In memoriam Pfarrer Stricker
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Aufnahme: 1995 (Bericht)

In memoriam Pfarrer Stricker

"Am 9.10.1771 wurde zu Boseroth Johann Wilhelm Stricker geboren.
Er war der erste Inhaber der Schulvikarie und Gründer der katholischen Volksschule Oberpleis. Sein Testament ist erhalten geblieben. Nachfolgend daraus einige interessante Auszüge zum besseren Allgemeinverständnis in gebräuchlichem Schriftdeutsch:

Wir Friedrich Wilhelm der dritte von Gottes Gnaden König von Preußen thun kund und hiermit zu wissen, daß vor dem für den Kanton Hennef ernannten Notar Peter Joseph Strunk, wohnhaft in Hennef, Bürgermeisterei und Kanton selbigen Namens; im Siegkreise, Regierungsbezirk Köln und den besonders gebetenen, dem Notar bekannten, mit den gesetzlichen Eigenschaften versehenen vier Zeugen als Matthias Gesell, Schuster, Jakob Ellingen, Mühlenmeister, Wilhelm Lichtenberg der ältere, Wirth, alle dreie wohnhaft zu Oberpleis in der Bürgermeisterei selbigen Namens im Kanton Hennef und Philipp Heider, wohnhaft in Hennef, anwesend war, der dem Notar von Namen, Stand und Wohnorte wohlbekannte Herr Pfarrer Johann Wilhelm Stricker, wohnhaft zu Oberpleis, allda in seiner Wohnung dem Pfarrhause nämlich, unten im Hause in seiner Schlafstube krank zu Bette liegend, übrigens noch bei gutem Verstande und Überlegung, als welches der Notar und die Zeugen aus der mit Ihm gehaltenen Unterredung ganz wohl abgenommen haben ... usw.

Erster Artikel: Meine geistlichen Bücher sowie das Muttergottesbild sollen im Eigentum der hiesigen Pastorat verbleiben. Der Herr Vikar Johann Adolph Müller solle die nichtgeistlichen meinen drei Schwägern, als Communalempfänger Anton Klein, wohnhaft zu Boseroth, Johann Peter Hermes, Ackerer zu Rudscheid und Jakob Röttgen, Ackerer zu Höhnscheider-Hof zur Disposition stellen.
 
Zweiter Artikel: Ich vermache der hiesigen Vikarie fünf Viertel Morgen kölnischen Maaßes von meinem eigenen zu Boseroth am Kreuzplatze auf der Kumme gelegenen Stück Ackerland, welches neben Pastoral-Land allda liegt.
 
Dritter Artikel: Ich vermache tausend Thaler preuß Courant für arme Schulkinder, um nämlich aus den Zinsen dieses Kapitals denselben die nöthige Kleidung anzuschaffen, worunter ich aber weder Schuhe noch Schulgeld verstanden haben will, mit dem Ersuchen an die Armen-Rechnung darüber die Nachweise zu leisten. Die Verwendung solle sich auf die Armenkinder der Pfarre Oberpleis beschränken.
 
Vierter Artikel: Meine an die Kapelle zu Quirrenbach noch habende Forderung von ca. vierzig Thaler schenke ich derselben zur theilweisen Ergänzung ihrer verlustigen Kapitalien.

Fünfter Artikel: Meiner bei mir dahier zur Oberpleis wohnenden Köchin Franziska Schiefer vermache ich für ihre treuen Dienste neben ihrem noch guthabenden Lohn dreißig Thaler preußisch und meiner bei mir noch wohnenden Viehmagd Margarethe Otto außer ihrem noch guthabenden Lohn zwölf Thaler pr. Courant, jedoch nur für den Fall, daß solche an meinem Sterbetag noch bei mir wohnen.
 
Sechster Artikel: Dem Schneider Heinrich Conrads zu Pleiserhohn vermache ich dreißig Thaler preußisch.
 
Sechszehnter Artikel: Da es mein Wille ist, durch diese meine letztwillige Verfügung jedem Erben mit Beseitigung kostspieliger Prozeduren sein Antheil gewissenhaft zu bestimmen ohne dabei die gesetzliche Befugnis zu verletzten, so erwarte ich von meinen Erben, daß solche diese meine Verfügungen in allen Theilen anerkennen und keiner von Ihnen dagegen Einsprache machen werde.
Sollte dieses aber wider Vorhoffen der Fall seyn, so will ich demjenigen, der sich solches beigehen lassen würde, kraft dieses von meiner Erbfolge ausgeschlossen haben, und solle dessen Erbantheil seinen zufriedenen Geschwistern anheimfallen.

Diese vorstehende Willens-Erklärung des Herrn Pfarrer Johann Wilhelm Stricker hat der Notar, so wie er diesem dieselbe diktierte, eigenhändig und getreu niedergeschrieben und demselben in Gegenwart der Zeugen wörtlich vorgelesen, worauf er den Inhalt als seinen letzten Willen entsprechend bestätigte.

Also geschehen und ausgefertigt in einem ununterbrochenen Akte am Krankenbette des Herrn Testators im Pfarrhause zu Oberpleis am Samstage, den sechsten September achtzehnhundert dreißig vier, abends zehn Uhr.

(Pfarrer Stricker starb 5 Tage später am 11. 9. 1834.)"                                                                          

 Zum Andenken                                                                      Pfarrhaus Oberpleis       



Quelle
Aus der Broschüre "Leben in und um Oberpleis"; Seite 30, Herausgeber: Kreissparkasse Oberpleis 1995; Text: Karl Hermann Uhlenbroch
Zur Verfügung gestellt von
Wilbert Fuhr: Broschüre Geburtshaus von Johann Wilhelm Stricker
Räume & Galerien
Leben in und um Oberpleis (Broschüre) Katholische Kirche Oberpleis
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