Aufnahme: 1994
10 Jahre Kath. Kindergarten - Interview mit Frau Dahm
Es stand in der Zeitung: In Königswinter gibt es derzeit 1184 Kinder, denen ein Kindergartenplatz zusteht, aber nur 950 Plätze sind vorhanden. Grund für die Redaktion der Pfarrfamilie, sich einmal mit der Leiterin des Kindergartens Lohrbergstraße Monika Dahm, zu unterhalten.
Frau Dahm, seit wann sind Sie im Kindergarten Lohrbergstraße tätig und wann haben Sie die Leitung übernommen?
Angefangen habe ich am 1. September 1974, also vor fast 20 Jahren. Leiterin bin ich seit dem 1. April 1980.
Wissen Sie eigentlich, viele Kinder Sie seit September 74 bis heute betreut haben?
Also, das habe ich noch nie nachgerechnet, aber es dürften so um die 600 Kinder gewesen sein.
Wie viele Plätze stellt Ihr Kindergarten zur Verfügung?
Unser Kindergarten betreut zwei Gruppen mit jeweils 25 Kindern, so daß 50 Plätze vorhanden sind. Ich aber gleich hinzufügen, daß die Katholische Pfarrgemeinde St. Pankratius insgesamt 100 Kindergartenplätze hat, denn der Kindergarten Sandscheid mit ebenfalls 50 Plätzen, unter der Leitung von Frau Pohl. ist ja auch ein Kindergarten unserer Gemeinde.
Wieviele Erzieherinnen helfen ihnen bei der Arbeit?
In der Lohrbergstraße arbeiten zwei Erzieher innen, zwei Kinderpflegerinnen, eine Ergänzungskraft und eine Fachoberschul-Praktikantin. In Oberpleis sind in jüngster Zeit zwei neue Kindergärten hinzugekommen: der Kindergarten der evangelischen Kirchengemeinde und der Montessori-Kindergarten in Ihrer unmittelbaren Nachbarschaft.
Empfinden Sie diese eigentlich als Konkurrenz?
Jeder Kindergarten setzt Schwerpunkte in seiner Arbeit, und ich finde es gut, daß sich die Eltern entscheiden können, in welchen Kindergarten sie ihr Kind geben. Als Konkurrenz würde ich das nicht bezeichnen. Wir haben einen guten und persönlichen Kontakt zu allen Kindergärten hier im Ort. Ich will aber nicht verheimlichen, daß ich es schade fände, wenn für neue Einrichtungen stets Geldmittel vorhanden sind, aber für alte, dazu zähle ich mal unseren Kindergarten, nicht einmal die Möglichkeit besteht, sie auf heutiges Niveau zu bringen.
Woran fehlt es denn?
Ich will mich nicht in Kleinigkeiten verlieren, aber uns fehlen einfach Ausweichräume, ein Turnraum oder Mehrzweckraum, ein Personalraum und Abstellräume. Leider gibt es dafür kein Geld.
Hätte man das nicht schon bei der Planung des Kindergartens wissen müssen?
Als unser Kindergarten vor 35 Jahren gebaut wurde, war er mit Sicherheit das "Schmuckkästchen" von Oberpleis und der besondere Stolz von Pfarrer Wichert und Schwester Adelhelma. der ersten Leiterin. Es ist ja auch keineswegs so, daß man in unserem Kindergarten nicht vernünftig arbeiten kann, aber ich denke, wir müssen Schritt halten mit der allgemeinen Entwicklung in diesem Bereich. Natürlich hat unser Kindergarten auch noch heute seine Reize. So wird uns immer wieder bestätigt, daß es bei uns urgemütlich und liebenswert sei. Ich halte das für ein Kompliment, aber es hält mich nicht davon ab, mich um die weiteren Entwicklung unseres Kindergartens zu kümmern. Ein Antrag zwecks Erweiterung unserer Einrichtung liegt der Kreisverwaltung Siegburg vor.
Wird unser Kindergarten in finanziellen Dingen denn stiefmütterlich behandelt?
Wenn Sie damit die Behandlung durch unsere Pfarrgemeinde bzw. durch unseren Kirchenvorstand meinen, so sage ich dazu ein klares Nein! Im letzten Jahr ist eine Reihe von Arbeiten in Auftrag gegeben worden, sowohl im Innen— als auch im Außenbereich. Es geschieht also einiges, aber manches ist eben noch zu tun, für das einfach das Geld fehlt.
Frau Dahm, wir möchten noch einmal das Stichwort "Konkurrenz" aufgreifen, auch wenn Ihnen der Begriff nicht gefällt. Sie sprachen von der Möglichkeit, daß sich die EItern für einen bestimmten Kindergarten entscheiden können. Damit entscheiden sich die EItern ja auch für ein bestimmtes Erziehungskonzept . Wie lautet Ihr Konzept?
Vermutlich wollen Sie von mir keine hochgestochenen Ausführungen hören?
Richtig, machen Sie es uns und den Lesern leicht!
Grundlage unseres Erziehungs- und Bildungsauftrages ist natürlich unser katholischer Glaube. Auf dieser Grundlage bieten wir den Eltern, die das gleiche Erziehungsziel anstreben, unsere Hilfe an. Ziel dabei ist es, die Kinder im christlichen Sinne individuell zu selbständigen Persönlichkeiten zu erziehen. Dieses Ziel verbinden wir mit einem großen Angebot zur Förderung der Kreativität, der Umwelt- und Sachbegegnung, des täglichen Aufenthalts im Freien und zur musikalischen Früherziehung. Gleichzeitig legen wir großen Wert darauf, Fähigkeiten zu fördern, um sowohl als Individuum, als auch als Mitglied einer Gemeinschaft leben zu können. Um das Gemeinschaftsbewußtsein zu vertiefen und unseren Familien ein gutes "Wir—Gefühl“ zu vermitteln, veranstalten wir verschiedene Feste und Feiern mit den Kindern und für sie, ihren Eltern, Geschwistern, ihren Großeltern. All das hat dazu beigetragen, daß unser Haus inzwischen zu einem Ort der
Begegnung und der Kontaktaufnahme geworden ist.
Frau Dahm, spätestens aus der Zeitung, wenn nicht gar aus eigener Erfahrung, wissen unsere Leser, daß nicht alle Kinder, die angemeldet werden, auch aufgenommen werden können. Nach welchen Auswahlkriterien gehen Sie denn vor?
Das ist wirklich eine der wenigen unangenehmen Seiten meines Berufs, den EItern sagen zu müssen : „Wir können Ihr Kind nicht aufnehmen“. Voraussetzungen für die Aufnahme in unseren Kindergarten sind, daß der Wohnort im Gebiet der Pfarrgemeinde liegt, daß mindestens ein Elternteil konfessionsgebunden ist.
Sind diese Voraussetzungen erfüllt, hat das ältere Kind Vorrang vor dem jüngeren. Aufgrund des immer noch großen Mangels an Kindergartenplätzen - die in der Zeitung genannten Zahlen entsprechen nicht den Verhältnissen im Bergbereich, sondern sind ein Durchschnittswert - sind wir froh, wenn es uns gelingt, die Kinder zwei Jahre vor Schulbeginn aufzunehmen, manche kommen aber auch nur für ein Jahr zu uns. Diese angespannte Situation führt auch dazu, daß die Aufnahme von Kindern nicht möglich ist, die bereits anderweitig einen Kindergartenplatz haben.
Frau Dahm, herzlichen Dank für das Gespräch.
Die Mitarbeiterinnen im Kindergarten, von links: Monika Dahm, Leiterin, ?
Kinder im Spielzimmer, von links: ?
Von links: ?
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