbildung erzählen?
lch war an der Kirchenmusikschule in Aachen, da habe ich von 1969 bis 73 studiert. Dort bildete man mich zusätzlich zum Orgelspiel auch im Orgelbau, der Harmonielehre, Chorgesang, Liturgie, etc., aus. Meine erste Anstellung danach hatte ich in Hellenthal in der Eifel für zwei Jahre, anschließend arbeitete ich fünf Jahre lang in Oberwinter; im dortigen Kirchenchor lernte ich dann auch meine Frau kennen.
Und wie sind Sie zu uns nach Oberpleis gekommen?
Ich bin ja Angestellter der jeweiligen Gemeinde, sodaß ich auch das Bistum wechseln kann. Hier ist nun schon das dritte Bistum, in dem ich arbeite: Hellenthal gehört zu Aachen, Oberwinter liegt im Bistum Trier - tja, und schließlich bin ich dann durch eine Stellenausschreibung der Gemeinde St. Pankratius wieder in "mein eigenes Bistum", nämlich Köln, zurückgekehrt.
Wie sieht denn der Alltag eines Kirchenmusikers aus?
Ja, der Alltag sieht ganz anders aus als bei jemandem, der acht Stunden lang im Büro arbeitet; d.h. ich habe morgens relativ viel Zeit. Die Gottesdienste vormittags sind halt ganz verschiedenen durch die Schulmessen. Die Nachmittage fallen ebenfalls ganz unterschiedlich aus - z.B. durch Beerdigungen; da die Leute ja schließlich nicht nach Termin sterben, gibt es auch hier Hochkonjunktur und eher ruhige Zeiten. Dann habe ich natürlich die Chorarbeit. Morgens bereite ich da die anstehenden Proben vor, also für die Chorgemeinschaft, den Kinder- und den Jugendchor. Außerdem habe ich noch eine andere Beschäftigung, und zwar arbeite ich an der Musikschule der Stadt Bonn - da war ich übrigens schon, bevor ich nach Oberpleis kam, schon 20 Jahre lang jetzt. Ich unterrichte dort an zwei Nachmittagen in der Woche Klavier. Seit ca. fünf Jahren fahre ich auch zweimal im Monat in den Kindergarten in Sandscheid und singe dort mit den Kindern, die aus dem Kindergarten Oberpleis kommen, einmal im Monat zu mir in die Kirche.
Wollten Sie immer schon (Kirchen-) Musiker werden?
Das ist eine gute Frage. Schon immer natürlich nicht, aber doch recht früh. So etwa mit acht Jahren erklärte ich meinen Eltern: "Ich werde Organist", so wie andere Jungen in meinem Alter vielleicht sagten: "Ich werde Lokomotivführer!" Ich bin immer relativ gerne in die Kirche gegangen, wobei das für ein gewisses Alter wohl eher untypisch ist, und habe mich auch sehr für die Musik dort interessiert. Da meine Mutter sehr kirchentreu war, stand meinem Wunsch eigentlich nichts im Wege, aber es mußte zunächst einmal ein Klavier angeschafft werden. Mein Lehrer sagte nämlich damals: "Wer Orgel spielen will, muß erst mal Klavier lernen".
Müssen Sie denn auch jetzt noch regelmäßig Fortbildungen besuchen?
Ja, z.B. gibt es jedes Jahr die "Kirchenmusikalische Werkwoche" des Erzbistums Köln. Das ist eine gute Sache, finde ich, und ich habe bisher auch immer regelmäßig daran teilgenommen.
Wie ist denn die momentane Situation der Chöre hier in Oberpleis?
Beim Kinderchor herrscht reger Zulauf. Da gab es ja auch mal eine ziemliche Durststrecke (da hab ich dann mit zwei Kinderchen dagesessen). Das hat mich übrigens verstärkt zur Kindergartenarbeit bewegt. Momentan sind jedenfalls ca. 30 Kinder bei mir im Chor und in der Flötengruppe. Der Jugendchor ist da eher ein Sorgenkind. Wenn der weiterbestehen soll, muß ein kompletter Generationswechsel stattfinden, denn so, wie es im Moment läuft, sind die Leute durch Studium und Beruf stark beansprucht, so daß sie nicht regelmäßig zur Probe kommen können. Konkret möchte ich da die 13 - bis 14-jährigen ansprechen in der Hoffnung, daß da welche anbeißen ... Ich hoffe aber mal, daß das klappt, auch wenn das nicht ganz einfach ist, so ganz von vorne anzufangen.
Welche weiteren Projekte haben Sie denn für dieses Jahr geplant?
Als weiteres Projekt schwebt mir so eine Art "Familienchor" vor für Mütter und Väter mit ihren Kindern, vielleicht sonntags nach der Messe; der Termin steht noch nicht fest. Im Juni anl. der 1050-Jahr-Feier soll etwas stattfinden zusammen mit dem ev. Kirchenchor; dann habe ich vor, noch vor den Sommerferien mit dem Kinderchor ein Singspiel in der Kirche zu machen -"Der Turmbau zu Babel". Die Chorgemeinschaft wird jetzt im Januar 15 Jahre jung und natürlich sind einige Konzerte geplant.
Und wie sieht Ihr Rückblick auf die letzten 15 Jahre aus?
Ja, ich hab das mal so grob in Zahlen überschlagen: Es gab 35 Konzerte für geistl. Musik, fast 3000 Sonntagsmessen, 600 Kirchenchorproben, 500 Kinderchorproben und 400 Jugendchorproben. Nun, und was mir an meiner Arbeit also besonders gut gefällt, ist wohl, daß ich mit so vielen verschiedenen Menschen zwischen 6 und 77 Jahren zu tun habe; das 6-jährige Kind ist bei mir in der Flötengruppe, und der 77- jährige Senior ist in der Chorgemeinschaft. Ja, und die scheinbar langweiligen Sonntagsmessen sind trotzdem immer wieder interessant, da sie sich durch die Jahreszeiten und unsere vier Geistlichen liturgisch stets verändern.
Vielen Dank für das Interview!
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