Abgebildete Personen
Aufnahme: 1991
Chorgemeinschaft in Ungarn - Essen-Trinken-Singen - Egészségedre!
Diese Reihenfolge und diese Kombination lassen eine gut organisierte und wohlmeinende Gastlichkeit vermuten. Und wo sagt man "Egészségedre", wenn man das Glas erhebt? In Ungarn!
In die Hauptstadt dieses Landes, in die 2,6 Millionenstadt Budapest, machten sich am Samstag, den 19.10.1991 34 sangesfreudige Oberleiser auf den Weg. Diese Reise erfolgte auf eine Einladung des St. Josephs Chores Budapest an die Chorgemeinschaft St. Pankratius. Ende April 1990 war dieser Chor mit seinem Leiter Gabor Bankuti auf der Rückfahrt von einer Konzertreise für 3 Tage Gast in Oberpleis. Damals bereicherte der Chor einen Gottesdienst und gab in unserer Kirche ein eindrucksvoll es Konzert. Wären wir nur mit reisefreudigen Mitgliedern der Chorgemeinschaft gefahren, wären wir nicht singfähig gewesen.
Um so mehr freuen wir uns, daß Sängerinnen und Sänger des Kapellenchores Uthweiler, des ev. Kirchenchores sowie einige Freunde und Bekannte unsere Gruppe in jeder Hinsicht bereichert haben. In fünf gemeinsamen Proben studierten wir unter der Leitung von Michael Faßbender Motetten von Haßler, Scarlatti , Liszt, Distler und Jeep ein. Diese Werke sollten am Sonntag i n einem Gottesdienst in der Kirche St. Joseph Budapest zur Aufführung kommen - Dachten wir. Aber meistens kommt es anders und zweitens als man denkt. Kurzum: Wir haben dennoch gesungen und damit der Eigenschaft als Chor Genüge getan.
Vor uns lagen nun noch 2 1/2 Tage mit einem reichhaltigen Programm. Schon bei der Stadtrundfahrt spürten wir durch die ständigen Hinweise und Bemerkungen unseres ungarischen Reiseführers die Freude und den Stolz über das Ende der kommunistischen Herrschaft. Andererseits sahen und hörten wir, welche enormen Aufgaben die Ungarn nun zu bewältigen haben. Bei unserer Fahrt durch die Innenstadt beeindruckten uns die wunderbaren, aber leider völlig geschwärzten und renovierungsbedürftigen Häuserfassaden. Über die bekannte Kettenbrücke ging es hinauf zur bunten und gepflegten Burgstadt mit der berühmten Fischerbastei und der sehenswerten Matthiaskirche.
Der Abend stand ganz im Zeichen deutsch-ungarischer Begegnung. Mit heimischen Spezialitäten und einem guten Wein vom Balaton (Plattensee) verwöhnten uns die Gastgeber. In ungarischen und deutschen Volksweisen fanden wir an diesem Abend eine gemeinsame Sprache. "Für eine solche Begegnung lohnt es sich zu leben" verabschiedete sich der ungarische Chorleiter und der Beifall war ihm sicher.
Der Montag war ausschließlich der Besichtigung vorbehalten. Zunächst ging es in das ca. 60 km von Budapest entfernte Esztergom, eine der ältesten Städte Ungarns. Esztergom war die erste Hauptstadt des Landes und ist seit mehr als 200 Jahren der Sitz des kath. Erzbischofs. Der monumentale Dom liegt auf einer Anhöhe direkt am Donauufer und ist mit seiner gewaltigen Kuppel dem Petersdom nachempfunden. In der Krypta besuchten wir das Grab des bereits 1976 verstorbenen Kardinals Mindszenty, der im Mai dieses Jahres nun hier seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Der Papst betete bei seinem Ungarn Besuch an diesem Grab. Unsere Führerin wies mit Stolz und Ergriffenheit darauf hin, welche große Ehre dies für das gesamte ungarische Volk gewesen sei. Auf der Rückfahrt machten wir Station in Szentendre (St. Andreas), einer romantischen Künstler-Kleinstadt mit engen Gassen, Kunst- und Kitschläden und weinberankten Innenhöfen. Die Zeit war uns hier viel zu kurz!
Ein herber Kontrast bot dagegen die Fahrt zur Barockstadt Vac. Trostlose, graue Arbeiterwohnbezirke säumten die Straße. Hier, so schien mir, konnte man nur leben um zu arbeiten. Wut und Zorn ergriffen unseren Reiseführer Janosch bei der Einfahrt in das leider schon im Dunkel liegende Vac. Sah er doch hier das Gefängnis, in das ihn einst die Kommunisten gesperrt hatten. Der in barocker Bauweise gestaltete Dom mit seinen kunstvol1en Wandgemälden konnte diesen trüben Eindruck dann doch noch ein wenig aufhellen. Feuchtfröhlich beendeten wir diesen Tag mit einer zünftigen Weinprobe.
Am Dienstag, es war schon der letzte Tag, wagten wir uns dann auf eigene Faust nach Budapest: zum Bummel auf der berühmten Vaci ut (Waitzener Gasse), zum Kaffee ins bekannt Restaurant New York (Cafe Hungaria), zum Burgberg, oder einfach zu einem Streifzug durch die Gassen und Kirchen von Budapest. Eindrücke sammelte heute jeder auf seine Weise. Den krönenden Abschluß fand dieser Tag und damit auch unsere Reise im Besuch einer Aufführung von Puccinis "Madam Butterfly".
Bei guter Laune, reich an Eindrücken, freudigen wie nachdenklich stimmenden, bestiegen wir am Mittwochmorgen den Zug nach Bonn. Ein herzlicher Abschied und die Hoffnung auf ein Wiedersehen begleiteten uns ins wohlgeordnete Oberpleis. Ein herzliches Dankeschön an alle, die zu dieser harmonischen Fahrt bei getragen haben. Insbesondere gilt unser Dank Ersebet Danko. Sie ist Ungarin und seit April '91 i n unserer Gemeinde. Sie war uns mit ihren Sprachkenntnissen eine große Hilfe und hat uns zur Fahrt geraten.
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