Abgebildete Personen
Aufnahme: 1989 (Bericht 1990)
Pater Alvins Biographie
Ich wurde 1939 als zweites Kind meiner Eltern in Meladoor geboren, einem kleinen Dorf in Kerala/Indien. Mit vier Jahren wurde ich in den Kindergarten geschickt, der damals nicht so gut organisiert war wie heute. Wir Kinder gingen immer in das Haus des (Kindergarten-) Lehrers und lernten dort das Alphabet mit den Fingern in den Sand zu schreiben, aber auch kleine Lieder und Gedichte. Als ich fünf Jahre alt war, wurde ich zur Grundschule geschickt, die nur 500 Meter von unserem Haus entfernt war.
Mein älterer Bruder und meine Freunde aus dem Dorf nahmen mich mit. Zum Mittagessen gingen wir nach Hause. Genauso wie in Deutschland besucht man nach der 4. Klasse die Mittelschule, die drei Kilometer von unserem Dorf entfernt lag. Auch hierhin mußten wir zu Fuß gehen; diesmal mußten wir unser Mittagessen mitnehmen. Hier lernte ich neben meiner Muttersprache auch Englisch und Hindi. Unser Schulsystem ist bis zur „High-School“ ähnlich wie hier. Zu meiner Zeit dauerte es 11 Jahre für alle, danach wechselte man auf ein Colleg.
Meine Eltern waren sehr fromm und konservativ.
Sie nahmen mich sonntags immer mit zur Kirche. Schon mit sieben Jahren ging ich zur Ersten Heiligen Kommunion. Vorbereitung dazu erfolgte einen Monat lang, meistens in den Sommerferien. Da wir in der Schule keinen Religionsunterricht hatten, fand er sonntags von 14.00 – 16.00 Uhr in der Kirche statt. Auch wurde in unserer Familie jeden Abend vor dem Abendessen eine halbe Stunde gebetet. Wir Kinder mußten die Gebete und Bibelstellen wiederholen, die wir gelernt hatten, außerdem wurde der "Engel des Herrn" gesprochen. Danach gedachte man der Heiligen, dem Herzen Jesu, dem Patron unserer Kirchengemeinde, dem Heiligen Georg (der uns vor Feuer schützen sollte), dem Heiligen Sebastian (der uns vor Epedemien schützen sollte), dem Heiligen Josef (besonders im März), der Heiligen Maria (besonders im Mai) und dem Heiligsten Herzen Jesu (besonders im Juni) und der Armen Seelen im November. Sie sehen, die Zeit war gut ausgefüllt.
Später wurde ich Mitglied im "Marian Sodality". Wir trafen uns samstags zur Beichte und zur Feier der Heiligen Messe mit Kommunionempfang. Anschließend war Zeit zum Gespräch über religiöse Themen, aber auch, um Aktionen gegen die Armut vorzubereiten. Einmal im Jahr gab es Einkehrtage für Kinder und Erwachsene. Durch diese religiöse Atmosphäre in meiner Familie, in meinem Dorf und in der Gemeinde wurde ich beeinfiußt, Priester zu werden. Meine Familie und Lehrer unterstüzten meinen Entschluß, denn wir waren stolz auf unsere Priester und ein Priester in der Familie ist eine Gottesgnade. Aus meiner Gemeinde gingen allein 50 Priester und mehr als 300 Nonnen hervor.
Ich entschloß mich, 1956 in den Orden der "Kameliten von der unbefleckten Muttergottes" einzutreten. Es ist ein Orden, der 1831 in Kerala von dem indischen Priester Kuriakose Elias Chavera gegründet wurde (1986 wurde er von Papst Johannes Paul selig gesprochen.) Mein Noviziat machte ich in Kerala und das anschließende Priesterseminar besuchte ich in Bangalore, wo der Orden ein eigenes Haus hat. Mein Seminarleben war ausgefüllt mit dem Philosophie- und Theologiestudium, aber auch mit vielen Gedanken und Anregungen. Ich denke gerne an diese Zeit zurück. Im Dezember wurde ich in Bombay zum Priester geweiht. Bei meiner Priesterweihe war Papst Paul VI. anwesend, anläßlich des Eucharistischen Weltkongresses. Es war ein großes Ereignis für alle Inder.
Ich hoffe, beim nächsten Male an dieser Stelle über meine Aktivität und mein priesterliches Leben berichten zu können.
PATER ALVIN
Die Mutter von Pater Alvin trägt auf dem Bild das Gewand der Christen aus Kerala.
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