St. Konstantiahaus - Ein Besuch im Altenheim

Aufnahme: 1994

St. Konstantiahaus - Ein Besuch im Altenheim

Altenheim! Dieser Begriff ist wohl bei vielen von uns negativ besetzt. Die Vorstellung von gebrechlichen Menschen, von Einsamkeit und schließlich vom Tod ist dabei sicher nicht weit entfernt. Trotz der Tatsache, daß die Deutschen immer älter werden und die Alten in ein paar Jahren die Jungen zumindest zahlenmäßig eingeholt haben, ist das Alt sein kaum ein Thema und Altenheim erst recht nicht. Da spricht es sich dann schon leichter von Senioren und ebensolchen Residenzen, um wenigstens einen sprachlichen Deckmantel um das „alt" zu legen. Senioren, sind das nicht die photogenen Omis und Opis vom Werbefernsehen, meist gut betucht und vor allen Dingen n i e krank oder gebrechlich? Sind das unsere Alten?

Wir, die Redaktion der Pfarrfamilie interessierten uns für das Thema Altenheim und wollten einmal genauer wissen, wie es dort zugeht. Den letzten Anstoß gab uns der Tag der Offenen Tür im St. Konstantia-Haus, bei dem wir zunächst ein paar Photos machten. Für Mitte September verabredeten wir uns dann mit Sr. Irmtrud, der Leiterin des Altenheimes zu einem Gespräch. Uns interessierte zunächst, wie man es denn anstellt, ins Altenheim aufgenommen zu werden. Zunächst einmal, sagt Sr. Irmtrud, steht am Anfang das persönliche Gespräch mit dem bzw. den Betroffenen, in dem unter anderem Fragen nach der Art der Unterbringung und der notwendigen Betreuung, nach der Mitnahmemöglichkeit von eigenen Möbeln und natürlich solche nach den entstehenden Kosten bzw. ihrer Finanzierung erörtert werden. Dann muß der künftige Altenheimbewohner seinen Willen schriftlich bekunden, aufgenommen zu werden. Niemand wird also aufgenommen, der dies selbst gar nicht will. Nur bei den unter "Betreuung" stehenden Personen ist dies anders. Zusätzlich zum Aufnahmeantrag ist dem Haus ein vom Arzt auszufüllender Fragebogen einzureichen, mit dem u.a. die Art der Pflege ermittelt wird.

Nach dem Pflegeaufwand nämlich richten sich die Kosten. Bei normaler Pflege sind dies z.Zt. 96,41 DM täglich. Bei erhöhtem Pflegeaufwand, z. B. wenn Hilfe beim An- und Auskleiden, beim Waschen, Aufstehen oder beim Zu-Bett-Gehen notwendig ist, sind dies pro Tag 132,95 DM. Ist schwere Pflege erforderlich, das ist z. B. das Sauberhalten bei Inkontinenz oder die Pflege im Zusammenhang mit Sonderernährung oder die ständige Aufsicht bei Morbus Alzheimer oder bei Demenz, beträgt der tägliche Pflegesatz 165,16 DM.
Der Einzelzimmerzuschlag beträgt einheitlich 2.20 DM pro Tag.

Nach der Erweiterung des St. Konstantia-Hauses stehen diesem nun 75 Heimbewohnerplätze und zusätzlich drei Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung. Diese verteilen sich auf 39 Einzel- und 15 Doppelzimmer. Hinzu kommen noch 3 Zimmer (Wohn- und Schlafzimmer) für Ehepaare. Alle Zimmer verfügen über Telefon-TV-Anschluß sowie eine Naßzelle. Zum Zeitpunkt unseres Gespräches mit Sr. Irmtrud waren 10 Heimplätze in Doppelzimmern noch nicht besetzt, so daß es zur Zeit keine Warteliste gibt. Die Einrichtung der Zimmer besteht aus einem elektrisch verstellbaren Bett, einem Nachtschränkchen mit Wertefach, einem Einbauschrank, Tisch, Stuhl und Sessel. Eigene Möbel können mitgebracht werden, wobei Sr. Irmtrud um Verständnis bittet, daß dies nicht für das Bett gilt. Hier müsse man schon mit Rücksicht auf die Pflegekräfte darauf bestehen, das hauseigene Bett in Anspruch zu nehmen.

Den Heimbewohnern stehen als Einrichtungen des Hauses die Kapelle, der Garten, ein Festsaal, ein Speisesaal, zwei Clubräume mit Terrasse, Aufenthaltsräume und Plauderecken, Räume für die Beschäftigungstherapie (zum Personal gehört eine festangestellte Beschäftigungstherapeutin), für Gymnastik, für den Friseur und die Fußpflege zur Verfügung. Darüber hinaus gehören zum Haus eine modern eingerichtete Küche mit Kühlanlage, eine Waschküche sowie den Erfordernissen des Altenheims entsprechende Bäder und Arbeitsräume.
 
Das St. Konstantia-Haus, das bis 1953 als Krankenhaus und von 1954 bis 1970 als Müttererholungsheim diente, wird von den Schwestern seit 1971 als Altenheim genutzt. Im September 1991 begann man mit der Renovierung und Erweiterung des Hauses. Die Bauarbeiten konnten im Juni 1994 abgeschlossen werden. Bei einem kurzen Rundgang durch das Haus können wir uns davon überzeugen, daß die Baukosten von 13,7 Mio. DM gut angelegt worden sind. Den Verantwortlichen ist es gelungen, ein schönes, zweckmäßiges, helles und freundliches Haus zu präsentieren. Kurz: Wir erleben eine anheimelnde Atmosphäre, zu der auch das geschmackvolle Mobiliar beiträgt. Wirklich außergewöhnlich schön ist der Festsaal im Dachgeschoß, ein Geschenk des Trägers an das Altenheim, also ein Extrabonbon, für das es keine staatlichen Zuschüsse gab. Hier, so erzählt uns Sr. lrmtrud, werden die vielen Feste gefeiert, Weinfest, Sommerfest und viele andere Veranstaltungen, und wir erfahren, daß in diesem Haus durchaus reges Treiben herrscht.

Im Rückblick auf unser Gespräch und unsere Eindrücke wird uns klar: In diesem Haus stehen das Gespräch und die persönliche Zuwendung zu den Alten an erster Stelle. Klar wird uns auch, daß die Betreuung alter Menschen häufig eine außerordentlich schwierige Aufgabe ist, die großen Respekt verdient. Daß uns trotz dieser zum Teil ganz erheblichen Schwierigkeiten bei der täglichen Arbeit in Sr. lrmtrud als Heimleiterin eine ausgeglichene, heitere und sehr kluge Frau begegnet, macht uns für unser eigenes Alt-werden zuversichtlich. Wir sind sicher, daß ihre Persönlichkeit auch die ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter prägt. Auf dem Nachhauseweg schauen wir uns noch einmal um. Da unten, viertes Fenster rechts vom Eingang, da würden wir schon gern ein Zimmer beziehen oder sollten wir vielleicht doch lieber zum Garten hin. . . . ?

Quelle
Pfarrfamilie Nummer 5, Oktober - November 1994; Bericht: die Redaktion
Zur Verfügung gestellt von
Edith Jarzombek / Pfarrbüro St. Pankratius Oberpleis
Räume & Galerien
Konstantia-Haus Oberpleis Katholische Kirche Oberpleis
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