Dank für die Altenbetreuung - Empfang für die Leiter der Offenen Türen

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1992

Dank für die Altenbetreuung - Empfang für die Leiter der Offenen Türen

st. Mit einem Dank an alle Mitarbeiter der Offenen Türen im Königswinterer Stadtgebiet eröffnete Bürgermeister Herbert Krämer einen Informationsabend, zu dem die Stadt die Leiterinnen und Leiter dieser „verdienstvollen Einrichtung" in das Rathaus (Haus Bachem) eingeladen hatte. Sie alle hätten maßgeblichen Anteil an dem Bemühen, den Lebensabend der betagten Mitbürgerinnen und Mitbürger in den einzelnen Stadtteilen zu verschönern und abwechslungsreicher zu gestalten. Für diesen nicht kleinen Personenkreis werde in Königswinter eine Menge getan: Kirchliche Verbände, das Deutsche Rote Kreuz, Bürgervereine, Junggesellen- und Sportvereine, Jugend- und Selbsthilfegruppen, nicht zuletzt aber auch Nachbarschaftshilfen trügen dazu bei, den Betagten der Stadt das Gefühl eines gesicherten Lebens in menschenwürdigem Rahmen zu geben.

Nach der Statistik lebten 1987 in der Bundesrepublik 9,4 Millionen über 75 Jahre alte Bürger, in den neuen Ländern 2,3 Millionen. Im Jahre 2010 sollen es 12,3 bzw. 2,9 Millionen sein. Auch der Lebensbaum der Stadt Königswinter weist auf diesen Trend. Bei steigender Lebenserwartung, betonte der Bürgermeister, sollte man nicht nur von den negativen Seiten des Alters sprechen, sondern vielmehr über Aktivitäten und Positives. Immerhin sei das Geldvermögen in Deutschland im Wesentlichen in der Hand der 60 bis 70-jährigen. Umfragen über den Sinn des Lebens bestätigten die Bedeutung der Familie für die ältere Generation: 67 Prozent der Befragten nannten die „Versorgung der Familie" als Lebensinhalt, 61 Prozent „daß es meinen Kindern gut geht". Das „Leben genießen" stellten 57 Prozent in den Vordergrund und 52 Prozent sahen den Lebenssinn darin „für andere da zu sein und anderen zu helfen". Was die Offenen Türen betrifft, so vermitteln sie nach den Worten von Herbert Krämer ihren oft hochbetagten Besuchern vor allem ein Gemeinsamkeits-­ und Zugehörigkeitsgefühl, das Bewußtsein noch gebraucht zu werden und den ständigen Kontakt. Entscheidend  dabei sei nicht die Häufigkeit, sondern die Qualität dieser Kontakte.

In der Gesprächsrunde mit Bürgermeister und Stadtdirektor wurde nicht verhehlt, daß die Arbeit mit alten Menschen oft sehr schwierig ist. Vor allem sind es Anpassungsschwierigkeiten und unterschiedliche Interessenlagen, die die Programmgestaltung erschweren. Obwohl die Offenen Türen allen offenstehen, werden sie vorwiegend von Hochbetagten mit einer bestimmten Erwartungshaltung besucht. 65-jährige fühlen sich nicht angesprochen („noch zu jung"). Im Königswinterer Stadtbereich betreuen rund 48 Helferinnen und Helfer etwa 370 ständige Besucher. Träger der Offenen Türen sind die Kirchengemeinden, in der Altstadt das DRK. Die personelle Besetzung ist unterschiedlich: In Oberdollendorf sind acht Helfer tätig für 35 Besucher (14tägig), in Niederdollendorf fünf für 25 Teilnehmer (14tägig), in der evangelischen Kirchengemeinde Stieldorf-Heisterbacherrott wirken drei Betreuer für jeweils 25 Besucher (einmal im Monat). Die von der katholischen Kirchengemeinde Heisterbacherrott getragene Offene Tür stellt fünf Mitarbeiter für rund 50 Besucher für den 4. Mittwoch), Stieldorf schafft es mit drei Helfern („Familienbetrieb Remig") an die 80 Betagte 14tägig zu betreuen, 110 kommen zu besonderen Veranstaltungen. In Oberpleis versorgen 14 Betreuer rund 60 Teilnehmer (14tägig). In der Altstadt unterhalten fünf ständige Helferinnen des DRK wöchentlich 40 bis 50 Betagte im Remigiushaus.

Der Montagsreff der Senioren Oberpleis (Kolpingfamilie) hat mit seinem fünfköpfigen Vorstand  nach eigenem  Bekunden „eine Marktlücke entdeckt" und sich ausschließlich Männern angenommen, die („Kontaktpflege mal ohne Frauen") Interesse an informativen Veranstaltungen sowie bildenden Ausflügen und Besichtigungen haben. Wöchentlich sind es über 40. Keine Probleme haben die Offenen Türen mit der Stadt Königswinter. Städtische Zuschüsse in Höhe von 16000 DM insgesamt und  jährlich bilden die Grundlage für viele Aktivitäten. Stadtdirektor Franz-Josef Schmitz machte den Vorschlag, zum  25-jährigen Bestehen der neuen Stadt  Königswinter  im Jahre 1994 auch ein besonderes Programm für Senioren vorzusehen. Bis dahin stehe das Haus Bachern und sein Garten als „Offene Tür" bereit  zum Empfang für Seniorengruppen mit kleinem Besuchsprogramm. Geeignete Vorschläge würden gerne aufgegriffen. Bürgermeister Krämer schlug den Leiterinnen vor, das vorhandene Interesse ihrer Betreuten an Natur und Umwelt zu nutzen und Forstleute des Staatlichen Forstamtes Siegburg zu den Veranstaltungen einzuladen. Verwiesen wurde in der Diskussionsrunde auf die Notwendigkeit, die betagten Bürger selbst zu aktivieren. Es  könne „nicht der Sinn der Offenen Türen sein, die Leute 25-mal im Jahr zu unterhalten". Sie sollten spielen, sich unterhalten und aktiv sein. Bei Hans Remig in Stieldorf bekamen die alten Herrschaften dieser Tage die  „Martinsstuten nur, wenn sie singen". Die Stuten fanden reißenden Absatz.

 

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 47 vom 19.11.1992; Foto und Bericht: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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